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Vernehmlassung 2015/58: Konzeptbericht Mobility Pricing · 68 Seiten
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N511-1025
Eine Erhöhung des Anteils des Langsamverkehrs ist hingegen wünschenswert und wahrscheinlich (vor allem während Spitzenstunden), weil der Langsamverkehr nicht in die Bepreisung einbezogen wird. Auch Carpooling – das Bilden von Fahrgemeinschaften – dürfte mit Mobility Pricing an Bedeutung gewinnen, da durch höhere Preise zu Spitzenzeiten der Anreiz steigt, diese Kosten mit Mitfahrenden zu teilen.
Veränderung der Routenwahl / Ausweichverkehr
Fahrleistungsbezogene, zeitlich und örtlich differenzierte Abgaben können zur Folge haben, dass die Routenwahl angepasst und von bepreisten auf nicht bepreiste oder von teureren auf billigere Strecken oder Angebote ausgewichen wird. Bei der Routenwahl findet auf Strasse sowie auf Schiene folglich eine Güterabwägung zwischen Kosten, Reisezeit und Qualität statt, welche nach individuellen Präferenzen unterschiedlich ausfällt. Schliesslich wird diejenige Route gewählt, welche den höchsten Nettonutzen aufweist. Wird mit der angepassten Routenwahl auf eine weniger belastete Strasse oder auf ein weniger ausgelastetes öV-Angebot (bspw. überlastete Direktverbindung vs. weniger ausgelastetes Angebot mit Zwischenhalten) ausgewichen, hilft dies, das mit Mobility Pricing avisierte Ziel zu erreichen. Eine Herausforderung von Mobility Pricing besteht daher auch darin, die Tarifierung so auszugestalten, dass im öV auch weniger ausgelastete Angebote genutzt werden und auf der Strasse kein unerwünschter Ausweichverkehr auf das untergeordnete Strassennetz erfolgt.
Veränderung der Zielwahl
Mobility Pricing kann die Zielwahl, vor allem im Einkaufs- und Freizeitverkehr, beeinflussen. Mit fahrleistungsbezogenen Abgaben entsteht ein Anreiz, die Fahrleistung zu reduzieren, denn Reisekosten fallen bei der Entscheidungsfindung mehr ins Gewicht, weshalb Reiseentscheidungen künftig anders ausfallen dürften.
Wohn- und Standortwahl (räumliche Auswirkungen)
Mobility Pricing kann die Wahl von Wohn- und Arbeitsort beeinflussen. Für die Wahl von Wohn- und Arbeitsort sind neben den Verkehrskosten und den Reisezeiten viele weitere Faktoren wie zum Beispiel der Lebensstil, die Erreichbarkeit, Steuern, Mietpreise, Kriminalität, Lärmbelastung, soziale Vernetzung und Nähe zur Natur von Bedeutung. Gedanken über Wohn- und/oder Arbeitsort dürften sich mit Mobility Pricing vor allem Pendler machen, welche über längere Distanzen während Spitzenzeiten unterwegs sind. Ob und inwieweit die Einführung von Mobility Pricing ihre Wahl von Wohn- und/oder Arbeitsort tatsächlich beeinflussen wird, hängt wiederum von der Ausgestaltung ab. Die räumlichen Auswirkungen eines Mobility Pricing werden tendenziell als gering eingeschätzt, weil – wie einleitend ausgeführt – Verkehrskosten und Reisezeiten nur zwei Faktoren von vielen sind.
7.2. Gesamtverkehr
Die Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen und den Verkehrsfluss hängen vom Mobilitätsverhalten jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers ab. Sie sind die Summe von vorstehend dargelegten kurz- und langfristigen individuellen Mobilitätsentscheidungen, welche durch fahrleistungsbezogene Abgaben mit zeitlich und örtlich differenzierten Preisen beeinflusst werden können. Beispiele mit örtlich und zeitlich differenzierten Preisen in Singapur, Stockholm und weiteren Städten42 zeigen, dass die Anwendung marktwirtschaftlicher Mechanismen im Verkehr zu erheblichen Verbesserungen führen kann. Damit werden Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt, Verkehrsspitzen morgens und abends geglättet und die Infrastruktur wird gleichmässiger ausgelastet, sodass der Verkehrsfluss in den Spitzenzeiten verbessert wird.
Die individuelle Fahrleistung ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.43 Es ist nicht auszuschliessen, dass mit einer fahrleistungsbezogen Abgabe eine Drosselung der Zunahme oder sogar eine Abnahme
42 Vgl. Anhang V.
43 Die pro Person und Tag durchschnittlich zurückgelegte Distanz stieg von 35,2 km im Jahr 2005 auf 36,7 km im Jahr 2010. Dies entspricht einer Zunahme um 4,1% (Mobilität in der Schweiz, Ergebnisse des Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010, BFS, 2012).