Bericht NRP
Vernehmlassung 2014/40: Änderung der Verordnung über die Gewährung von Steuererleichterungen im Rahmen der Regionalpolitik · 53 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 21Fedlex · Erläuternder Bericht
Credit Suisse Economic Research
Aufgrund der Neukonzeption der Eidgenössischen Volkszählung und der Umstellung auf eine Stichprobe bzw. Registererhebung sowie die Neukonzeption der Betriebszählung/STATENT steht eine Reihe von weiteren – früher verfügbaren – regionalökonomischen Indikatoren nicht mehr bzw. noch nicht zur Auswahl. Es sind dies insbesondere Indikatoren der Mobilität (Pendlermatrix, aufgrund Stichprobenerhebung nicht mehr verfügbar) sowie der regionalen Qualifikationsniveaus (höchster abgeschlossene Ausbildung, noch nicht genügend Beobachtungen in der rollenden Stichprobe der Strukturerhebung). Es wird darauf verzichtet, auf diese näher einzugehen, da diese nur für das Erhebungsjahr 2000 verfügbar sind und darum einer einigermassen aktuellen Betrachtung nicht mehr gerecht werden. Während die Betriebszählung/STATENT einen vergleichbaren Informationsgehalt aufweist wie in der Vergangenheit, lassen sich aktuell noch keine Zeitvergleiche erstellen: Die per 2011 neue Definition der Beschäftigten (Kriterium: AHV-Pflicht anstelle von Minimal-Beschäftigungsgrad) verunmöglicht den Vergleich mit früheren Erhebungen auf desaggregierter Stufe (z.B. Gemeinden). Aus diesem Grund wird die Beschäftigungsentwicklung auf Basis der Betriebszählung bis 2008 betrachtet.
Regionale Bruttowertschöpfung 2011
Die Bruttowertschöpfung (BWS) auf regionaler Ebene wird von Credit Suisse Economic Research berechnet. Basis sind die von der Bundesstatistik seit kurzem verfügbaren kantonalen Zahlen der Bruttowertschöpfung sowie das Produktionskonto nach Branchen. Grundsätzlich wird die BWS "top-down" mit der regionalen Beschäftigung (STATENT 2011) nach Branche von der nationalen und kantonalen Ebene auf die Regionen und Gemeinden verteilt. Zusätzlich wird das Anforderungsniveau der Beschäftigten in jeder Branche und jeder Region berücksichtigt. Für die Wertschöpfung der privaten Haushalte (Vermietung) werden spezifische Regionalisierungsmethoden verwendet. Dabei wird unter anderem das Niveau der Mietpreise berücksichtigt.
Um Strukturen zu veranschaulichen und die Vergleichbarkeit zu ermöglichen, müssen die jeweiligen Indikatoren in Form von Quoten, Anteilen, Wachstumsraten etc. dargestellt werden. Absolutwerte werden in Relation zu einer möglichst genau zutreffenden Grundgesamtheit dargestellt. In einigen Fällen sind diese Verhältnisse aufgrund statistischer Gegebenheiten jedoch durch beträchtliche Zeitabstände gekennzeichnet. Beispielsweise lässt sich dies bei der Arbeitslosenquote zeigen: Die jeweils aktuellen Arbeitslosenzahlen werden für die hier betrachtete Periode mit der Basis der Erwerbsbevölkerung aus der Volkszählung 2000 verglichen. Dies ist aufgrund der wachsenden Erwerbsbevölkerung nicht vollständig befriedigend, für diese Analyse jedoch ausreichend, da hauptsächlich die regionalen Disparitäten im Fokus stehen.10
Um die Strukturschwäche einer Region auszudrücken eignen sich besonders Indikatoren, welche ein Marktergebnis im Standortwettbewerb darstellen. So sind etwa Unternehmensgründungen ein Vertrauensbeweis in die Standortregion: Gründer sind bereit, an einem bestimmten Standort Investitionen und finanzielle Risiken einzugehen. Die möglichen Konsequenzen eines Fehlentscheids bezüglich des Standorts sind oft erheblich, weshalb solche Entscheide sorgfältig gefällt werden. Ähnlich verhält es sich mit der Wohnortswahl: Umzüge haben oft grosse finanzielle, soziale, schulische und diverse weitere Konsequenzen für die Betroffenen und werden ebenfalls sorgfältig abgewägt. Der resultierende Entscheid basiert auf subjektiv wahrgenommenen Vorteilen, relativen Preisen, Faktoren der Standortqualität, spezifischen Anreizen, staatlichen Regulierungen und einer Reihe von weiteren Kriterien. In jedem Fall zeigt ein Zuzug jedoch, dass die Vorteile für einen bestimmten Standort überwiegen und die fallspezifische Attraktivität dieses Standorts im Konkurrenzvergleich am höchsten ist. Regionen, in denen Abwanderungstendenzen und das Verschwinden von Arbeitsplätzen überwiegen, weisen im Standortwettbewerb ein Attraktivitätsdefizit auf. Zusätzlich resultiert meist eine Schwächung der ansässigen Struktur, sei es durch eine alternde Bevölkerung oder durch einen Rückgang der vor Ort erzielten Produktionsleistung.
10 Nähere Details dazu sind in der folgenden Publikation ersichtlich: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, Juni 2012. SECO, 9. Juli 2012.