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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten

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2.2 Verbreitung von Schweizer Kultur im Ausland und internationaler Kulturaustausch

Kulturverbreitung und Kulturaustausch sind die beiden Kernaufgaben von Pro Helvetia im Ausland. Dahinter stehen unterschiedliche Ziele und Methoden, die einander ergänzende Fördermassnahmen bedingen.

– Verbreitung von Schweizer Kultur: Damit Schweizer Kulturschaffende im internationalen Kulturbetrieb bestehen können, fördert der Bund die Verbreitung ihrer Arbeiten im Ausland mit verschiedenen Massnahmen. Ziel ist die künstlerische Laufbahnförderung und die Etablierung im internationalen Kontext.

– Internationaler Kulturaustausch: Kulturelle Austauschprojekte zwischen Kulturschaffenden verschiedener Kulturen berücksichtigen den jeweiligen kultur- oder gesellschaftspolitischen Kontext. Sie bedingen aufgrund struktureller Ungleichheiten mittel- und langfristige Aufbauarbeit zwischen den kulturellen Akteuren und müssen gezielt initiiert werden.

Für die Kulturverbreitung und den internationalen Kulturaustausch nutzt Pro Helvetia verschiedene Instrumente:

– Projektbeiträge: Dazu gehören u. a. Beiträge für öffentliche Präsentationen (Ausstellungen, Gastspiele, Tourneen, Festivals, Konzertreihen, Lesereisen), Auftritte an Plattformen, literarische Übersetzungen und die Förderung des internationalen Wissensaustausches.

– Promotionsmassnahmen: Dazu gehören Präsentationen des Schweizer Kulturschaffens, die sich an internationale Veranstalter richten, Präsenzen an fachspezifischen Messen und Vernetzungsanlässen sowie die Bereitstellung von digitalen oder analogen Informations- und Promotionsmaterialien.

– Aussenstellen im Ausland: Pro Helvetia unterhält ein Netz von Aussenstellen (vgl. Ziff. 1.2.2.), um die Präsenz von Schweizer Kunstschaffenden bei wichtigen Anlässen und den Austausch mit lokalen Kulturinstitutionen (Festivals, Kunsträume, Konzerthallen, Museen, Theater usw.) zu fördern. Die Aussenstellen bieten auch Residenzprogramme an.

– Internationale Austauschprogramme: Mit Austauschprogrammen erschliesst Pro Helvetia neue Netzwerke für Schweizer Kulturschaffende in Weltregionen, die von besonderem Interesse für die Schweizer Kulturszene sind. Gleichzeitig ermöglicht sie dadurch internationalen Kulturakteuren Begegnungen mit dem Schweizer Kunst- und Kulturschaffen.

Das BAK und Swissfilm unterstützen die internationale Verbreitung von Werken aus dem Bereich Film, Pro Helvetia jene von Werken aus allen anderen Kunstsparten. Zudem organisiert Pro Helvetia die Schweizer Auftritte an bedeutenden internationalen Veranstaltungen wie der Kunst- und Architekturbiennale von Venedig oder an Buchmessen. Das EDA mit der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA), Präsenz Schweiz und seinen Vertretungen im Ausland sowie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit swissnex ergänzen die erwähnten Tätigkeiten. Diese Zusammenarbeit trägt zu einer koordinierten Umsetzung der Massnahmen bei und gewährleistet eine optimale Nutzung der Ressourcen.

Ausgangslage und Herausforderungen

In der Fö rderperiode 2016–2020 wurden zahlreiche Massnahmen umgesetzt, um die Verbreitung und den Kulturaustausch effektiver zu gestalten.

– Verbreitung und Promotion: Um die Aufmerksamkeit von internationalen Entscheidungsträgern auf die Schweizer Kunst- und Kulturproduktion zu lenken, werden Kuratorinnen und Kuratoren aus dem Ausland gezielt zu wichtigen Anlässen in die Schweiz eingeladen, damit sie Vorstellungen, Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen live erleben und sich mit den Künstlerinnen und Künstlern austauschen können. Diese persönlichen Begegnungen führen regelmässig zu Einladungen von Schweizer Kunst- und Kulturschaffenden und deren Werken ins Ausland und bestenfalls zu längerfristigen Zusammenarbeiten. Auch Online-Plattformen gewinnen für die internationale Verbreitung zunehmend an Bedeutung. Das Interesse an Schweizer Kunst und Kultur hat auf Grund ihrer hohen künstlerischen Qualität wie auch als Folge der intensivierten Promotionsmassnahmen des Bundes sichtbar zugenommen.

– Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Trotz ausgezeichneter Qualität sind Projekte aus der Schweiz oft finanziell nicht konkurrenzfähig, da die Kosten für die Produktion (Löhne und Gagen) und die Verbreitung von Werken im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch sind. Viele ausländische Veranstalter sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage, Schweizer Kunst- und Kulturschaffende und deren Werke einzuladen und zu zeigen. In der Förderperiode 2016–2020 führte der Bund daher zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der darstellenden Künste Massnahmen ein, von der Unterstützung von Tourneen in Europa, über Angebote zur Professionalisierung und Vernetzung von Tourmanagern bis zu intensivierter Promotion bei internationalen Veranstaltern. Dadurch konnte den international aktiven Gruppen eine verbesserte Ausgangslage in einem zunehmend kompetitiven Umfeld ermöglicht werden.17 Die für diese Massnahmen in den Jahren 2016–2020 vorgesehenen Mittel standen aufgrund von Teuerungskorrekturen nicht in der ursprünglich vorgesehenen Höhe zur Verfügung.

– Präsenz an internationalen Plattformen und Veranstaltungen im Ausland: Internationale Messen, Festivals und Konferenzen haben in der globalen Kunstwelt eine grosse Bedeutung als Treffpunkte und Verhandlungsorte. Die regelmässige Präsenz an solchen Anlässen ist unverzichtbar für die Laufbahnentwicklung von Kunst- und Kulturschaffenden und dient dazu, neue Engagements zu akquirieren, persönliche Kontakte zu knüpfen, gemeinsam mit internationalen Partnern Projekte zu lancieren und den Austausch mit Programmverantwortlichen zu pflegen. Die in einem solchen Rahmen präsentierten Werke und Projekte erhalten in aller Regel besondere Aufmerksamkeit. Mit den vom Parlament für die Förderperiode 2016–2020 gesprochenen Zusatzmitteln unterstützte Pro Helvetia die Präsenz von Schweizer von Kunst- und Kulturschaffenden an wichtigen internationalen Festivals und Veranstaltungen aller Sparten. Neu ermöglicht oder intensiviert wurden beispielsweise Gastlandauftritte und Schweiz-Schwerpunkte (wie Theaterfestival Avignon oder jazzahead! Bremen), mehrjährige Präsenzvereinbarungen (mit verschiedenen Musikfestivals und Buchmessen) oder verbesserte Präsentationen an Fachmessen (z. B. Tanzmesse Düsseldorf). Jährlich konnten auf diesem Weg rund 30 Präsenzen mitfinanziert werden, die in der Folge zu zahlreichen Engagements für die vorgestellten Schweizer Kunstschaffenden führten.

– Erschliessung neuer Regionen und Märkte für Kulturschaffende: Wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen führen zu laufend veränderten Wachstumsmärkten. Vor diesem Hintergrund hat Pro Helvetia im Jahr 2017 das Austauschprogramm «Coincidencia» zwischen der Schweiz und Südamerika lanciert. Sie hat für die Umsetzung ein Team in Zürich sowie Koordinatoren in São Paulo, Buenos Aires, Bogotá und Santiago de Chile eingesetzt und Netzwerke mit lokalen Institutionen und Kunstschaffenden etabliert. Die bereits bestehenden Verbindungsbüros von Pro Helvetia decken jeweils weite geografische Gebiete ab (z. B. südliches Afrika, arabische Länder), in denen das kulturelle und politische Umfeld teilweise starken Veränderungen ausgesetzt ist. Die Aufgaben und Zielsetzungen der Aussenstellen müssen daher regelmässig überprüft, dem regionalen Kontext angepasst und möglichst flexibel ausgestaltet werden. In der laufenden Periode haben die Verbindungsbüros mit einer bewussten Ausweitung ihres Aktionsradius auf

17 Auf die erwähnten Fördermassnahmen verweist der Bundesrat in Beantwortung der Anfrage 15.1006 Ruiz («Hilfe für von der Frankenstärke tangierte freie Tanz- und Theatergruppen»).