Bericht und Vorlage
Vernehmlassung 2010/126: Agrarpolitik 2014-2017: Weiterentwicklung der Agrarpolitik in den Jahren 2014 bis 2017 · 310 Seiten
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Künftige Rahmenbedingungen
1.3.3 Klimawandel und Naturkatastrophen
Die globalen Treibhausgasemissionen durch menschliche Aktivitäten sind seit vorindustrieller Zeit stark angestiegen. Allein zwischen 1970 und 2004 betrug der Zuwachs 70 Prozent. Dies führt dazu, dass das Klima wärmer wird. Im vergangenen Jahrhundert betrug der Temperaturanstieg global 0,6°C. Die elf wärmsten Jahre seit Beginn der globalen Temperaturmessreihen im Jahr 1861 ereigneten sich alle nach 1996. Da das Klimasystem relativ langsam auf Veränderungen reagiert, wird sich das Klima infolge der bereits in die Atmosphäre emittierten Treibhausgasemissionen weiter erwärmen. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass die Temperatur bis 2100 zwischen 1,8 und 4°C ansteigen wird. Um gravierende und irreversible Schäden mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit zu vermeiden, müsste die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal 2°C begrenzt werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist gemäss Modellprognosen bis 2050 eine Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen um mehr als 85 Prozent gegenüber 1990 nötig. Je nach Bevölkerungsentwicklung müssten die globalen Treibhausgasemissionen langfristig von heute 5,8 Tonnen pro Kopf auf max. 1-1,5 Tonnen CO2eq pro Kopf gesenkt werden. So oder so werden sich die Auswirkungen des Klimawandels im Zeithorizont bis 2025 weiter verstärken. Insgesamt nimmt das Potenzial für die globale Nahrungsmittelproduktion bei einer moderaten Erwärmung zu. Steigen die Temperaturen aber um mehr als 3ºC, gehen die Klimaforscher davon aus, dass das Potenzial abnimmt. Zudem wird der Klimawandel zu einer Zunahme von Naturkatastrophen wie Unwetter und Stürme bzw. Trockenheit und Dürre führen. Solche Extremereignisse werden voraussichtlich stärkere Ertragsschwankungen insbesondere bei Kulturen mit geringer genetischer Vielfalt bewirken. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass die armen Länder, die über geringere Ressourcen zur Anpassung verfügen, vom Klimawandel härter betroffen sein werden als die reichen. Auf den Agrarmärkten werden grössere Preisschwankungen erwartet, welche aufgrund der Vernetzung der Märkte lokal spürbar werden können.
Bei einer moderaten Erwärmung und ausreichender Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit kann davon ausgegangen werden, dass in verschiedenen Regionen der Schweiz die potenziellen Erträge im Acker- und Futterbau tendenziell zunehmen. Die kontinentale Lage und die komplexe Topographie der Alpen haben allerdings zur Folge, dass sich das Klima in der Schweiz stärker erwärmt als im globalen Mittel. Und obwohl das Wasserangebot in der Schweiz insgesamt mehr als ausreichend ist, wird die Landwirtschaft als Folge der Abnahme der mittleren Niederschlagsmenge und der Anzahl Niederschlagstage während der Vegetationszeit zunehmend von Trockenheit betroffen sein. Bereits heute besteht auf 41 Prozent der potenziellen Ackerfläche und 26 Prozent der gesamten LN ein theoretisch ausgewiesener Bewässerungsbedarf. Kritisch ist die Zunahme der Witterungsextreme zu sehen, denn sie mindern die Ertragssicherheit. Bei vermehrtem Stress durch Hitze, Kälte, Trockenheit oder Nässe ist im Pflanzenbau mit zum Teil erheblichen Ertragsausfällen zu rechnen, insbesondere wenn dieser während sensitiver Phasen, zum Beispiel während der Blüte, auftritt. Zusätzlich können Schäden durch Hagel, Starkniederschläge und Überflutung bei Hochwasser, oder durch erhöhte Spätfrostgefährdung (vor allem im Obstbau) aufgrund verringerter Winterhärte zunehmen. Darüber hinaus können sich Pflanzenschutzprobleme verstärken, die mit neuen Schadorganismen sowie einer Zunahme des Befallsdrucks durch derzeit unauffällige Schador-