Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2011/110: Bericht über die Zukunft der 2. Säule · 176 Seiten
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318 750). Im Jahr 2016 werden etwas mehr als 30 000 Personen neu eine Rente der 2.Säule erhalten. Multipliziert man diese 30 000 Renten mit dem oben errechneten Zusatzbedarf, ergibt sich ein Total von 600 Mio. Franken (30 000 x 20 000). Diese Lücke ergibt sich im Übrigen bereits heute, berechnet sich jedoch etwas anders: Zurzeit beträgt das durchschnittliche obligatorische Kapital einer Person unmittelbar vor der Pensionierung jedoch "nur" etwa 200 000 Franken, dafür ist die Differenz zwischen dem geltenden Umwandlungssatz von 6,95% (Männer) bzw. 6,9% (Frauen) zum Umwandlungssatz 6,4% grösser. Auch bei dieser Konstellation beläuft sich der Zusatzbedarf pro Kopf auf knapp 20 000 Franken. Multipliziert mit den etwas mehr als 30 000 Neurentnern ergibt sich somit auch hier ein Fehlbetrag von rund 600 Millionen Franken. Doch in den betroffenen Vorsorgeeinrichtungen sind in der Regel nicht die Pensionierten finanziell schlechter gestellt, sondern berufstätige junge Versicherte129. In Pensionskassen, in denen die Umverteilung von aktiven hin zu den pensionierten Versicherten wirkungslos ist, zum Beispiel weil die Rentenbezüger verhältnismässig übervertreten sind, muss eine andere Finanzierungsmöglichkeit gefunden werden.
Auch die zukünftige Inflationsentwicklung spielt eine Rolle. Die nach der Umwandlung des Altersguthabens ausbezahlte Rente darf nicht als fixer Nominalbetrag gesehen werden, denn er verliert mit der Zeit inflationsbedingt an Wert. Es muss deshalb auch der Realwert der Rente für die gesamte Dauer des Rentenbezugs (mehr als 20 Jahre) berücksichtigt werden. In Tiefzinszeiten kann der Wertverlust gut in Grenzen gehalten werden und der Realwert bleibt erhalten, auch wenn der anfängliche Nominalwert aufgrund des angepassten Umwandlungssatzes tiefer ist.
Ein zu hoher Mindestumwandlungssatz zwingt die Pensionskassen zudem zu einer riskanteren Anlagestrategie, in der Hoffnung, bessere Ergebnisse zu erzielen. Sie investieren einen zu hohen Anteil des Vermögens in Aktien und andere risikoreiche Anlagen. Es ist vermehrt mit massiven Verlusten zu rechnen, vor allem wenn die Finanzmärkte nach unten tendieren. Eine schwierige Konjunkturlage bringt die Pensionskassen stärker in Bedrängnis. Und genau in diesem Moment nimmt der Druck auf sie zu: Man erwartet von ihnen hohe Erträge, wodurch sie hohe Risiken eingehen. Doch auch sonst schwächt ein zu hoher Mindestumwandlungssatz die Vorsorgeeinrichtung, wodurch sich das Risiko erhöht, dass Deckungslücken entstehen.
Die Finanzkrise hat aufgezeigt, dass Sanierungsmassnahmen unumgänglich sein können, wenn das finanzielle Gleichgewicht einer Pensionskasse wieder hergestellt werden muss. Es ist schwierig, von den Pensionierten einen Sanierungsbeitrag zu verlangen. Bei Sanierungen ist es daher naheliegend, dass aktive Versicherte und/oder ihr Arbeitgeber zusätzliche Beiträge zu leisten haben (Art. 65d Abs. 3 Bst. a BVG). Diese Zahlungen werden à fonds perdu geleistet, denn sie werden nicht dem Altersguthaben der Versicherten gutgeschrieben, sondern allein für die Sanierung der Pensionskasse verwendet. Überdies laufen die Versicherten Gefahr, dass ihr Altersguthaben tiefer verzinst wird als mit dem Mindestzinssatz (Art. 64d Abs. 4 BVG), was wiederum zu tieferen Vorsorgeleistungen als den vorgesehenen/versprochenen führt. Solche Massnahmen sind für die Betroffenen hart.
9.3 Soll-Zustand
Wie bei allen Sozial- und Privatversicherungen muss ein Gleichgewicht zwischen
Leistungsversprechen und Finanzierung in Form von Beiträgen gefunden werden. Es
hat sich klar gezeigt, dass dieses Gleichgewicht in den vom Mindestumwandlungssatz betroffenen Vorsorgeeinrichtungen stark gefährdet ist. Diese Situation ist auf Dauer nicht tragbar.
Bei der Suche nach Lösungen steht ein Ziel im Vordergrund: Die Vorsorgeleistungen sollen nominal stabil gehalten werden, und das Verfassungsziel der 1. und 2. Säule (zusammen ca. 60% des letzten Brutto-Einkommens) darf nicht gefährdet werden. Wie das Ergebnis der
129 Wanner Philippe / Gabadinho Alexis im Auftrag des BSV, Die wirtschaftliche Situation von Erwerbstätigen und Personen im Ruhestand, Forschungsbericht 1/08, Bern 2008, S. 61.