Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/46: Energiestrategie 2050 · 138 Seiten

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2017 Erdgas aus Aserbaidschan via Griechenland und Albanien nach Italien und dereinst auch weiter in die Schweiz transportiert werden soll.

Globale Risiken im Bereich der Versorgungssicherheit

Wegen tiefer Energiepreise (Erdöl, Erdgas, Uran), Marktunsicherheiten und unwirksamen Wettbewerbs wurde in früheren Jahren weltweit Investitionen in die Energieinfrastrukturen vernachlässigt. Hinzu kommen der wachsende Energiehunger der Schwellenländer und der globale Wettlauf um Energieressourcen. Beides führt zu einem globalen Nachholbedarf an Investitionen in die konventionelle Versorgungskette und tendenziell zu einer Periode mit steigenden Energiepreisen. Im Gasbereich ist zurzeit jedoch eine regional unterschiedliche Preisentwicklung feststellbar: Während sich die USA aufgrund des massiven Ausbaus der unkonventionellen Gasförderung (vor allem Schiefergas) vom Gasimporteur zum Gasexporteur entwickelt und auf dem Gasmarkt in den Vereinigten Staaten seit längerem aufgrund des Anstiegs der Produktion die Gaspreise tief sind, befinden sich die Gaspreise in Europa – trotz angespannter Wirtschaftssituation – weiterhin auf hohem Niveau. Auch in Asien liegen die Gaspreise auf hohem Niveau und steigen dort aufgrund der wachsenden Nachfrage weiter an.

Die Versorgungsrisiken liegen im Zeithorizont 2050 weniger in der Begrenzung der fossilen Energieressourcen, als vielmehr in den geopolitischen Konflikten. Die nachgewiesenen Erdöl- und Erdgasreserven befinden sich vor allem in den Staaten der OPEC und in Russland. Diese Staaten haben eine marktdominante Stellung. Die Konflikte im Nahen Osten hängen zum Teil mit der Verfügbarkeit über Energieressourcen zusammen. Die Unfall-, Natur- und Sabotagerisiken sind erheblich, weil grosse Wirtschaftsräume durch stark konzentrierte Transportsysteme (Pipelines, Grosstanker, Übertragungsnetze) versorgt werden.

Andererseits sind die Staaten mit grossen Energieressourcen auf Einnahmen aus Energieexporten angewiesen und damit ebenfalls von stabilen und sicheren Beziehungen mit den Verbraucherländern abhängig. Kohle-, Uranvorkommen und erneuerbare Energien sind breiter diversifiziert als Erdöl und Erdgas. Insbesondere haben hier auch OECD-Staaten grosse Reserven. Das globale Energiesystem ist trotz der gegenseitigen Abhängigkeiten sehr verwundbar.

Nationale Risiken im Bereich der Versorgungssicherheit

Unabhängig von der Energiewende besteht bereits heute Handlungsbedarf zur mittel- und langfristigen Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit. Denn künftige Veränderungen von bestehenden Rahmenbedingungen wie Bevölkerungswachstum, Energiepreise, Entwicklung des Bruttoinlandproduktes, Energiebezugsflächen bei Gebäuden oder die Entwicklung beim Personen- und Güterverkehr können Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben. Auch natürliche Voraussetzungen der Energieversorgung (Klima, Wasserverfügbarkeit, Naturgefahren, etc.) dürften sich zukünftig ändern und die Energieversorgungssicherheit in der Schweiz beeinflussen.

Krisenvorsorge auf nationaler und internationaler Ebene

Die Energieszenarien29 des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zeigen, dass die Importabhängigkeit der Schweiz durch verbesserte Energieeffizienz deutlich verringert und damit die Versorgungssicherheit erhöht werden kann. Wesentlich schwieriger ist es, eine noch weitergehende Diversifikation der Versorgung nach Energieträgern, Herkunftsländern und Zufuhrwegen zu erreichen sowie Flexibilität in das

29 Die Energieperspektiven 2050, Bundesamt für Energie, Prognos AG, Basel und Ecoplan AG, Bern. Abrufbar im Internet unter: www.bfe.admin.ch, Rubrik Energiestrategie 2050 / Energieperspektiven 2050.