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Vernehmlassung 2011/70: Strategie Biodiversität Schweiz · 76 Seiten
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Strategie Biodiversität Schweiz BAFU 2011
6 Biodiversität in relevanten Bereichen
Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität ist eine gewaltige gesell-
schaftliche, wirtschaftliche und technische Herausforderung. Es zeigt sich, dass diese
mit klassischen Naturschutzinstrumenten allein nicht erfolgreich zu bewältigen ist.
Biodiversität wird geprägt von Landnutzungen und von Eingriffen durch Bauten,
Anlagen und Infrastrukturen sowie von diffusen Verschmutzungen; der Umgang mit
ihr hängt vom Wissensstand und verfügbaren Informationen ab. Ein nachhaltiger
Umgang mit der Biodiversität und damit eine Sicherung der Ökosystemleistungen kann
nur dann erreicht werden, wenn die verschiedenen Sektoralpolitiken die Biodiversität
als Handlungsfeld der Zukunft annehmen. Nachstehend wird aufgezeigt, wie die
einzelnen Bereiche die Biodiversität beeinflussen und von ihr profitieren.
6.1 Waldwirtschaft
Die Wälder der Schweiz sind dank der klimatischen und geologischen Unterschiede Vielfältige Wälder und sehr vielfältig – unterschieden werden über hundert natürliche Waldgesellschaften, die Wald-Ökosystemmehr als 60 % der in unserem Lande vorkommenden Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikro- leistungen
organismen beherbergen. Mit zur hohen Artenvielfalt beigetragen hat auch die vielfäl-
tige Nutzungsgeschichte der Wälder, die unter anderem für viel Licht, Wärme und
magere Standorte gesorgt hat. Die verschiedenen Ökosystemleistungen des Waldes wie
die Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktionen sind direkt mit seiner spezifischen Biodi-
versität verknüpft.
Die Fläche des Waldes hat seit 1850 stetig zugenommen, vor allem in den Alpen und Zunahme der Waldfläche auf der Alpensüdseite. Die Waldbewirtschaftung erfolgt in der Schweiz heute flächen- und der ökologischen deckend nachhaltig und weitestgehend naturnah, wie das gemäss Waldgesetz verlangt Qualität der Wälder wird. Insgesamt ist der prozentuale Anteil gefährdeter Arten in Wäldern geringer als in
anderen Lebensräumen. Die ökologische Qualität der Wälder hat in den letzten Jahr-
zehnten zugenommen. Mehrere entsprechende Indikatoren zeigen einen positiven
Trend: Die Strukturvielfalt wächst, die Waldverjüngung erfolgt grösstenteils und
zunehmend natürlich, und der Totholzanteil ist angestiegen..101
Dennoch gibt es Defizite im Bereich Waldbiodiversität. Dazu gehört weiterhin die Handlungsfelder für die Untervertretung vielfältiger Strukturen wie z. B. gestufte Waldränder, lichte Wälder, Waldwirtschaft feuchte Waldstellen, Wytweiden102 und Kastanienselven103 sowie der Mangel an Alt-
und Totholz, insbesondere auf Flächen im Mittelland und im Jura. Diese Defizite
führen zu einem Rückgang an seltenen und gefährdeten licht- und wärmeliebenden
Arten sowie an Habitatspezialisten biologisch alter Entwicklungsphasen. Dazu kommt
eine heute noch ungenügende Ausscheidung von Waldreservaten. Ebenfalls eine
flächendeckende Bedrohung für die Waldbiodiversität stellen die Ungleichgewichte in
der Nährstoffversorgung durch Einträge aus der Luft (vorwiegend Stickstoff) dar.
Die Waldpolitik des Bundes wird durch die Waldpolitik 2020 geleitet. Sie ist eine Waldpolitik 2020 politische Absichtserklärung des Bundesrates, welche die Grundlage für konkrete
101 Brändli U.B. 2010: Schweizerisches Landesforstinventar. Ergebnisse der dritten Erhebung 2004–2006. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Bern, Bundesamt für U mwelt BAFU
102 Auf Wytweiden findet gleichzeitig eine Wald- und Weidennutzung statt. Sie gelten juristisch als Wald und sind dem Waldgesetz unterstellt. 103 Unter Selven sind die bekannten Edelkastanien- und die wohl eher seltenen Nussbaumbestockungen zu verstehen, die hauptsächlich im Wallis, im Tessin und in Südbünden vorkommen. Sie dienen traditionell der Holznutzung und der Früchtegewinnung, werden aber auch beweidet und/oder gemäht.