Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten

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Sachplan geologische Tiefenlager

die Sicherheit. Grüne SH und Grüne Weinland verlangen, die Anordnung der HAA-Stollen bzgl. Wärmewirkung zu überprüfen. Die ÖDP Waldshut und mehrere Einzelpersonen erwähnen konkret das Austrocknen, die Bildung von Rissen, das Risiko der Sprödigkeit des Tongesteins und somit die Frage des Eindringens von Wasser und die damit einhergehende Mobilisierung von Radionukliden. Daher sei die Wärmeeinwirkung insbesondere in der Langzeiteinwirkung zu untersuchen. B90/Grüne Waldshut bezweifeln, dass kurzzeitige Experimente zum Einfluss von Wärme und Radioaktivität auf ein Tongestein langzeitrelevante Ergebnisse zu dessen Dichtigkeit und Stabilität liefern können. Die Grünen Schweiz, SES und WWF Schweiz erwähnen beispielhaft die experimentell belegte verminderte Quell- und Rückhaltefähigkeit des Opalinustons ab 90 °C. Die Frage der Einlagerung sei somit noch nicht als gelöst zu betrachten (Grüne Schweiz, SP Schweiz, SES, WWF Schweiz). Mehrere Einzelpersonen finden, Aspekte der Wärmeabgabe seien noch gar nicht untersucht. Zwei Einzelpersonen fordern daher, zuerst ein zugängliches Pilotlager zur mehrjährigen Sammlung von wissenschaftlich fundierten Erfahrungen einzurichten. Zwei weitere Einzelpersonen fordern die Überprüfung der Lagerkonzepte bezüglich lagerbedingter Einflüsse gemäss der Empfehlung der KNS vom Juni 2011. Eine weitere Einzelperson vermisst generell die Beachtung der baulichen Eingriffe in das Wirtgestein beim Lagerbau.

Eine Einzelperson weist darauf hin, dass unzureichend erforscht sei, wie Opalinuston mit Zement reagiere und wie durch das Einbringen von Beton die Chemie im Tiefenlager verändert werde.

Würdigung

Wärmefreisetzung: Durch den radioaktiven Zerfall in HAA kommt es zu einer Wärmefreisetzung, die mit der Zeit abnimmt. Bei der Auslegung eines gTL ist entsprechend der Richtlinie ENSI-G03 auf den thermischen Eintrag der wärmeproduzierenden Abfälle und dessen Verträglichkeit mit den technischen und natürlichen Barrieren zu achten. Gemäss Konzeptteil SGT werden anhand des Kriteriums 2.3 «Lagerbedingte Einflüsse» bei den Auswirkungen des Lagers auf das Wirtgestein unter anderem der Wärmeeintrag und die Wärmeempfindlichkeit sowie die thermisch-hydraulisch-mechanisch gekoppelten Prozesse beurteilt.

Die Nagra hat in Etappe 1 SGT die Folgen des Wärmeeintrags in einem HAA-Tiefenlager anhand des Kriteriums 2.3 beurteilt, und für Etappe 2 wurden neue Berechnungen dokumentiert.198 Demgemäss ist der Einfluss der erwarteten Temperatur auf die Verfüllung und das Wirtgestein sicherheitstechnisch nicht relevant.199

Der Wärmeeintrag durch die Abfälle ist grundsätzlich durch relativ einfache technische und organisatorische Mittel reduzierbar, wie durch eine verlängerte Zwischenlagerung und Abklingzeit für die HAA sowie durch grössere Abstände zwischen den einzelnen Einlagerungsbehältern. Die Nagra hat mit thermischen Modellierungen gezeigt, dass mit der heutigen Lagerauslegung im Wirtgestein keine Temperaturen über 100 °C erreicht werden.

Der Opalinuston war in allen Standortgebieten im Verlauf seiner geologischen Geschichte über mehrere Jahrmillionen Temperaturen von etwa 100 °C ausgesetzt. Es ist daher kaum mit einer thermischen Veränderung oder Versprödung aufgrund der vergleichsweise kurz anhaltenden Erwärmung durch das La-

198 NTB 01-04: Calculations of the Temperature Evolution of a Repository for Spent Fuel, Vitrified High-Level Waste and Intermediate Level Waste in Opalinus Clay; NTB 08-05: Vorschlag geologischer Standortgebiete für das SMA- und das HAA-Lager. Begründung der Abfallzuteilung, der Barrierensysteme und der Anforderungen an die Geologie. Bericht zur Sicherheit und technischen Machbarkeit; NAB 09-25: Numerical Modelling of the Thermo-Hydro-Mechanical Loading in a geological repository for HLW and SF; NAB 14-11 Thermo-hydraulic simulations of the near-field of a SF/HLW repository during early- and late-time post-closure period.

199 Die Dicke der an die Lagerbehälter angrenzenden Umwandlungsschicht des Bentonits mit einer reduzierten Quell- und Rückhaltefähigkeit wurde dabei von der Nagra mit maximal 10 cm konservativ abgeschätzt.