Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten

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Sachplan geologische Tiefenlager

SES und WWF Schweiz erachten den Aufbau eines Gasdrucks, der nach Überschreiten der Gesteinsfestigkeit ein Aufreissen der Bentonit- und Opalinuston-Barriere zur Folge habe, als besonders kritisch. Die Ergebnisse der bisherigen Experimente im Felslabor Mont Terri seien noch zu wenig robust. Ebenso sei bei der Konzipierung und Bewertung eines Kombilagers die Gasproblematik ernst zu nehmen.

B90/Grüne Singen und KLAR! (D) werfen Fragen auf, inwieweit im Opalinuston nachgewiesene Mikroben Gase bildeten, ob das Verständnis negativer Auswirkungen dieser Gase auf die Dichtigkeit des Opalinustons vorhanden sei sowie bezüglich dem Wissensstand zu Mutationen solcher Mikroben.

ContrAtom und mehrere Einzelpersonen machen auf die Korrosionsproblematik (Oxidation) von Stahlbehältern für die HAA beim Kontakt mit Gebirgswässern und die dadurch verursachte Gasbildung aufmerksam. Zwei Einzelpersonen erwähnen, dass Katalyse oder Radiolyse zu einer Gasbildung – insbesondere von Wasserstoff – führen werde. Die Katalyse könne etwa durch einen Kupfermantel um die Kanister verzögert werden. Ein solcher biete jedoch bei basischen geochemischen Verhältnissen keine optimale Korrosionsresistenz. Hierzu würden zwei nichtmetallische Materialien Alternativen bieten: Synroc und Keramik. Synroc sei bisher nicht zur industriellen Reife entwickelt worden. Keramik werde mit dem Argument der Sprödheit bei Belastungen durch Gebirgsdruck als Alternative verworfen. Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Verfüllungsart der Lagerstollen müsse dieses Argument noch genauer untersucht werden. Angesichts der Gasprobleme in einem Tiefenlager wie auch der Langzeitsicherheit sei eine ernsthafte Prüfung und zur Förderung entsprechender Forschung im Bereich alternativer Werkstoffe für die Konditionierung und Verpackung von Abfällen unerlässlich.

Gemäss Grüne Schweiz, SP Schweiz, SES und WWF Schweiz überzeugten weder Stahl noch Kupfer als Material für die HAA-Behälter und keramische Behälter dieser Grösse müssten erst entwickelt und getestet werden. Eine starke Ausweitung der Forschung bezüglich des Gasbildungspotenzials der Lagerbehälter (Korrosion von Kohlenstoffstahl, Aluminium oder Kupfer) und allfälliger alternativer (nichtmetallischer) Materialien für diese Behälter wie auch zur oben erwähnten Konditionierung organischer Materialien sei zu prüfen und zu fördern (Grüne Schweiz, SES, WWF Schweiz, Einzelpersonen). LoTi, Pro Ehrendingen und zwei Einzelpersonen empfehlen, für die Lagerbehälter die Verwendung anderer Materialien als Stahl ernsthaft zu prüfen und zu fördern. Eine Einzelperson fragt sich, ob es überhaupt ein Material gebe, welches zukünftige Generationen vor Kontaminationen schützen könne. Sie verlangt, dass die Wahl des Behältermaterials bereits jetzt und nicht erst nach 2035 getroffen werden müsse.

Würdigung

Behältermaterial, Gasbildung und Gastransport hängen zusammen und werden seit über 30 Jahren in nationalen und internationalen Projekten untersucht.

Die Gasbildung in einem gTL wird durch die Korrosion metallischer Anteile der Endlagerbehälter und der radioaktiven Abfälle dominiert. Andere Gasproduktionsprozesse (z. B. die Zerlegung organischer Abfallanteile) verursachen gegenüber der Metallkorrosion untergeordnete Mengen an Gas. Dabei ist jeweils auch die Gasproduktionsrate (d. h. welche Gasmenge in welchem Zeitraum durch Korrosion gebildet wird) zu beachten. Sie ist je nach Art der Metalle oder organischen Substanzen unterschiedlich. Die Korrosionsreaktion von Metall mit Wasser bildet unter den in einem HAA-Lager zu erwartenden Bedingungen Wasserstoff. Die kleinen Moleküle des Wasserstoffs können relativ leicht durch das dichte Gestein wandern und bei erhöhtem Drücken transportiert werden. Offen ist, wie schnell Gas im gTL produziert und wie schnell dieses abtransportiert werden kann. Auswirkungen der Gasproduktion werden im Konzeptteil SGT mit dem Kriterium 2.3 bewertet. Die Nagra muss aufzeigen, dass die Gasproduktion im gTL die Langzeitsicherheit nicht in Frage stellt.