Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2010/31: Sachplan geologische Tiefenlager: Etappe 1 · 126 Seiten
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Bericht über die Ergebnisse der Anhörung zu Etappe 1
Das ENSI hat die Herleitung der quantitativen Anforderungen an die Geologie mittels eigener Berechnungen überprüft und, mit wenigen Ausnahmen, als nachvollziehbar und angemessen bewertet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Herleitung der Anforderungen ein iterativer Prozess ist und viele Kriterien in ihrer sicherheitstechnischen Wirkung miteinander verknüpft sind. Sowohl ENSI als auch KNS und KNE haben die gleichen Massstäbe wie die Nagra bei ihrer Bewertung angesetzt und kommen bezüglich der 13 sicherheitstechnischen Kriterien zu leicht abweichenden, aber für das Standortgebiet «Wellenberg» zu keinen als ungeeignet bewerteten Kriterien.
Die in der GS-Stellungnahme NW genannte erhöhte Seismizität und die erhöhten Hebungsraten werden auch vom ENSI als Hinweise andauernder alpiner Tektonik angesehen. Die zahlreichen duktilen und spröden Scherzonen und die allenfalls vorhandenen Fremdgesteinseinschlüsse werden im Rahmen der fachtechnischen Überprüfung des Standortgebiets durch die Bundesbehörden berücksichtigt. Sie stellen bedingt günstige, jedoch zusammen mit den vorhandenen Evidenzen über den nachweislich über lange Zeit dicht gebliebenen Wirtgesteinskörper keine ausschliessenden Aspekte dar.
Das ENSI beurteilt die Bewertungssystematik ähnlich wie in der der GS-Stellungnahme NW und weist auf methodische Verzerrungen hin. Das ENSI hat die Bewertungssystematik daher bei seiner eigenen Beurteilung nur partiell übernommen. Die von der Nagra vorgenommene Bewertung der Indikatoren mittels Zahlenwerten übernimmt das ENSI nicht, da es eine Genauigkeit suggeriert, die wegen des unterschiedlichen Kenntnisstandes und den noch vorhandenen Ungewissheiten nicht vorhanden ist. In der ENSI-Gesamtbewertung der Standortvorschläge führt dies zu teilweise signifikant weniger günstigen Bewertungen der sicherheitsrelevanten Kriterien, insbesondere beim Wellenberg. .
Der Expertenbericht Mosar ist seitens ENSI im Detail geprüft worden. Bezüglich der Aussagen zur Erdbebenaktivität hat das ENSI ihn auch durch den Schweizerischen Erdbebendienst (ETH Zürich) prüfen lassen. Das ENSI gelangt zur Ansicht, dass die im Expertenbericht Mosar genannten Aspekte und deren Beurteilung fachlich richtig, aber in ihrer Auswirkung auf ein geologisches Tiefenlager einseitig beurteilt worden sind. Gegensätzliche Schlussfolgerungen können auch hier mehrheitlich darauf zurückgeführt werden, dass unterschiedliche Bewertungsmassstäbe angewendet wurden oder Missverständnisse bezüglich der Tiefenlage des Lagers vorliegen. Während im Expertenbericht Mosar das Standortgebiet nur aus Sicht der Tektonik und Seismizität (tektonische Komplexität, schlechte Explorierbarkeit, neotektonische Aktivität, erhöhte Seismizität) beurteilt worden ist, hat das ENSI bei seiner Gesamtbeurteilung die dem Sachplan zugrunde gelegten 13 sicherheitstechnischen Kriterien (vgl. HSK 33/00111) berücksichtigt. So ist z. B. davon auszugehen, dass selbst bei einem Erdbeben mit Verschiebungen entlang von Störungszonen durch den Wirtgesteinskörper des Wellenbergs die entsprechenden Gesteine aufgrund ihrer selbstabdichtenden Eigenschaften keine Wasserwegsamkeiten entstehen lassen.
Die intensive tektonische Beanspruchung der tonigen Gesteine im Standortgebiet «Wellenberg» stellen den eigentlichen Grund für die grosse Akkumulation der helvetischen Mergel dar. Dadurch entsteht am Wellenberg mit seiner herausragenden vertikalen Mächtigkeit des Wirtgesteinskörpers eine Zone mit nachweislich sehr geringer Durchlässigkeit und alten fossilen salinen Porenwässern. Eine Unterdruckzone, die aufzeigt, dass der Gesteinskörper mindestens seit der letzten Eiszeit, vermutlich aber über noch viel längere geologische Zeiträume (Hebung/Erosion der Alpen), dicht geblieben ist. Für die Exploration und Langzeitentwicklung des Standorts sind die komplexe Geologie und erhöhte Seismizität, die auf aktuell ablaufende Spannungsumlagerungen im Untergrund hindeuten, als nur bedingt günstige Eigenschaften anzusehen. Das Standortgebiet «Wellenberg» kann jedoch wegen der diversen Bohrungen am Wellenberg und der Zugänglichkeit der Geologie aufgrund des Geländereliefs als gut exploriert angesehen werden.
Eine Zuordnung der Seismizität zu einzelnen aktiven tektonischen Störungszonen ist aufgrund der grossen Unsicherheiten in der Lokalisierung der Erdbeben und der Störungszonen nicht möglich. Trotz dieser Ungewissheiten verbleibt, wie im Expertenbericht Mosar richtig dargestellt, ein Zusammenhang zwischen der erhöhten seismischen Aktivität und der Tektonik. Aufgrund des heutigen Wissensstandes
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11 HSK 33/001 (November 2007): Sachplan geologische Tiefenlager: Herleitung, Beschreibung und Anwendung der sicherheitstechnischen Kriterien für die Standortevaluation.