Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2010/31: Sachplan geologische Tiefenlager: Etappe 1 · 126 Seiten

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Ergebnisse der Auswertung

Würdigung

In der Schweiz muss etwa alle 100 Jahre mit einem regionalen Schadensbeben der Magnitude 6 sowie etwa alle 1000 Jahre mit einem zerstörerischen überregionalen Erdbeben der Magnitude 7 gerechnet werden. Aufgrund der dichten Besiedlung und der hohen Sachwerte stellen Erdbeben das grösste Schadenpotential unter den Naturgefahren in der Schweiz dar. In der Schweiz wird darum mit dem vorhandenen Netz von insgesamt 180 Seismometern die Erdbebentätigkeit überwacht und es werden pro Jahr ca. 200 bis 400 Erdbeben registriert. Diese Erdbeben sind meist von sehr kleiner Magnitude. Nur etwa ein bis zwei Dutzend der Erdbeben sind so stark, dass sie von der Bevölkerung tatsächlich verspürt werden.

Im weltweiten Vergleich weist die Schweiz eine kleine bis mittlere seismische Aktivität auf. Dies spiegelt sich in der globalen Erdbebengefährdungskarte19 wieder. Für die Schweiz bildet die aktuelle Erdbebengefährdungskarte des SED von 200420 die Grundlage für die geltenden Baunormen. Da von Kernanlagen eine erhöhte Bedrohung ausgeht, wird für solche Anlagen anstelle der sonst üblichen Zeitperiode von 500 Jahren eine Auslegung auf das grösste Erdbeben in einer Wiederkehrperiode von 10 000 Jahren gefordert. Die entsprechenden Gefährdungskarten zeigen, dass die vorgeschlagenen geologischen Standortgebiete der Nordschweiz in seismisch wenig aktiven Gebieten liegen, wie in Schritt 3 von Etappe 1 geprüft worden ist (vgl. ENSI 33/070, S. 84). Demgegenüber ist beim Standortgebiet «Wellenberg» aufgrund seiner Lage im Alpenraum eine leicht höhere Erdbebengefährdung festzustellen (ENSI 33/070, S. 80–81).

Alle Anlagen eines geologischen Tiefenlagers sind gegen das grösste Erdbeben in einer Wiederkehrperiode von 10 000 Jahren auszulegen. Untertägige Anlagen sind aber grundsätzlich, wie weltweite Erfahrungen (z. B. in tiefen Bergwerken und Tunnel) zeigen, weniger von Erdbebenschäden betroffen, da diese Bauwerke vom Gebirge fest umschlossen sind und durch die eintreffenden Erdbebenwellen nicht frei schwingen können. Dies gilt umso mehr, wenn die Anlagen in der Tiefe einmal verfüllt und verschlossen sind, so dass langfristig nur noch vor Ort stattfindende Erdbeben, die Brüche in der Tiefe verursachen, betrachtet werden müssen.

In tonreichen Gesteinen wie dem Opalinuston sind Hinweise auf durch Erdbeben ausgelöste Brüche nur in Störungszonen zu finden. Durch die selbstabdichtenden Eigenschaften der Tongesteine bilden die entstehenden Brüche jedoch keine Zonen erhöhter Wasserwegsamkeit aus: Sowohl in den Nordschweizer Bohrungen (z. B. Benken, Weiach, Schafisheim) wie auch im Felslabor Mont Terri zeigen die Verteilungen natürlicher Tracerstoffe (z. B. Chlorid, Wasserisotope), dass diese Stoffe über Millionen von Jahren im Opalinuston eingeschlossen geblieben sind (Diffusionsprofile). Dies gilt auch in der Umgebung tektonischer Störungszonen im Felslabor Mont Terri. Es muss davon ausgegangen werden, dass seit der Ablagerung der entsprechenden Gesteinsschichten (d. h. seit ca. 175 Millionen Jahren) diverse starke Erdbeben stattgefunden haben. Diese haben im Opalinuston jedoch keine Wasserfliesswege geschaffen, welche durch die selbstabdichtenden Eigenschaften der Tonanteile im Gestein nicht wieder verschlossen wurden. Davon zeugen die kartierbaren selbstverheilten Störungen.

3.6.8 Nutzungskonflikte

Die konkurrierenden Nutzungen im Untergrund, insbesondere Geothermie–Tiefenlager, werden von mehreren Stellungnehmenden angesprochen. Die Sachlage bei den Nutzungskonflikten sei zu wenig untersucht, so die Gemeinde Stüsslingen. Gemäss FDP AG sollen neue geologische Daten zur besseren Fundierung der Planungen für die Nutzung des Untergrunds erst in Etappe 2 gewonnen werden. Die Grünen ZH verlangen, dass zur Vermeidung von Nutzungskonflikten im Radius von 30 km um dicht bevölkerte Agglomerationen keine Tiefenlager geplant werden dürfen.

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19 Z. B. http://www.seismo.ethz.ch/static/GSHAP/, Stand 26. September 2011.

20 Swiss Seismological Service (2004): Seismic hazard assessment of Switzerland, 2004. Abrufbar unter: http://www.seismo.ethz.ch/prod/haz_map/hazard_report.