Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten

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Sachplan geologische Tiefenlager

letzten ca. zehn Millionen Jahre erarbeitet, mit Schwergewicht auf der Entwicklung der letzten zwei Millionen Jahre. Dabei wurden die massgebende Literatur umfassend ausgewertet und zu den geologischen Standortgebieten Erosionsszenarien ausgearbeitet. Das Vorgehen wurde vom ENSI und von der KNS als nachvollziehbar und dem heutigen Stand der Kenntnisse entsprechend beurteilt.

Mit der Einführung des Beurteilungskonzeptes der «lokalen Erosionsbasis» hat die Nagra eine neue Bezugsfläche definiert, welche im Wesentlichen die Höhenlage der tiefsten fluviatilen Rinnen in den Haupttälern auf das Gesamtgebiet extrapoliert. Eine wichtige Datengrundlage dazu bildet die Felsoberflächenkarte der Nordschweiz. Die Herleitung eines flächendeckenden Modells dieser Felsoberfläche ist nicht trivial und hängt von der Dichte und Qualität der zur Verfügung stehenden Bohr- und Aufschlussdaten und von weiteren angewendeten Extrapolationsverfahren ab. Das Model der Felsoberfläche ist deshalb mit Interpretationsspielraum und Ungewissheiten verbunden. Eine systematische Quantifizierung der Ungewissheiten der lokalen Erosionsbasis steht noch aus und ist im Hinblick auf Etappe 3 bei den daraus resultierenden Erosionsszenarien und Sensitivitätsbetrachtungen der Langzeitsicherheit zu berücksichtigen.194

Beträge der glazialen Tiefenerosion von bis zu 500 m sind zwar aus glazialen Rinnen der norddeutschen Tiefebene bekannt, für die Nordschweiz jedoch aufgrund der hier deutlich geringeren Eisüberlast nicht zu erwarten und auch nicht aus der Vergangenheit belegt. Die von der KNS zur Diskussion gestellten höheren Erosionsraten können aus Sicht des ENSI durch Beobachtungen zur quartären Entwicklung der Nordschweiz in den letzten zwei Millionen Jahren nicht belegt werden. Aspekten der Neotektonik soll durch die Inventarisierung der quartären Ablagerungen und der Suche nach tektonischen Verstellungen sowie der Verdichtung des seismischen Messnetzes in der Nordschweiz Rechnung getragen werden.

Zur Verbesserung des Prozessverständnisses der glazialen Tiefenerosion hat die Nagra in Etappe 2 Studien erstellt, welche die Entstehung von glazial übertieften Tälern, das Verhalten von Gletschern unter dem Einfluss von wechselnden klimatischen Verhältnissen und den Vorgang der subglazialen Erosion beleuchten.195 Wegen der Vielzahl von Einflussgrössen erweist sich eine mathematische Modellierung zukünftiger glazialer Tiefenerosion für die Standortgebiete als zurzeit noch nicht sinnvoll. Das von der Nagra abgeleitete Richtmass zukünftiger glazialer Tiefenerosion von 200 m unter die lokale Erosionsbasis wird vom ENSI und seinen Expertinnen und Experten in Anbetracht der bereits bekannten Felsdepression im Bereich von Andelfingen, welche über 250 m unter die lokale Erosionsbasis reicht, als zu wenig konservativ erachtet. Im Explorationskonzept der Nagra für Etappe 3196 sind weitere Arbeiten vorgesehen, um das das Ausmass zukünftiger glazialer Tiefenerosion belastbar einzugrenzen. Ziel der geplanten Quartär- und Tiefbohrungen in den Standortgebieten JO, NL und ZNO ist es unter anderem, die genaue Tiefenlage des Wirtgesteins und das Ausmass möglicher glazialer Tiefenerosion zu bestimmen.

3.5.13 Lagerbedingte Einflüsse

Mehrere Organisationen197 und Einzelpersonen erwähne, dass radioaktive Abfälle (insbesondere HAA) Wärme und ionisierende Strahlung abgeben und dies den Opalinuston bzw. das Wirtgestein in seinen Eigenschaften verändern könne: Die SP Bezirk Baden befürchtet allgemein negative Konsequenzen für

194 Vgl. ENSI 33/540.

195 Z. B. NAB 12-48, NAB 14-23, NAB 14-25, NAB 10-33, NAB 10-34.

196 NAB 14-83 und NAB 16-28.

197 Grüne Schweiz, Grüne SH, Grüne Weinland, SP Schweiz, SP Bezirk Baden; NWA, SES, WWF Schweiz.