Vorlage

Vernehmlassung 2015/56: Gesamtschau Sportförderung des Bundes · 46 Seiten

Fedlex · Vorlage · Seite 14Fedlex · Vorlage

die Gewinnung und Bindung jugendlicher Leistungssportler im Vordergrund. Andernfalls besteht zunehmend die Gefahr, dass viele Sportverbände die mit dem Breitensport, der Nachwuchsförderung und dem Wettkampfbetrieb verbundenen Aufgaben nicht mehr bewältigen können.

3.1.3 Ethik im Leistungssport

Der Leistungssport orientiert sich am olympischen Leitspruch „citius, altius, fortius“, im deutschen Sprachgebrauch mit „schneller, höher, weiter“ eingeführt. Im internationalen Spitzensport geht es um die Perfektionierung der sportlichen Leistung und der körperlichen Belastung. Durch die Medienberichterstattung stilisiert, zählt vorab der Sieg. Ein zweiter Platz wird häufig als Niederlage und nicht als Spitzenleistung gewürdigt. Leistungssport erfordert höchstes persönliches Engagement, Idealismus und Leidenschaft.

Ziel des Leistungssports ist es, die eigene Leistung permanent zu verbessern. Um im Wettbewerb zu bestehen, ist es geboten, alle erlaubten wissenschaftlichen und medizinischen Hilfen zu beanspruchen und so das eigene Potenzial optimal zu nutzen. Diese Konstellation schafft Raum für unlautere Machenschaften und Manipulationen. Damit stellt sich für Sportlerinnen und Sportler, Trainerpersonen und Betreuungsumfeld nicht nur die Frage nach dem rechtlich korrekten, sondern insbesondere auch die Frage nach dem moralisch richtigen Handeln. Grundlage des Sports sind immer auch ethische Prinzipien. Entsprechend geht es nicht nur um die Beachtung geschriebener Regeln, sondern auch um die Einhaltung der ungeschriebenen Regeln.

Fairness im Sport schaffen vorab die ungeschriebenen Regeln. Im Code of Sports Ethics von 1993 definiert der Europarat Fair Play als eine Art des Denkens, nicht nur des Verhaltens. Dieses Denken zielt ab auf die Beseitigung von Betrug, Doping, Korruption, ungleicher Chancen, körperlicher und verbaler Gewalt und sexueller Übergriffe. Soweit es darum geht, die Prinzipien der Fairness zu verinnerlichen, stehen die Sportverbände und Sportvereine in der Pflicht. Vor diesem Hintergrund hat Swiss Olympic 1998 die Ethik-Charta im Sport verabschiedet. Im Hinblick auf die Verwirklichung des „Spirit of Sport“ formuliert die Charta zehn Prinzipien für gesunden, respektvollen und fairen Sport als Verpflichtung für alle Akteure im Sport. Die Bundesbeiträge an die Sportverbände sind an die Bedingung geknüpft, dass die Sportverbände diese Ethik-Prinzipien einhalten und umsetzen.

3.1.4 Missbrauch im Leistungssport

Der Leistungssport ist ein Abbild der Gesellschaft. Die Zunahme an Gewalt und Betrugshandlungen macht auch vor dem Leistungssport nicht Halt. Zu den schweren Verstössen gegen Fair Play und Regelwerk gehört insbesondere das Doping. Entsprechende Praktiken sind unvereinbar mit dem Sinngehalt des Sports, nämlich eine Leistung aus eigener Kraft zu erbringen. Doping beeinträchtigt die Chancengleichheit und die Vorbildfunktion des Leistungssports und ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Bei der Dopingbekämpfung sind die Sportverbände auf die Unterstützung des Staates angewiesen. Das Sportförderungsgesetz von 2011 schafft die rechtlichen Voraussetzungen, dass die Akteure im Umfeld der dopenden Sportler bestraft werden können. Die Entwicklung der vergangenen Jahre legt den Schluss nahe, dass die Anstrengungen im Bereich der Dopingbekämpfung weiter verstärkt werden müssen.

Mit der Zunahme der wirtschaftlichen Bedeutung des Sports und den damit verbundenen finanziellen Interessen eröffnen sich leider auch neue Handlungsfelder für Korruptions- und Manipulationshandlungen im Leistungssport. Korruption sowie im Zusammenhang mit Sportwetten stehende Spielmanipulationen stellen neben Doping und Gewalt besondere Bedrohungen für den Sport dar. Die Integrität des Sports auf dem Spielfeld kann nur sichergestellt werden,