Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2012/130: Gesundheitsberufegesetz, GesBG (provisorischer Titel) · 46 Seiten
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Vorentwurf Gesundheitsberufegesetz / Erläuternder Bericht
Die Entwicklungen in der Bildungslandschaft der Schweiz zeigen, dass sich Masterstudiengänge im Gesundheitsbereich etablieren: Die akademische Pflegeausbildung begann 1996 mit einem pflegewissenschaftlichen Masterstudiengang im Rahmen einer Kooperation zwischen der Universität Maastricht (Holland) und der damaligen Kaderschule für die Krankenpflege des Schweizerischen Roten Kreuzes in Aarau. Die Universität Basel bietet seit dem Jahr 2000 einen Masterstudiengang in Pflege an; die HES-SO führt in Kooperation mit der Universität Lausanne seit 2009 einen Kooperationsmasterstudiengang in Pflege. Seit 2010 können auch an den öffentlich-rechtlichen Fachhochschulen
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(ZFH/BFH/FHO ) und der privaten Fachhochschule Kalaidos Masterstudiengänge in Pflege absolviert werden. Bis 2012 haben in der Schweiz 277 Personen einen Masterstudiengang in Pflege abgeschlossen. Dazu kommt eine beträchtliche Anzahl von Pflegefachleuten, die ihren Mastertitel in Pflege im Ausland erworben haben. Die geringe Anzahl der bisher in der Schweiz erlangten Masterabschlüsse in Pflege ist darauf zurück zu führen, dass die Studiengänge mit Ausnahme des Angebots an der Universität Basel erst seit kurzer Zeit bestehen.
Im Bereich der Physiotherapie bieten die BFH und die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) einen Kooperationsmasterstudiengang an. In der Ergotherapie ist ebenfalls an der ZHAW ein Masterstudiengang bewilligt. Für Hebammen und in Ernährung und Diätetik werden zurzeit in der Schweiz keine Masterstudiengänge angeboten.
Versorgungsbedarf im schweizerischen Gesundheitswesen
Die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt auf, dass in Europa etwa 86 % der Todesfälle und 77 %
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der Krankheitslast durch chronische, nicht übertragbare Erkrankungen verursacht werden . Die ökonomischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind beträchtlich: chronische Erkrankungen führen zu verringerter Produktivität, Invalidität und frühzeitigen Pensionierungen. Das European Observatory on
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Health Systems and Policies erläutert in seinem Bericht Strategien zur Bewältigung der damit verbundenen Herausforderungen. Der Fokus der Gesundheitsversorgung liegt heute auf der kurzfristigen Betreuung in Akutsituationen. Der Umgang mit chronischen erkrankten Menschen erfordert dagegen eine Begleitung über Jahre oder Jahrzehnte unter Einbezug des sozialen Umfelds der Betroffenen.
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Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (OBSAN) rechnet in den nächsten Jahrzehnten mit einer steigenden Zahl von pflegebedürftigen betagten Frauen und Männern. In der vom Spitex-
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Verband in Auftrag gegebenen SwissAgeCare-Studie wird aufgezeigt, dass mehr als die Hälfte der über 85-jährigen zuhause lebenden Menschen in ihrem Alltagsleben stark eingeschränkt sind und von ihren Angehörigen gepflegt werden. Damit diese Menschen weiterhin zuhause betreut werden können, benötigen sie und ihre Angehörigen eine auf ihre spezifische Situation ausgerichtete Betreuung. Diese soll auf die möglichst selbstständige Gestaltung des Lebens, die Erhaltung der Lebensqualität und die Vermeidung von Komplikationen ausgerichtet sein.
Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) sowie das BAG halten fest, dass vor diesem Hintergrund der Bedarf nach (haus)ärztlichen und pflegerischen Leistungen, gerade auch im ambulanten Bereich, steigen wird. Änderungen in der medizinischen Grundversorgung stehen an. Ein Ansatz sind neue Versorgungsmodelle, die sich jedoch nicht auf die Betreuung von chronisch kranken und alten Menschen beschränken, sondern eine umfassende Versorgung sicherstellen sollen. Solche Versorgungsmodelle zeichnen sich durch eine am Bedarf der
72 Kooperationsstudiengang ZFH/BFH/FHO
73 Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa: www.euro.who.int Health topics > Disease prevention > Tobacco > Noncommunicable diseases top of world’s agenda
74 European Observatory on Health Systems and Policies: Tackling Chronic Disease in Europe. Strategies, Interventions and Challenges, 2010, S. 1ff.
75 Höpflinger, F., Bayer-Oglesby, L. & Zumbrunn, A.: Pflegebedürftigkeit und Langzeitpflege im Alter. Aktualisierte Szenarien für die Schweiz, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, 2011, S.7.
76 Spitex Verband Schweiz: SwissAgeCare-2010. Wer pflegt und betreut ältere Menschen daheim? S.7.