Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten
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Sachplan geologische Tiefenlager
ger zu rechnen. Ausserdem besitzen der Opalinuston wie auch der Bentonit ein hohes Selbstabdichtungsvermögen, wodurch sich Risse infolge des Quellens der Tonminerale wieder schliessen und das Rückhaltevermögen des Wirtgesteins erhalten bleibt. Verschiedene Heizexperimente im Felslabor Mont Terri belegen, dass die im Opalinuston ablaufenden Prozesse gut verstanden sind und nicht von einer Gefährdung des Rückhaltevermögens auszugehen ist.
Pilotlager und Testbereiche im gTL: Gemäss KEV muss ein gTL ein Pilotlager umfassen, in welchem eine repräsentative Menge an radioaktivem Abfall überwacht wird. Im Pilotlager ist das Verhalten der Abfälle, der Verfüllung und des Wirtgesteins – also des gesamten Barrierensystems – bis zum Ablauf der Beobachtungsphase zu überwachen. Im Pilotlager sind jedoch keine Experimente vorgesehen. Experimente zu sicherheitsrelevanten Eigenschaften des Wirtgesteins zur Erhärtung des Sicherheitsnachweises für die Betriebs- und Nachbetriebsphase sind in separaten Testbereichen im gTLvorgesehen. Basierend auf den experimentellen Ergebnissen ist zu bestätigen, dass die Wärmefreisetzung der HAA zu keiner Beeinträchtigung der Langzeitsicherheit führt.
Chemische Wechselwirkungen: Bezüglich der chemischen Wechselwirkungen zwischen Ton und Zement durchgeführte Experimente zeigen, dass die Dicke der Reaktionsschicht mit Veränderungen am Ton relativ gering ist. Trotz seiner konservativen Abschätzungen des Umfangs chemischer Wechselwirkungen zwischen zementbasierten Stütz- bzw. Verfüllmaterialien und Opalinuston bzw. Bentonit kommt das ENSI in seinen bisherigen Beurteilungen zum Schluss, dass bei einer geeigneten Auslegung des Lagers die Wechselwirkung zwischen Zement und zementartigen Materialien wie z. B. Beton und Opalinuston nur geringfügigen Einfluss auf die Langzeitsicherheit hat. Gas wird im Kapitel 3.5.17 behandelt.
3.5.14 Erdbeben
Die ÖDP Waldshut bemängelt, dass Opalinuston zu seiner Langzeiteignung in Bezug auf Verwerfungen bei starken Erdbeben zu wenig erforscht sei bzw. solche Ereignisse zu wenig bedacht worden seien. Speziell mit Blick auf die erhöhte Erdbebengefährdung im Rheingraben seien die Untersuchungen unzureichend. Nach B90/Grüne Singen, KLAR! (D) und einer Einzelperson liegen der Hochrhein und das Bodenseegebiet in der Erdbebenzone 2 nach DIN, was gemäss einer Einzelperson Beben der Intensität von 7 bis 7,5 alle 50 Jahre erwarten lasse – Ähnliches treffe wohl auch auf der Schweizer Seite zu. Weiter sei der Zusammenhang zwischen Vulkanismus und Tektonik zu bedenken. Es sei auch zu prüfen, welche Stärke von Erdbeben ein gTL unbeschädigt überstehe könne.
Mehrere Einzelpersonen erachten (zusammengefasst) die Nordschweiz und Süddeutschland mit den tektonischen Strukturen des Rheingrabens, des Zollerngrabens, der Hegau sowie des Juras, welcher sich im Spannungsgebiet der Alpen und der europäischen Platte befinde, für ein «erdbebenunsicheres» oder «erdbebengefährdetes Gebiet». Einige schliessen bei den hier zu erwartenden, stärkeren Beben eine radioaktive Belastung von Oberflächengewässern – insbesondere des Rheins durch ein gTL nicht aus, was angesichts der Folgen für viele Menschen nicht tolerierbar sei. Angeführt werden etwa das Basler Beben von 1356 und die Erwartung seiner Wiederholung oder die aktuellen Aufzeichnungen zahlreicher Beben in den betroffenen und angrenzenden Regionen. Der Jura sei gegenüber den Alpen bezüglich Forschung zur Tektonik und Seismizität in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden. Zudem seien die Erdbebensicherheit, die zeitliche Abfolge schwerer Beben und die Auswirkungen von Beben auf ein gTL nicht oder nicht abschliessend geklärt. Zu den unbekannten Auswirkungen gehöre etwa die Zergliederung im Wirtgestein. Radioaktive Abfälle dürften nicht in bekannten Erdbebengebieten gelagert werden. Dies bedrohe auch kommende Generationen. Eine Einzelperson stellt die Bewertung der Standortgebiete ZNO, JO und SR als «tektonisch wenig beansprucht» und «generell ruhig gelagert» in Kontrast zu beobachteten seismischen Aktivitäten. Damit würden reale Sicherheitsprobleme bei der Lagerung radioaktiver Abfälle verharmlost.