Vorlage

Vernehmlassung 2014/51: Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) · 71 Seiten

Fedlex · Vorlage · Seite 11Fedlex · Vorlage

Was die Folgen und finanziellen Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen angeht, Schweiz gibt es für die Schweiz nur Schätzungen für spitalbedingte Infektionen: Die Schweizerische Expertengruppe im Bereich Infektiologie und Spitalhygiene (SwissNOSO) schätzt, dass pro Jahr ca. 70‘000 spitalbedingte Infektionsfälle auftreten, die bei rund 2‘000 Patientinnen und Patienten zum Tode führen. Ein Teil dieser Infektionen sind durch resistente Erreger verursacht, der genaue Anteil ist jedoch nicht bekannt. Die Mehrkosten aufgrund aller spitalbedingten Infektionsfälle belaufen sich auf ca. 240 Millionen Franken pro Jahr.

Die Überwachung der Resistenzlage durch Anresis.ch5 im humanmedizinischen und ARCH-Vet6 im veterinärmedizinischen Bereich zeigt folgendes Bild:

Bei der Anzahl resistenter Bakterienstämme liegt die Schweiz im Humanbereich im Mittelfeld: relativ tief im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Italien, Grossbritannien und ost- und südeuropäischen Ländern, jedoch höher als in Skandinavien und den Niederlanden. Beobachtungen zeigen aber, dass gewisse Resistenzen, v.a. bei Klebsiella pneumoniae, E. coli und Staphylococcus aureus in der Schweiz und in ganz Europa zunehmen.

Im Veterinärbereich kann die Resistenzsituation im Vergleich mit vielen süd-, mittel- und osteuropäischen Ländern noch als eher günstig bezeichnet werden. Im Vergleich mit nordischen Ländern kommen gewisse Resistenzen in Schweizer Nutztieren aber deutlich häufiger vor (z.B. Tetrazyklinresistenzen aus E. coli von Mastschweinen und Rindern). Beunruhigend ist hierzulande die Zunahme von Resistenzen gegenüber Antibiotikagruppen, die nur zurückhaltend eingesetzt werden sollten (z.B. Fluorchinolone), und die Zunahme multiresistenter Keime, wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus bei Schlachtschweinen.

1.3 Bisherige Bestrebungen

Die zunehmende internationale Vernetzung durch Handel, Reiseverkehr und Globale Aktivitäten

medizinischem Tourismus führt dazu, dass sich neu auftretende Resistenzen innert kürzester Zeit weltweit verbreiten. Demzufolge müssen sich bei der Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen alle Länder gleichermassen engagieren.

In der im Jahr 2001 veröffentlichten Globalen Strategie der WHO zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen wurden die wichtigsten Handlungslinien für die Bereiche Überwachung, Prävention und Krankheitsbekämpfung skizziert. Dieser Strategie folgte 2005 die Resolution WHA58.27, in der die Länder aufgefordert wurden, ihre Massnahmen gegen die wachsende Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen zu verbessern. Weil seit diesem Zeitpunkt nicht genug getan worden ist, hat der Handlungsappell für die meisten Mitgliedstaaten der WHO nach wie vor Gültigkeit. 2011 hat deshalb das Regionalkomitee für Europa sieben strategische Ziele definiert, die von den Mitgliedstaaten aufgegriffen werden sollen7.

Die neueste WHO-Strategie bezüglich Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen wurde im September 20128 veröffentlicht. Die WHO empfiehlt ihren Mitgliedstaaten, nationale Aktionspläne auszuarbeiten und diese auch umzusetzen. Dabei

5 www.anresis.ch

6 http://www.blv.admin.ch/dokumentation/04506/04518/index.html?lang=de

7 WHO Regionalbüro für Europa, EUR/RC61/14: Strategischer Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen

8 WHO (2012), The evolving threat of antimicrobial resistance - Options for action