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Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten
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Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011
zurückgegangen, dass es fraglich ist, ob die Leistungen der Ökosysteme langfristig
sichergestellt sind.
Seit den 1990er-Jahren haben sich die Bestandesrückgänge bei einigen Arten verlang-
samt. In wenigen Einzelfällen fand eine positive Entwicklung statt. Die Prognosen bis
2020 zeigen jedoch, dass eine echte Trendwende unter den gegebenen Rahmenbedin-
gungen nicht möglich ist. Bereits die Stabilisierung des heutigen Zustands benötigt ein
deutlich stärkeres Engagement für die Erhaltung der Artenvielfalt als das derzeitige.
Mit der globalen Vernetzung stieg gleichzeitig die Zahl der absichtlich und unabsicht- Invasive gebietsfremde lich eingeführten Arten in der Schweiz. Die meisten verschwinden nach einigen Jahren Organismen wieder oder gliedern sich unauffällig in unsere Ökosysteme ein. Einige aber haben die
Fähigkeit, sich auf Kosten einheimischer Arten stark auszubreiten und eine so hohe
Bestandesdichte zu erreichen, dass dadurch die biologische Vielfalt und deren nachhal-
tige Nutzung beeinträchtigt werden können. Diese sogenannten invasiven gebietsfrem-
den Arten können vielfältige ökologische Schäden verursachen, indem es zur Verdrän-
gung von oder zur Hybridisierung mit einheimischen Arten kommt, oder indem
ökologische Faktoren oder Funktionen einheimischer Ökosysteme verändert oder
Krankheiten und Parasiten auf einheimische Arten übertragen werden. Im Weiteren
können Gesundheitsprobleme beim Menschen durch toxische oder allergene Stoffe
ausgelöst werden. In der Landwirtschaft oder an Infrastrukturen können beträchtliche
ökonomische Verluste erfolgen, z. B. Mehrkosten im Unterhalt bei Gleisanlagen,
Strassen und Ufern.
4.3 Genetische Vielfalt
Die Überlebens- und Evolutionsmöglichkeiten von Arten und ihren Populationen
hängen auch von ihrer genetischen Vielfalt ab. Genetisch einheitliche Arten sind
stärker vom Aussterben bedroht, da sie weniger gut auf die sich ändernden Umweltbe-
dingungen reagieren können. Eine Verarmung der genetischen Vielfalt kann deshalb
zum Aussterben von Arten führen.
Gleichzeitig führt der Rückgang der genetischen Vielfalt auch zum Verlust wichtiger Genetische Ressourcen oder potenziell wichtiger Ressourcen für den Menschen. Genetische Ressourcen dienen in der Schweiz als Ausgangsmaterial für die Entwicklung neuer Medikamente oder Wirkstoffe und
bilden die Grundlage von allen Pflanzensorten und Tierrassen der Landwirtschaft. In
der Schweiz werden genetische Ressourcen des In- und Auslandes in unterschiedlichen
Sektoren genutzt, insbesondere in der Forschung, im Landwirtschafts- und Pharmabe-
reich. Für die Schweiz sind die spezifische biologische Vielfalt im Alpenraum und die
langjährige landwirtschaftliche Praxis eine wichtige Quelle genetischer Ressourcen, die
es zu erhalten und nachhaltig zu nutzen gilt. Die 27 einheimischen Nutztierrassen74,
900 Garten- und Ackerpflanzenarten und -sorten, 450 Beeren- und 1800 Obstsorten
stellen einen Reichtum dar, der einen wichtigen Beitrag an die Sicherheit unserer
Nahrungsmittelversorgung leistet und auch wertvolles kulturhistorisches Erbe ist.
Trotz der reichen einheimischen genetischen Vielfalt wird ein Grossteil der in der Genetische Ressourcen Schweiz genutzten genetischen Ressourcen aus dem Ausland erworben. Für Industrie, im Ausland Forschung und Landwirtschaft ist es deshalb wichtig, dass die genetischen Ressourcen
global erhalten bleiben und der Zugang zu diesen Ressourcen auch im Ausland sicher-
gestellt wird. Die ausgewogene und gerechte Verteilung der sich aus der Nutzung der
genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile schafft hierfür eine wichtige Grundlage.
74 ProSpecieRara 2009: Nutztierrassen der Schweiz