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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten
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Chancengleichheit von Frauen und Männern im Kulturbereich
Ziel der Kulturpolitik des Bundes ist eine angemessene Vertretung der Geschlechter in allen relevanten Bereichen (Ausbildung, Subventionierung, Programmierung, Vertretung in Kulturinstitutionen usw.) sowie entsprechende Förderinstrumente. Unter anderem gestützt auf erste statistische Erhebungen aus dem Filmbereich zeigt sich, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Kulturförderung und im Kulturbetrieb noch nicht erreicht ist. Um den konkreten Handlungsbedarf festlegen zu können, sind in der nächsten Förderperiode – gemeinsam mit interessierten Städten, Kantonen sowie kulturellen Interessenvertretungen – vertiefte statistische Erhebungen durchzuführen. Gestützt auf die Ergebnisse der Datenerhebung sollen noch in der Förderperiode 2021–2024 konkrete Massnahmen entwickelt werden, die es den Förderinstanzen ermöglichen, ihre Aktivitäten im Sinne der Chancengleichheit zu überprüfen und entsprechend zu entwickeln.
Kunstvermittlung
Für die Vermittlung und die Rezeption des zeitgenössischen Kunstschaffens aller Sparten ist die öffentlich geführte Diskussion und individuelle Reflexion über Kunst und Kultur wesentlich. Die Entwicklungen in der Schweizer Medienlandschaft führen zu einem Rückgang der Kulturkritik in den traditionellen (Print-)Medien. Gleichzeitig müssen entsprechende Diskussionsräume im digitalen Bereich noch weitgehend aufgebaut werden. Ab 2021 soll die bisherige Praxis der Unterstützung von kulturellen Vermittlungsprojekten in Richtung der kritischen Kunst- und Kulturreflexion weiterentwickelt werden. In Zusammenarbeit mit Partnern wie Kulturinstitutionen und -verbänden, Medien und Universitäten/Hochschulen sollen dafür Massnahmen entwickelt werden, welche mediale Vermittlungskompetenzen und entsprechende Angebote aufbauen, um die öffentliche kritische Reflexion über das zeitgenössische Kunstschaffen zu fördern und unterschiedliche Publikumssegmente (z. B. ein traditionelles, junges oder interkulturelles Publikum) gezielt anzusprechen. Dabei gilt es insbesondere, die Bedeutung neuer Medien und Technologien (digitales Schreiben und Publizieren) zu berücksichtigen.
2.1.4 Schweizer Preise
Mit der Vergabe von Preisen würdigt der Bund Schweizer Kulturschaffende und macht auf nationaler und internationaler Ebene auf sie aufmerksam. Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung für die Preisträgerinnen und Preisträger stellen die Schweizer Preise eine offizielle Anerkennung dar. Die Schweizer Preise sind somit Unterstützungs- und Promotionsinstrument zugleich. Es existieren zwei verschiedene Formate: Die Schweizer Preise zeichnen besonders innovative und originelle Werke aus und die Grand Prix würdigen Karrieren von Kulturschaffenden.
Während der Förderperiode 2016–2020 hat der Bund Schweizer Preise in den Sparten Kunst, Design, Theater, Tanz, Literatur, Musik, Buchgestaltung und Film vergeben (für den Schweizer Filmpreis vgl. Ziff 2.3.6).
Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt auf Empfehlung ausserparlamentarischer Kommissionen, die durch den Bundesrat ernannt werden (Kunst und Design) respektive durch das EDI ernannte eidgenössische Jurys (Theater, Literatur, Tanz, Musik). Die Jury für Die schönsten Schweizer Bücher wird durch das BAK bestimmt.
Die Schweizer Preise werden an öffentlichen Preisverleihungen in Anwesenheit der Preisträgerinnen und Preisträger vergeben, oft im Rahmen von wichtigen Veranstaltungen des betreffenden Bereichs. Die Schweizer Kunst- und Designpreise werden während der Art Basel verliehen, die Schweizer Theaterpreise sind mit dem Schweizer Theatertreffen verbunden und die Schweizer Musikpreise werden alle zwei Jahre im Rahmen von LabelSuisse im Wechsel mit anderen Veranstaltungen vergeben. Durch diese Partnerschaften werden die Verleihungen der Schweizer Preise zu Plattformen für Treffen und Austausch.
Die Schweizer Preise werden regelmässig analysiert und es wurden bereits mehrere Anpassungen vorgenommen. Die Benennung der Preise wurde vereinheitlicht und ihre Dotierungen sowie die Kommunikation systematisiert. Für die Schweizer Kunstpreise wurde der Schwerpunkt auf die Kategorien Architektur und Kritik/Edition/Ausstellung gelegt und im Bereich Literatur wurde der Spezialpreis Kinder- und Jugendliteratur eingerichtet. Die Analyse der Schweizer Theaterpreise und der Schweizer Tanzpreise hat die Notwendigkeit umfassender Anpassungen in diesen beiden Sparten aufgezeigt. Zum einen wird für den Tanz im Gegensatz zu den anderen Sparten lediglich alle zwei Jahre ein Preis vergeben. Zum andern wird die Grenze zwischen den Sparten immer durchlässiger, wie auch die Vereinigung des Schweizer Tanzarchivs und der Schweizerischen Theatersammlung zum Swiss Archive of the Performing Arts (SAPA) zeigt. Ab 2021 werden die Schweizer Tanzpreise und die Schweizer Theaterpreise jährlich gemeinsam unter dem Titel Schweizer Bühnenpreise vergeben. Die Bezeichnungen Schweizer Tanzpreise und Schweizer Theaterpreise werden weiterhin bestehen. Sie werden an einer einzigen Veranstaltung vergeben, die den Bühnenkünsten gewidmet ist und auch Zirkus, Strassentheater, Performance oder Figurentheater umfasst. Der Bund nimmt damit die Tradition des Hans-Reinhart-Rings wieder auf, mit dem Theater- und Tanzschaffende ausgezeichnet wurden.
Die Schweizer Preise sind im In- und Ausland ein Qualitätslabel für Werke und Kulturschaffende. Die aktuellen Massnahmen – Wettbewerbe, öffentliche Preisverleihungen und Ausstellungen in Verbindung mit wichtigen Veranstaltungen, gezielte Kommunikation, den Sparten angepasste Promotionsinstrumente – werden in angepasster Form beibehalten. Die Promotion auf internationaler Ebene und die Zusammenarbeit mit den Akteuren des Bundes wird verstärkt.
2.1.5 Organisationen professioneller Kulturschaffender
Die Organisationen vertreten die professionellen Kulturschaffenden und setzen sich für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ein. Solche Organisationen werden auf der Grundlage einer Ausschreibung unterstützt und erhalten Strukturbeiträge aufgrund von Leistungsvereinbarungen, die für die gesamte Finanzierungsperiode gelten.
Die Bedingungen für die Unterstützung wurden in der Förderperiode 2016–2020 überarbeitet und neu ausgerichtet. Die Unterstützung konzentriert sich seither auf Organisationen von nationaler Bedeutung, die sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder einsetzen. Organisationen aus der gleichen Sparte wurden ermutigt, sich insbesondere durch Fusionen anzunähern, um ihre Repräsentativität auf nationaler Ebene zu erhöhen. Durch die umgesetzten Fusionen reduzierten sich die 18 in der vorausgegangenen Förderperiode unterstützten Verbände auf 11 unterstützte Organisationen in der Periode 2016–2020. Diese sind in ihrer Funktion legitimiert und stellen eine stärkere Kohäsion zwischen den professionellen Schweizer Kulturschaffenden sicher.
Das Prinzip der Unterstützung von Organisationen professioneller Kulturschaffender wird beibehalten. Für die Periode 2021–2024 wird eine neue Ausschreibung durchgeführt.