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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten

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2.3.6.4 Internationale Zusammenarbeit

Ausgangslage und Herausforderungen

Die internationale Zusammenarbeit ist aus dem Filmschaffen nicht wegzudenken. Filmkoproduktionen zwischen zwei oder mehreren Ländern ermöglichen eine bessere Finanzierung eines Projekts und erreichen aufgrund der gegenseitigen Anerkennung als nationale Filmproduktionen einen besseren Marktzugang im jeweiligen Land. Koproduktionen mit Schweizer Beteiligung werden doppelt so häufig in ausländischen Kinos gezeigt wie «reine» Schweizer Filme. Aus diesem Grund hat die Schweiz mit allen Nachbarländern sowie mit Kanada, Luxemburg und Belgien (Communauté Française de Belgique) bilaterale Koproduktionsabkommen abgeschlossen. 2018 ist ein neues bilaterales Abkommen zwischen der Schweiz und Mexiko hinzugekommen. Viele der heute in der Schweiz hergestellten Filme werden koproduziert.

Die Schweiz ist Mitglied im Filmförderfonds für europäische Koproduktionen «Eurimages» des Europarates. Dieser Fonds fördert die Herstellung von international koproduzierten Filmen. Die jährlichen Rückflüsse aus diesem Programm übertrafen in den letzten Jahren jeweils den Beitrag des Bundes.

Zwischen 2006 und 2013 nahm die Schweiz am MEDIA-Programm der EU teil. Seit 2014 hat die EU die zuvor eigenständig existierenden Unterprogramme MEDIA (zur Förderung der Filmbranche) und «Kultur» (zur Förderung der Kultur- und Kreativbranche) in das Rahmenprogramm «Kreatives Europa» zusammengefasst. Nach der Abstimmung vom 9. Februar 2014 über die Volksinitiative «Gegen die Masseneinwanderung» wurden die Gespräche über eine Schweizer Teilnahme am Programm Kreatives Europa 2014–2020 von der EU vorläufig sistiert und im Frühjahr 2014 auf technischer Verhandlungsebene wiederaufgenommen. Aufgrund offener Punkte kam es jedoch zu keinem Abschluss der Verhandlungen. Unter anderem stellt die Angleichung an die EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste20 (AVMD-Richtlinie) eine Voraussetzung für eine Teilnahme der Schweiz am Programm «Kreatives Europa» dar. Die EU macht die Teilnahme zudem vom Abschluss eines institutionellen Abkommens abhängig. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist eine Teilnahme am aktuellen Programm nicht mehr realistisch, da die Programmperiode Ende 2020 ausläuft. Eine Teilnahme für die nächste Programmperiode 2021–2027 wird aktuell geprüft. Seit 2014 bestehen nationale Ersatzmassnahmen, welche die grössten Nachteile der Nichtteilnahme am MEDIA-Progamm abfedern. Verschiedene neue Fördermassnahmen, die im MEDIA-Unterprogramm 2014–2020 erstmals enthalten sind – wie die Förderung von Games und Medien –, werden durch die Ersatzmassnahmen nicht kompensiert. Es ist derzeit auch nicht vorgesehen, die bestehenden MEDIA-Ersatzmassnahmen inhaltlich auszubauen.

Es stellen sich in Bezug auf die internationale Zusammenarbeit im Filmbereich folgende Herausforderungen:

– Die Schweiz nimmt seit Ende 2013 nicht mehr am Filmförderungsprogramm MEDIA der EU teil. Auch wenn die finanziellen Nachteile der Schweizer Filmbranche durch die rasche Einführung nationaler Ersatzmassnahmen ab Sommer 2014 zu einem Teil kompensiert werden können, erfordert der Wegfall der europäischen Netzwerke eine Neupositionierung der Schweiz im internationalen Kontext.

– Die effektive Gestaltung und Umsetzung von schlanken Rahmenbedingungen für die internationale Kooperation erfordert einen Austausch mit den wichtigsten Förderinstitutionen in den jeweiligen Vertragsstaaten.

Ziele und Massnahmen

Die bisherigen Fördermassnahmen werden mit punktuellen Anpassungen in der Periode 2021–2024 weitergeführt. Den vorstehend dargestellten Herausforderungen soll wie folgt begegnet werden:

– Die Teilnahme am EU-Programm «Kreatives Europa» bzw. die Erneuerung der Teilnahme am Unterprogramm MEDIA ab 2021 wird weiterhin angestrebt.

– Die Fortführung der nationalen Ersatzmassnahmen soll in der Zwischenzeit die finanziellen Nachteile aus der Nichtteilnahme an diesem Programm abfedern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Filmschaffenden erhalten.

– Die Promotion des Schweizer Filmschaffens im Ausland (über die Stiftung Swissfilms) sowie die internationale Weiterbildung (über die Stiftung FOCAL) soll gezielter auf die internationale Strategie des Bundes abgestimmt werden.

2.4 Kulturerbe

2.4.1 Schweizerisches Nationalmuseum

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums (SNM) sind drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins, das Forum Schweizer Geschichte Schwyz sowie das zugehörige Sammlungszentrum in Affoltern am Albis – vereint. Die drei Bundesmuseen präsentieren Geschichte von den Anfängen bis heute und erschliessen – mit permanenten und temporären Ausstellungen – die schweizerischen Identitäten sowie die Vielfalt der Geschichte und Kultur unseres Landes.

Ausgangslage und Herausforderungen

Die Sammlungsbestände des SNM widerspiegeln das Handwerk und Kunsthandwerk sowie die Kulturgeschichte der Schweiz. Sie sind im öffentlich zugänglichen Sammlungszentrum untergebracht und dienen als Quelle und Ausgangspunkt jeder Forschungs- und Ausstellungstätigkeit. Das Sammlungszentrum hat sich zu einem über die Schweizer Grenzen hinaus renommierten Kompetenzzentrum für Depotstrukturierung, Objekterhaltung, Materialanalytik und Konservierungsforschung entwickelt. Seine Depots und Ateliers befinden sich an zwei Standorten in Affoltern am Albis. In seinem Bericht an die eidgenössischen Räte stellt der Bundesrat fest, dass das SNM den Auftrag gemäss MSG und den daraus abgeleiteten strategischen Zielen des Bundesrates erfüllt.

Das meistbesuchte kulturhistorische Museum der Schweiz ist das Landesmuseum Zürich; es präsentiert in seinen Dauerausstellungen die Schweizer Geschichte von der Ur- und Frühgeschichte bis ins 21. Jahrhundert. Das Château de Prangins – das grösste noch erhaltene Schloss aus dem 18. Jahrhundert mit Park und historischem Gemüsegarten am Genfersee bei Nyon – macht für die Besucherinnen und Besucher die Zeit der Aufklärung aus der Perspektive eines Barons und seiner Schlossdomäne erlebbar. Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz ist eines der bedeutendsten kulturhistorischen Museen im Alpenraum; es ist ein modernes, dem Diskurs verpflichtetes Geschichtsmuseum und stellt mit einer permanenten Ausstellung die Entstehungsgeschichte der ersten Landsgemeinden vor.

20 Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. März 2010 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung audiovisueller Mediendienste, ABl. L 95 vom 15.4.2010, S. 1.