Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten

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Sachplan geologische Tiefenlager

3.5.6 Langzeitsicherheit

ContrAtom weist darauf hin, dass wahrscheinlich niemand die Sicherheit eines Tiefenlagers für mehr als 100 000 Jahre garantieren könne. Dies werde aber in keinem Bericht erwähnt. Die GLP Schweiz hält die Lagerung von HAA auch in stabilen Wirtsgesteinen und bei der Verwendung optimaler Einkapselungstechnologien für kaum machbar. Der definitive Verschluss eines HAA-Lagers dürfe, wenn überhaupt, erst dann erfolgen, wenn alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt seien und nachdem alles technisch Mögliche zur Nachbehandlung der Abfälle getan worden sei.

Die Gemeinde Niedereschach, zahlreiche Organisationen163 und zahlreiche Einzelpersonen bezweifeln, dass die Geologie der drei Standortgebiete oder überhaupt irgendeines Gebietes in der Schweiz die nötige Sicherheit über lange Zeiträume gewährleisten könne. Begründet wird dies mit der geringen Schichtmächtigkeit des Opalinustons (mehrere Einzelpersonen), der Nähe zu grundwasserführenden Schichten (mehrere Einzelpersonen), der fortwährenden Alpenfaltung, dem Klimawandel (Einzelperson), dem geothermischen Fluss inkl. der bestehenden heissen Quellen als Anzeichen geologischer Instabilität (mehrere Einzelpersonen), zukünftigen Tiefenerosionsprozessen (B90/Grüne Singen, KLAR! (D), mehrere Einzelpersonen) sowie tektonischen Prozessen wie die Hebung des Südschwarzwaldes (Thalheim an der Thur) oder möglicherweise durch den Permokarbontrog verursachten Spannungen (B90/Grüne Waldshut, Umweltinstitut München, zahlreiche Einzelpersonen).

Zwei Einzelpersonen bemängeln, dass die Gefährdung des Tiefenlagers durch Erdbeben und ähnliche Naturereignisse nicht abgeschätzt werden könne, weil die Lagerarchitektur nicht bekannt sei. Eine Einzelperson ist darüber besorgt, ob die Sicherheit und Dichtigkeit der verfüllten Zugänge zum gTL über die langen Zeiträume gewährleistet werden könne.

Gemäss einer Einzelperson sei unklar, wie der Einschluss der Abfälle nach dem Versagen der Behälter nach mehreren tausend Jahren gewährleistet werden könne. Dazu gebe es noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dies zeige die noch nicht festgelegte Dauer der Beobachtungsphase.

Den Parteien Grüne Schweiz und SP Schweiz sowie zwei Einzelpersonen fehlt im Konzept der Nagra ein belastbarer Nachweis, wie radioaktive Abfälle auf lange Zeit überwacht oder zurückgeholt werden können. Die Dauer der Beobachtungsphase sei unklar und nach deren Abschluss würden Störfälle erst dann bemerkt, wenn Konsequenzen an der Oberfläche offensichtlich würden. Die SP Schweiz verlangt deshalb die Erarbeitung von Konzepten zur Überwachung, zur Rückholbarkeit und zur Kennzeichnung.

Mehrere Organisationen164 und zwei Einzelpersonen weisen darauf hin, dass es für die sicherheitsrelevante Frage der vom KEG vorgeschriebenen dauerhaften Markierung noch keine Lösung gebe. Drei Organisationen (ContrAtom, NWA Schweiz und NWA AG) und drei Einzelpersonen vermissen Aussagen darüber, wie das Tiefenlager über lange Zeiträume vor menschlichen Einwirkungen wie Bohrungen oder Untertagebauten geschützt werden könne und wie der Zugangspunkt später gesichert werden solle.

163 B90/Grüne Emmendingen, SP AG, SP Bezirk Baden, SP Bezirk Brugg; BUND Südlicher Oberrhein, BUND S-B-H, BUND Reichenau, BUND Gailingen, ECOtrinova, IG BoB, KAIB, LoTi, Mahnwache Endingen, Umweltinstitut München.

164 Grüne Schweiz, SP Schweiz, SP Bezirk Baden, SP Bezirk Brugg; IG BoB, KAIB, NWA, SES, WWF Schweiz.