Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2018/70: Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung) · 99 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 7Fedlex · Erläuternder Bericht
Ausland – über eine Vielzahl an Ausfallszenarien berücksichtigt wird und dabei geeignete Methoden eingesetzt werden, welche sich auf politisch abgestimmte Szenarien stützen (und dabei umfassend mögliche Wetterextreme berücksichtigen).
1.1.2.1 Systemsicht
Der Schweizer Kraftwerkpark weist einen hohen Anteil an Spitzenlastkraftwerken auf. Die installierte Leistung (ca. 20 GW) übersteigt die maximale Last (ca. 11 GW) bei Weitem. Bezogen auf die Verfügbarkeit von Energie ist zu beachten, dass ein Grossteil der installierten Leistung aus Wasserkraftwerken stammt. Die Leistung ist nur nutzbar, wenn die notwendige Primärenergie zur Verfügung steht. In den Sommermonaten wird Strom netto exportiert und in den Wintermonaten Strom netto importiert. Die Schweiz verfügt zudem über ausreichend grosse Netzkapazitäten an den Grenzen, die in den nächsten Jahren weiter erhöht werden. Die Versorgung kann allerdings durch Netzengpässe innerhalb der Schweiz behindert werden, wie es z.B. im Winter 2015/16 der Fall war. Die Betrachtung dieser einzelnen Aspekte ergibt gewisse Hinweise, jedoch noch keine belastbaren Aussagen betreffend das Niveau der Schweizer Stromversorgungssicherheit. Stattdessen ist eine Beurteilung aus einer Systemsicht, d.h. unter Berücksichtigung von Netz, Erzeugung, Nachfrage und den Rahmenbedingungen des europäischen Strommarktes, notwendig.
Das BFE hat die Stromversorgungssicherheit der Schweiz aus einer Systemsicht untersuchen lassen (sogenannte System-Adequacy-Analyse).7 Hierfür wurde eine hohe Bandbreite an möglichen Marktentwicklungen sowie Extremsituationen herangezogen (26 unterschiedliche Szenarien des Kraftwerksparks und der Nachfrage sowie teilweise bis zu 180 Wetterszenarien, die auch Wetterextreme miteinbeziehen). Zur Beurteilung der Versorgungssicherheit wurden Indikatoren verwendet, welche die im System verfügbare Erzeugungskapazität, die Häufigkeit von Lastverlusten und die entsprechende nicht gelieferte Energie betrachten. Die gleichzeitige Betrachtung dieser Indikatoren ermöglicht es, Aussagen über das Ausmass (Anzahl Stunden und Energiemengen) sowie die Gründe für eventuelle Lastverluste (vorhandene Erzeugungsreserven) zu machen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Versorgungssicherheit als unkritisch einzustufen ist, solange die Schweiz im europäischen Strommarkt integriert ist. Bis zum Jahr 2035 gibt es kein signifikantes Versorgungssicherheitsproblem in der Schweiz. Bis einschliesslich 2025 treten keinerlei Lastverluste, für 2030 praktisch keine und 2035 mit bis maximal einer Woche moderate Lastverluste in der Schweiz auf. Lastverluste in diesem Ausmass stellen noch kein Problem dar, sie können durch operative Massnahmen der Swissgrid aufgefangen werden. Die maximale Kapazitätsauslastung im Schweizer System wird im Winter erreicht. In den Wintermonaten sind nach Deckung der Last weiterhin nicht eingesetzte Erzeugungskapazitäten vorhanden. In den untersuchten Modellen wurden zudem diverse Extremszenarien simuliert. So wurden z.B. grosse Ausserbetriebnahmen je in den Nachbarländern und in der Schweiz sowie
7 Forschungsstelle Energienetze ETHZ / Forschungsstelle Nachhaltige Energie und Wasserversorgung Universität Basel (2017), Modellierung der System Adequacy in der Schweiz im Bereich Strom, Zürich / Basel.