Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/46: Energiestrategie 2050 · 138 Seiten

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Stromversorgung

Die Stromversorgung der Schweiz ist seit der Bildung des „Sterns von Laufenburg“ im Jahr 1958, als die Stromnetze von Deutschland, Frankreich und der Schweiz synchron geschaltet wurden, im Bereich der Stromversorgung eng mit den Nachbarländern verknüpft. Die hiesige Stromwirtschaft entwickelte eine rege Export- und Importtätigkeit, die heute mengenmässig etwa dem inländischen Jahresverbrauch respektive der Landeserzeugung entspricht. Deshalb ist die Schweiz heute in Europa führend im grenzüberschreitenden Handel von Elektrizität. Als Stromdrehscheibe Europas ist die Schweiz daher eng mit dem sich bildenden europäischen Strombinnenmarkt verflochten. Für die künftige Versorgungssicherheit bei der Elektrizität ist eine Beteiligung der Schweiz in den entsprechenden EU-Gremien zentral. Auch aus diesem Grund kommt einem Energieabkommen mit der EU grosse Bedeutung zu.

Risiken bestehen insbesondere bei den Stromnetzen. Die hohe Belastung des Übertragungsnetzes ist bereits heute eine Tatsache, was zu Produktionseinschränkungen und knapp vorhandenen Grenzkapazitäten führt. Zudem besteht im Höchstspannungsnetz ein erheblicher Investitionsbedarf für Erneuerungsmassnahmen aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Übertragungsnetzes (vgl. Ziffer 1.3.4). Zusätzlich ergibt sich ein Ausbaubedarf des Netzes aufgrund der Integration der neuen Pumpspeicherkraftwerke27, den regionalen Kapazitätsengpässen und den Entwicklungen insbesondere in Deutschland bzw. beim Stromtransit.

Bei den Verteilnetzen stellt sich das Problem, dass künftig eine grosse Anzahl dezentraler Kraftwerke Strom aus erneuerbaren Energien in das Netz einspeisen werden. Häufig ist deren Stromproduktion unregelmässig, was die Steuerung des Systems Produktion-Netze-Verbrauch erschwert. Entsprechend müssen auch die Verteilnetze ausgebaut und modernisiert werden (vgl. Ziffer 1.3.4). Zudem wird der Speicherung von Strom künftig bei der Gewährleistung der Versorgungssicherheit eine zentrale Rolle zukommen. Hier sind neue Technologien gefragt, mit denen vor allem auf lokaler Ebene – den saisonalen Bedingungen entsprechend – Energie gespeichert werden kann.

Schliesslich wird die Einführung und Anwendung neuer Technologien – wie beispielsweise die intelligente Verbrauchssteuerung – die Anforderungen an die Sicherung der Energieversorgung verändern. In diesem Zusammenhang ist der langfristige Aufbau eines neuen, europäischen Höchstspannungsnetzes (Supergrid) zu erwähnen, das vorwiegend mit Gleichstrom betrieben werden soll. Ein solches europaweites System würde die Übertragungskapazitäten entscheidend verstärken und damit Kapazitätsengpässe beseitigen.

Eine weitere Herausforderung stellt sich im Bau neuer und die Erneuerung bestehender Kraftwerke. Diese Vorhaben stossen heute auf wenig Akzeptanz und sind daher schwer zu realisieren.

Stromimporte

Während bei den fossilen Energieträgern (Öl, Gas) die Schweiz vollständig von Importen abhängig ist, ist die Elektrizitätsproduktion und der Elektrizitätsverbrauch in etwa ausgeglichen. Über das Jahr besteht aber ein intensiver Austausch mit dem Ausland, mengenmässig in der gleichen Grössenordnung: So wird typischerweise tagsüber Strom exportiert und nachts importiert. Zudem müssen im Winterhalbjahr grosse Mengen importiert werden, während in den Sommermonaten exportiert werden kann. Die Stromimporte sind zu einem grossen Teil über langfristige Bezugsverträge geregelt. Darüber hinaus ist die Schweiz aber auf einen

27 Mit den sich im Bau befindenden neuen Kraftwerken Nant-de-Drance im Wallis (900 MW) und Linth- Limmern in Glarus (1'000 MW) sowie den geplanten Kraftwerken Lago Bianco im Puschlav (1'000 MW) und KWO plus im Kt. Bern (600 MW) wird die Kraftwerkskapazität im Bereich der flexiblen Pumspeicherwerke weiter ausgebaut.