Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten

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Sachplan geologische Tiefenlager

Die GLP Schweiz, Ecologie libérale und Einzelpersonen sehen als einzige heute absehbare Lösung eine Nachbehandlung der HAA (durch Transmutation u. a.), um deren Gefährlichkeit wesentlich zu verringern. Die GLP Schweiz führt aus, dass zwingend und sofort an Lösungen zur Nachbehandlung gearbeitet werden müsse, entweder auf nationaler oder auf europäischer Ebene. Diese Arbeit dürfe nicht kommenden Generationen aufgebürdet werden. Ecologie libérale warnt vor Konditionierungsmassnahmen, welche die spätere Transmutation negativ beeinflussen.

Würdigung

Inventar: Basis für die Berechnung des Flächen- und Volumenbedarfs eines gTL ist das im Entsorgungsprogramm (EP) 2016208 nachgeführte Inventar der zu entsorgenden Abfälle. Das EP muss von der Nagra alle fünf Jahre überarbeitet werden. Es wird durch die Behörden geprüft und durch den Bundesrat mit allfälligen Auflagen genehmigt. Das EP gibt somit einen fortlaufend aktualisierten Überblick über den Stand der Entsorgung und die Planungen bis zum Verschluss des gTL. Es liefert dabei u. a. auch Angaben zu Herkunft, Art und Menge der in der Schweiz zu entsorgenden radioaktiven Abfälle.

Transmutation: Die Transmutationstechnologie wird in verschiedenen Staaten seit Jahren erforscht und weiterentwickelt. Im Fokus der Arbeiten liegt neben der Grundlagenforschung insbesondere die Entwicklung von neuen Reaktorkonzepten, die speziell auf Wiederverwendung von Brennelementen und auf Transmutation ausgelegt sind. Realistische Szenarien der Anwendung von Partitionierung und Transmutation (P&T) zur Reduktion der Radiotoxizität HAA und deren Auswirkung auf die Tiefenlagerung wurden in verschiedenen internationalen Forschungsprojekten untersucht. Die verschiedenen betrachteten Brennstoffkreislauf-Szenarien führen zwar zu einer veränderten Abfallzusammensetzung, aber es verbleiben in jedem Fall langlebige Abfallkomponenten, die in einem gTL entsorgt werden müssten.209

Der Nachweis der grosstechnischen Machbarkeit von P&T steht aus. Hierfür werden noch mehrere Jahrzehnte an Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig sein. Deshalb muss für die Entsorgung der in der Schweiz anfallenden radioaktiven Abfälle eine heute umsetzbare und wissenschaftlich anerkannte Lösung vorbereitet werden.

Thermische Behandlung organischer Stoffe: Seit Inbetriebnahme der Plasmaanlage in der Zwilag im Jahr 2004 werden in der Schweiz bereits alle organischen Rohabfälle, die aufgrund ihrer Spezifikation für eine thermische Behandlung in Frage kommen, der Verbrennung zugeführt. Dies umfasst insbesondere die organischen MIF, sowie SMA aus den KKW und macht einen grossen Teil der organischen Rohabfälle aus. Jedoch sind noch einzelne Abfallströme, vor allem aufgrund ihrer hohen Aktivität, nicht zur Mineralisierung in der bestehenden Plasmaanlage geeignet – allen voran die Ionenaustauscherharze aus den Wasser- und Kondensatreinigungsanlagen der KKW.

Eine thermische Behandlung aller Abfälle, die mehr als fünf Prozent organische Stoffe enthalten, allein zum Zweck der Volumenreduktion ist aus sicherheitstechnischer Sicht nicht angezeigt. Die thermische Behandlung der Abfälle führt zwar zu einer Volumenreduktion, nicht aber zu einer Reduktion der Radionuklide. Somit wird einfach dieselbe Aktivitätsmenge auf ein kleineres Volumen konzentriert. Aufgrund dieser Zunahme der Aktivitätskonzentration benötigten die resultierenden Abfallgebinde teilweise andere Behältertypen und zusätzliche Bleiabschirmungen, die das eingesparte Volumen zum Teil wieder kompensierten. Darüber hinaus würden neben den hohen sicherheitstechnischen Anforderungen an die thermische Abfallbehandlung auch zusätzliche Anforderungen an die Betriebssicherheit bezüglich der

208 Das Entsorgungsprogramm 2016 und die Stellungnahmen dazu sind unter bfe.admin.ch > Radioaktive Abfälle > Grundlagen Entsorgung > Entsorgungsprogramm abrufbar.

209 Vgl. ENSI Faktenblatt static.ensi.ch/1364463179/ensi_faktenblatt_transmutation_final.pdf.