Vorlage und Bericht

Vernehmlassung 2008/32: Revision des CO2-Gesetzes · 113 Seiten

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1.3 Folgen und Kosten der Klimaänderung

1.3.1 Internationale Auswirkungen

Werden die weltweiten Treibhausgasemissionen nicht markant gesenkt, muss bis 2100 mit einem globalen Temperaturanstieg um 1,1 bis 6,4°C9 gegenüber 1990 gerechnet werden. Die globale Niederschlagsverteilung wird sich verändern und der Meeresspiegel wird weiter ansteigen.10 Gleichzeitig werden sich Intensität und Häufigkeit von Extremereignissen verändern: Hitzewellen und Dürren werden wahrscheinlich zunehmen, starke Niederschlagsereignisse werden in den meisten Gebieten häufiger auftreten und die Aktivität tropischer Wirbelstürme nimmt voraussichtlich zu.11 Als Folge der Kombination von Klimaänderung, den damit verbundenen Störungen und anderen Einflüssen des globalen Wandels wird die Widerstandsfähigkeit zahlreicher Ökosysteme in diesem Jahrhundert wahrscheinlich überschritten werden. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geraten dadurch unter Druck. Bereits eine globale Erwärmung von 1,5 bis 2,5°C wird das Aussterberisiko bei 20 - 30% der untersuchten Arten erhöhen.12

Obwohl die landwirtschaftliche Produktion in mittleren und nördlichen Breitengraden von einem Temperaturanstieg zwischen 1 und 3°C leicht profitieren könnte, sinkt das globale Potential der Nahrungsmittelproduktion oberhalb dieser Erwärmung. Auch im Gesundheitsbereich überwiegen die negativen Effekte infolge des Temperaturanstiegs: Mangelernährung, erhöhte Sterblichkeit während Hitzeperioden, Verbreitung von Infektionskrankheiten und häufigere Herz- und Atemwegserkrankungen beeinträchtigen den Gesundheitszustand von Millionen von Menschen.

Das Ausmass dieser Auswirkungen variiert von Region zu Region. Aufgrund ihrer geografischen Lage und den begrenzten Anpassungskapazitäten sind die Entwicklungsländer am stärksten vom Klimawandel betroffen. Insbesondere Afrika und die Küstenregionen (Anstieg des Meeresspiegels) sind besonders verwundbar. Experten schätzen, dass die Migration bei ungebremst steigenden globalen Temperaturen zu einem der grossen Konfliktfelder der künftigen internationalen Politik werden könnte.13

Der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, schätzte in einem umfassenden Bericht im Auftrag der britischen Regierung das Verhältnis zwischen den Gesamtkosten des Klimawandels ohne weitere Reduktionsanstrengungen und den Kosten einer Stabilisierung der Treibhausgasemissionen auf einem ungefährlichen Niveau auf 5 zu 2 bis 10 zu 1.14 Die Vermeidungskosten liegen somit weit unter den Kosten des Nichthandelns bei einer fortlaufenden Klimaerwärmung.

Für die Stabilisierung der Treibhausgasemissionen auf einem ungefährlichen Niveau rechnet McKinsey mit Reduktionskosten von 0,6 bis 1,4%15, IPCC mit weniger als 3% des weltweiten BIP des Jahres 2030.16 Allgemein gilt: Je früher Reduktionsmassnahmen umgesetzt werden, desto geringer sind einerseits die langfristigen Vermeidungskosten und andererseits die Anpassungs- und Schadenskosten.17

9 Bandbreite der besten Schätzungen: 1,8 bis 4,0°C.

10 IPCC (2007): Fourth Assessment Report, Working Group I Report “The Physical Science Basis”.

11 IPCC (2007): Fourth Assessment Report, Working Group I Report “The Physical Science Basis”.

12 IPCC (2007): Fourth Assessment Report, Working Group II Report “Impacts, Adaptation and Vulnerability”.

13 WGBU (2007): Welt im Wandel: Sicherheitsrisiko Klimawandel.

14 Stern (2007): Stern Review: Die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels.

15 McKinsey Quarterly (2007): A cost curve for greenhouse gas reduction.

16 IPCC (2007): Climate Change 2007: Mitigation. Contribution of Working Group III to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change.

17 Stern (2007): Stern Review: Die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels.