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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten
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gesellschaftlicher Ebene leisten Austausch und Mobilität einen wichtigen Beitrag zur Verständigung zwischen Kultur- und Sprachgemeinschaften, zur Qualität und Weiterentwicklung des Bildungsraumes Schweiz.
Die Förderung des schulischen Austauschs war darum bereits in der Förderperiode 2016–2020 eine Priorität für Bund und Kantone. Verschiedene parlamentarische Vorstösse waren ebenfalls diesem Thema gewidmet.42 Der Bericht des Bundesrats43 in Beantwortung des Postulats 14.3670 der WBK-N «Konzept für Sprachaufenthalte» vom 28. August 2014 bietet einen detaillierten Überblick über die Tätigkeit des Bundes in der Förderperiode 2016–2020, deren wichtigste Elemente wie folgt zusammengefasst werden:
– 2016 gründeten der Bund (vertreten durch das SBFI, das BAK und das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV) und die Kantone (vertreten durch die EDK) die Stiftung SFAM. Mit der Errichtung dieser gemeinsamen Stiftung und ihrer Förderagentur Movetia haben der Bund und die Kantone eine wichtige Etappe zur grösseren Kohärenz von Austausch und Mobilität umgesetzt.
– Movetia unterstützt Austauschprojekte im Auftrag des Bundes und bietet Informationen, Beratung und Begleitung in Zusammmenhang mit den Austauschaktivitäten. Im schulischen Austausch in der Schweiz hat Movetia 2017 dank den zusätzlichen finanziellen Mitteln, die in der Förderperiode 2016–2020 für diesen Bereich zur Verfügung gestellt wurden, ein neues, sehr erfolgreiches Programm für Klassen eingerichtet (vgl. Ziff. 1.4.1).
– Im November 2017 haben Bund (EDI und Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF) und Kantone (EDK) die Strategie «Austausch und Mobilität» verabschiedet44. Ziel ist eine Stärkung von Austausch und Mobilität in quantitativer und qualitativer Hinsicht, um eine höhere Teilnahmequote zu erreichen. Mit dieser Strategie wird der nötige Rahmen für eine wirksame Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und anderen Akteuren im Bereich Austausch und Mobilität geschaffen.
Die Umsetzung der Strategie «Austausch und Mobilität» erfordert eine weitere Verstärkung des Unterstützungsdispositivs und eine entsprechende Erhöhung der Fördermittel in der Periode 2021–2024. Die heute ungenügende Datenlage im Bereich Austausch und Mobilität ist zu verbessern.
Italienische und rätoromanische Sprache und Kultur
Aufgrund der Feststellung, dass der Status der italienischen Sprache in der Schweiz insbesondere im Schulunterricht bedroht ist, hat der Bundesrat im Rahmen der Kulturbotschaft 2016–2020 entschieden, eine Reihe von Fördermassnahmen für die italienische Sprache in die Wege zu leiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung von Projekten zur Förderung der italienischen Sprache und Kultur in den Schulen. Unterstützt wurden mehrere Projekte zur Sensibilisierung für das Italienische sowie die Erstellung von aktuellen didaktischen Materialien, die den Lehrplänen entsprechen. Unterstützt wurde auch die Schaffung neuer Programme für eine zweisprachige Maturität mit Italienisch (in den Kantonen Waadt und Bern).
Im April 2017 startete die Schweizerische Depeschenagentur (sda) einen Regionaldienst für Italienischbünden. Die nationale Nachrichtenagentur führt diesen Dienst im Auftrag des Kantons Graubünden; ermöglicht wird er mit Mitteln zur Sprachförderung des Bundes und des Kantons Graubünden. Die Einrichtung des Regionaldienstes geht auf parlamentarische Vorstösse auf Ebene Bund und Kanton zurück.45 Der Regionaldienst Südbünden umfasst Meldungen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die kostenlos allen italienischsprachigen Medien des Kantons zur Verfügung gestellt werden.
Trotz den Bemühungen für den Erhalt der Minderheitensprachen stehen das Rätoromanische und das Italienische weiterhin unter Druck. Insbesondere das Rätoromanische ist als Hauptsprache im Rückgang begriffen. Die Ursachen dafür sind unterschiedlicher Art: geringes demographisches Wachstum in den Rand- und Berggebieten, Abwanderung in die Täler und in städtische Regionen, Zuzug von Fremdsprachigen (insbesondere im Zusammenhang mit der touristischen Erschliessung der Bergwelt), sprachgebietsübergreifende Gemeindefusionen, Veränderungen in der Medienlandschaft (Verschwinden der rätoromanischen Tagespresse), geringe Akzeptanz der Verkehrssprache Rumantsch Grischun usw. Es stellt sich die Frage, wie die Förderung der italienischen und rätoromanischen Sprache und Kultur mit griffigen Vorkehrungen verbessert werden kann. Im Jahr 2018 hat der Bund darum eine externe Evaluation in Auftrag gegeben, um die Wirkung der Finanzhilfe des Bundes zu prüfen.46 Mit dieser Evaluation antwortet der Bundesrat gleichzeitig auf ein Postulat, das einen Bericht zur Situation der beiden Minderheitensprachen in der Schweiz verlangt.47
Die Evaluation zeigt auf, dass sich die Situation des Italienischen beträchtlich von derjenigen des Rätoromanischen unterscheidet. Italienisch ist zwar eine Minderheitensprache in der Schweiz und in Graubünden, im Tessin und in Italien jedoch die Hauptsprache; Massnahmen zur Weiterentwicklung der Sprache (Wörterbücher, Grammatiken, Übersetzungen) müssen darum im Gegensatz zum Romanischen nicht gefördert werden. Andererseits empfinden sich die Rätoromanischsprachigen als komplett zweisprachig. Als Alltagssprache kommt das Rätoromanische darum unter Druck, sobald der Kontext mehrsprachig ist, beispielsweise in zweisprachigen Gemeinden bei der behördlichen Kommunikation oder bei Gemeindeversammlungen.
Entsprechend unterschiedlich sind die Herausforderungen für die beiden Minderheitensprachen. Im Fall des Rätoromanischen geht es um die Sicherstellung der Existenz der Sprache, wobei die Kinder und Jugendlichen eine Schlüsselrolle für die Weitergabe spielen. Angesichts der Abwanderung der Bevölkerung in die städtischen Zentren darf sich die Förderung nicht auf die herkömmlichen Verbreitungsgebiete der rätoromanischen Sprache beschränken. Der Bundesrat hat bereits in der Kulturbotschaft 2016–2020 die Prüfung von Massnahmen für die Förderung des Rätoromanischen ausserhalb des rätoromanischen Sprachgebiets angekündigt. Die Evaluation hat diese Stossrichtung bestätigt.
Ein wichtiges Instrument zur Erhaltung von Minderheitensprachen sind ferner die Medien. Im Zusammenhang mit der angedrohten Einstellung der Tageszeitung «La Quotidiana» ab 2019 haben der Bund und der Kanton Graubünden gemeinsam mit der Sprachorganisation «Lia Rumantscha» das Projekt «Medias rumantschas 2019» zur Förderung und Weiterentwicklung der rätoromanischen Medienlandschaft angestossen. Ziel des Projekts ist die Sicherung einer vielfältigen Medienlandschaft in rätoromanischer Sprache ab 2020.
Für das Italienische im Kanton Graubünden besteht die grösste Herausforderung darin, zu einer gleichwertigen Amtssprache zu werden (z.B. als Arbeitssprache in der Verwaltung oder im Gesundheitswesen). Im Alltag ausserhalb der italienischen Schweiz spielt das Italienische trotz seiner kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung – Italien ist nach Deutschland und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz – hingegen nur eine geringe Rolle. Mit der Vermittlung von kulturellen und sprachlichen Kompetenzen in den Landessprachen
42 Motion Trede / Graf Maya (14.3949) «50 Millionen Franken für Sprachaustauschprogramme»; Postulat Fehr Jacqueline (14.4234) «Angehende Lehrkräfte besser in den anderen Heimatsprachen ausbilden»; Motion Marchand-Balet (17.3306) «Erwerb einer zweiten Landessprache. Kredit für die Förderung des Austauschs zwischen den Sprachgemeinschaften»; Motion Bulliard (18.3632) «Den Erwerb der Nationalsprachen in der Berufsbildung stärken».
43 Bericht des Bundesrats vom 14. Dezember 2018, einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Sprachen und Gesellschaft > Sprachen
44 www.bak.admin.ch > Sprachen und Gesellschaft > Sprachen > Sprachengesetz und Sprachenverordnung > Austausch
45 Anfrage Semadeni (14.1083) «Unterstützung der Information für und aus Italienischbünden»; Auftrag Albertin vom 11.12.2014 im Bündern Grossen Rat.
46 Evaluationsbericht des Zentrums für Demokratie Aarau im Auftrag des BAK, einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Sprachen und Gesellschaft > Sprachen
47 Postulat Semadeni (15.4117) «Allegra, Romanisch und Italienisch sollen leben».