Vorlage und Bericht

Vernehmlassung 2008/32: Revision des CO2-Gesetzes · 113 Seiten

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1.3.2 Auswirkungen auf die Schweiz

Ein globaler Temperaturanstieg um 0,8 bis 2,4°C bis zum Jahr 2050 bewirkt in der Schweiz je nach Jahreszeit und Region eine Erwärmung von 0,8 bis 4,9°C (Bandbreite der besten Schätzungen: 1,8 bis 2,8°C).18 Gemäss Modellrechungen werden die Niederschläge im Winter um rund 10% zunehmen und im Sommer um etwa 20% abnehmen.19 Für den Jahresdurchschnitt wird von einer Abnahme um 5 bis 10% ausgegangen.

Wird nichts gegen den Klimawandel unternommen, so hat dies auch Auswirkungen auf die Schweiz. Als Folge der klimatischen Veränderungen werden sich Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen verändern. Hitzeperioden und Hochwasser werden zunehmen. Die Hangstabilität wird wegen des Gletscherrückgangs und des auftauenden Permafrosts abnehmen und es wird häufiger zu Massenbewegungen – Steinschlag, Felsstürze, Rutschungen, Hangmuren – kommen. Langfristig werden die Flüsse weniger Wasser führen, was die Produktivität von Wasserkraftwerken beeinträchtigt. Bis 2050 dürfte die Wasserkraftproduktion um 7% abnehmen.20 Wegen der höheren Wassertemperaturen können wassergekühlte Kernkraftwerke weniger Kühlleistung aus den Flüssen beziehen und es wird zu Produktionseinbussen kommen. Die Zunahme von Hitze- und Trockenperioden beeinträchtigt die Produktions- sowie die Schutzleistungen der Wälder. Auch der Tourismus und der Gesundheitssektor sind negativ von der Klimaänderung betroffen. Schon bei einer Temperaturzunahme von 3°C verschwinden sehr grosse schneebedeckte Flächen, die heute noch als schneesicher gelten.21 Ein Temperaturanstieg von mehr als 2 bis 3°C gefährdet zudem die Anpassungsfähigkeit der Tier- und Pflanzenwelt und führt zu Einbussen in der Landwirtschaft.

Erhöht sich die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz bis 2050 um 2°C, steigen die Schäden bis 2050 pro Jahr auf maximal 0,6% des BIP des Jahres 2050.22 In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts und ab einer globalen Temperaturerwärmung von mehr als 2°C steigen die Schadenkosten jedoch deutlich an. Mit jedem Grad vermiedene globale Erwärmung spart die Schweiz jährlich Schadenskosten in der Grössenordnung von 0,6 bis 1 Milliarde Franken. Besonders betroffen sind die Sektoren Tourismus und Energie.

Die Klimaänderung verursacht in den anderen Weltregionen ebenfalls wirtschaftliche Einbussen, die aufgrund der starken internationalen Verflechtungen auch die Schweizer Volkswirtschaft beeinflussen. Ersten Modellrechnungen zufolge könnten diese Rückkopplungseffekte bis ins Jahr 2050 ungefähr 1,4 bis 3,1% der Schweizer Exporte gefährden, was umgerechnet auf die Produktionsseite 0,5 bis 1,1% des BIP des Jahres 2050 ausmachen würde.23 Beispielsweise ist der Wintertourismus vom Ausbleiben der ausländischen Gäste betroffen und die Exporteure von einer sinkenden Nachfrage nach Investitionsgütern (Bangladesch wird bei einem ansteigenden Meeresspiegel in Präventions- und Schadenbehebungsmassnahmen investieren, was die Kaufkraft und damit auch die Nachfrage nach Importgütern aus der Schweiz schmälert).

Die internationalen Einflüsse auf die Schweizer Volkswirtschaft sind insgesamt wahrscheinlich bedeutender als die direkten Auswirkungen der Klimaänderung in der Schweiz.

18 OcCC (2007): Klimaänderung und die Schweiz 2050. Erwartete Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

19 Diese Werte entsprechen den besten Schätzungen. Die Bandbreiten variieren im Sommer zwischen 5 und 30% und im Winter kann eine Zunahme bis zu 20% erfolgen.

20 M. Piot (2005): Auswirkungen der Klimaänderung auf die Wasserkraftproduktion in der Schweiz.

21 Umweltbundesamt (2008): Klimaauswirkungen und Anpassung in Deutschland.

22 Arbeitsgemeinschaft Ecoplan/Sigmaplan (2007): Auswirkungen der Klimaänderung auf die Schweizer Volkswirtschaft (nationale Einflüsse), im Auftrag des BAFU / BFE.

23 Arbeitsgemeinschaft Infras/Ecologic/Rütter + Partner (2007): Auswirkungen der Klimaänderung auf die Schweizer Volkswirtschaft (internationale Einflüsse), im Auftrag des BAFU.