Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2021/120: Landwirtschaftliches Verordnungspaket 2022 · 215 Seiten
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Verordnung über die Tierzucht
aber lediglich um eine formelle, nicht materielle Änderung, da dies bis anhin bereits so war. Der Absatz 1 wird um die Beiträge zur Erhaltung von Schweizer Rassen mit kritischem oder gefährdetem Status ergänzt. Diese neuen Beiträge werden an die anerkannten Zuchtorganisationen ausgerichtet. Der Absatz 3 ist entsprechend zu ergänzen.
Die Definition einer Schweizer Rasse wird in den neuen Artikel 23a verschoben. Materielle Änderungen an der Definition werden nicht vorgenommen. Daher kann der Artikel 23 Absatz 2 aufgehoben werden. Weiter wird die Bestimmung des Absatzes 4 in den neuen Artikel 23b eingegliedert und kann auch aufgehoben werden.
Art. 23a Schweizer Rasse, Rasse mit kritischem Status und Rasse mit gefährdetem Status
Der Bund soll neu als zusätzliche Massnahme zu den Erhaltungsprojekten und zur Langzeitlagerung von Kryomaterial spezifisch für Schweizer Rassen mit dem Status kritisch oder gefährdet Beiträge ausrichten können. Mittels Förderung der Zucht und Haltung der betroffenen Schweizer Rassen soll eine weitere Verstärkung ihrer Gefährdung verhindert und ihre Erhaltung gesichert werden. Die Beiträge sollen zum Erhalt und der Förderung der Biodiversität im Sinne von tiergenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft beitragen. Als wissenschaftliche Grundlage zur Bestimmung des Gefährdungsstatus wird dabei das Monitoringsystem für tiergenetische Ressourcen in der Schweiz – kurz GENMON - verwendet. GENMON – als Web-Applikation gestaltet - wird aktuell durch die Qualitas AG betrieben. Die Qualitas AG stellt dem BLW die GENMON-Daten bereit.
Global existieren verschiedene Berechnungsarten für den Gefährdungsstatus von Nutztierrassen.
Diese stützen sich in der Regel auf Populationsdaten und vernachlässigen geografische, demografische und sozio-demografische Faktoren, welche jedoch die Erhaltung einer Nutztierrasse massgebend beeinflussen können. Deshalb unterstützte das BLW in den Jahren 2014 bis 2018 das EPFL-Forschungsprojekt «GENMON - Development of an Animal Genetic Resources Monitoring System for Switzerland». Im Rahmen des GENMON-Projekts wurde der Prototyp eines Frühwarnsystems für die Gefährdung von Nutztierrassen entwickelt und getestet. GENMON berechnet unter Einbezug von Populationsdaten, sozioökonomischen und soziodemografischen Aspekten sowie Umweltfaktoren die Nachhaltigkeit von Zuchtaktivitäten. Die dazu herbeigezogenen Populationsdaten sind die Populationsgrösse, die Vollständigkeit des Stammbaums, der durchschnittliche Inzuchtkoeffizient, die Entwicklung des Inzuchtkoeffizienten, die effektive Populationsgrösse, der Grad der Introgression und die geografische Verteilung einer Rasse. Zusätzlich fliessen unter anderem die Kryokonservierung, die Anzahl Betriebe, welche eine Rasse halten, die kulturelle Bedeutung einer Rasse, demografische Entwicklung und Arbeitsstellen in der Landwirtschaft, die Fläche, welche zur Haltung der Rasse zur Verfügung steht sowie die gegenwärtige und zukünftige Landnutzung in die Berechnungen mit ein.
GENMON berechnet anhand dieser verschiedenen Subindizes und deren entsprechenden Gewichtung einen Globalindex für jede Rasse. Je höher der Index ist desto nachhaltiger sind die Zuchtaktivitäten betreffend die Rasse.
Die Berechnungen und Resultate von GENMON wurden mit einer wissenschaftlichen Begleitgruppe, bestehend aus Expertinnen und Experten im Bereich der Tierzucht und Genetik, analysiert. Gestützt auf diese Besprechungen sollen Schweizer Rassen, deren Globalindex von GENMON zwischen 0.000 und 0.500 liegt, den höchsten Gefährdungsstatus kritisch aufweisen. Schweizer Rassen, deren Globalindex zwischen 0.501 und 0.700 zum Liegen kommt sollen den Gefährdungsstatus gefährdet innehaben. Ab einem Globalindex von 0.701 bis 0.900 gilt eine Rasse als nicht gefährdet.
Weiter soll der Subindex «Kyrokonservierung» für die Berechtigung zum Erhalt der Beiträge für
Schweizer Rassen mit dem Status kritisch oder gefährdet nicht in die Berechnungen miteinbezogen werden. Rassen, für die bereits ein Managementplan zur Langzeitlagerung von Kryomaterial existiert, weisen einen höheren Globalindex in GENMON auf als jene Rassen, von denen noch kein Kryomaterial gelagert wird und gelten somit als weniger stark gefährdet. Die bereits vorgenommenen Massnahmen von den betreffenden Organisationen zur ex situ-Erhaltung sollen nicht abgestraft werden.