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Vernehmlassung 2015/56: Gesamtschau Sportförderung des Bundes · 46 Seiten

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Erfolge im Mannschaftssport - namentlich im Fussball - tragen dazu bei, kollektive Werte und Identitäten zu bestätigen. Im Kontext der Berichterstattung zur Fussball-Europameisterschaft UEFA EURO 2008 war zu beobachten, dass die Medien ein durchwegs patriotisches Bild der Schweizer Nationalmannschaft vermittelten. Dabei wurde der Migrationshintergrund verschiedener Fussballspieler bewusst thematisiert und der Multikulturalismus als zentrales Element des schweizerischen Selbstverständnisses dargestellt. Die Nachwuchsabteilungen der Fussballvereine verzeichneten in der Folge erhebliche Zugänge, die in vielen Fällen zu Kapazitätsengpässen führten.

3.2.2 Leistungssport und Integration

Im Rahmen der Legislaturplanung 2011-2015 verfolgt der Bundesrat das Ziel, die Integration von Ausländerinnen und Ausländern zu verbessern und den Zusammenhalt der Gesellschaft

- bei wachsender Heterogenität - zu wahren. Der organisierte Sport bietet Chancenvielfalt und soziale Gleichbehandlung und ist daher ein wichtiges Handlungsfeld für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Diese sind bis heute in den Sportvereinen untervertreten. Ausnahmen bilden Sportarten wie Fussball, Basketball oder Kampfsportarten, wo insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund gut vertreten sind.

Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess und muss entsprechend auch im Sport aktiv gefördert werden. Als Beispiel für eine erfolgreiche Integration wird regelmässig die U17- Nationalmannschaft des Schweizerischen Fussballverbands SFV erwähnt. Junge Menschen mit Wurzeln in zwölf Ländern auf drei Kontinenten gewannen 2009 in Nigeria den Weltmeistertitel. In dieser Alterskategorie ist die Schweiz somit erfolgreicher als traditionelle Fussballnationen wie England, Italien oder Deutschland.

Integration im und durch den Sport fordert nicht nur den Leistungssport, sondern auch den Breitensport. Fachpersonen in verschiedenen Bereichen des BASPO beschäftigen sich mit diesen Fragen. Die Sensibilisierung der Sportlerinnen und Sportler, Funktionärinnen und Funktionäre für die Anliegen der Integration durch Sport ist eine grundlegende Voraussetzung. Darüber hinaus bedarf es Angebotsstrukturen, die den unterschiedlichen Lebenslagen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen Rechnung tragen. Zu diesem Zweck hat das BASPO einen Leitfaden für Sportvereine mit konkreten Handlungsanleitungen erarbeitet.

3.2.3 Frauen im Leistungssport

Aus Gründen gesellschaftlicher Konvention war die Teilnahme von Frauen an sportlichen Wettkämpfen bis weit in das 20. Jahrhundert umstritten. Dies obschon Frauen schon früh berechtigt waren, an olympischen Spielen teilzunehmen. Im Rahmen der olympischen Bewegung spielte unser Land insoweit eine Pionierrolle, als dass sie die erste Olympiasiegerin der Neuzeit stellte. So gewann Hélène de Pourtalès im Jahre 1900 an den Olympischen Spielen von Paris die Goldmedaille im Segelwettbewerb. Auf nationaler Ebene führte der Schweizerische Frauenturnverband im Jahre 1966 erstmals Wettkämpfe durch. Bis zu diesem Zeitpunkt galt im Turnen ein Wettkampfverbot für Frauen.

Nachdem über weibliche Fussballaktivitäten einer Genfer Damenmannschaft 1923 berichtet worden war, dauerte es weitere fünfzig Jahre bis zur Gründung der Schweizerischen Damenfussballliga im Jahre 1970. Im Unterschied dazu waren die Verbände des Wintersports wegweisend. So führte der Schweizerische Skiverband bereits 1936 offizielle Damenmeisterschaften durch. In den vergangenen Jahrzehnten vermochten sich auf internationaler Ebene Schweizer Athletinnen vor allem im alpinen Skisport durchzusetzen, während internationale Erfolge in anderen Sportarten nicht an der Tagesordnung waren und von herausragenden Ausnahmeathletinnen erzielt wurden.