Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2023/102: 2. Etappe zur Umsetzung der Volksinitiative «Für eine starke Pflege (Pflegeinitiative)»: Bundesgesetz über Arbeitsbedingungen in der Pflege und Änderung des Bundesgesetzes über die Gesundheitsberufe · 56 Seiten

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wuchs bei den diplomierten Pflegefachpersonen (Tertiärstufe) im Zeitraum 2019 – 2029 auf 43’400 Personen und beim Pflege- und Betreuungspersonal mit Sekundarstufe-II-Abschluss auf 27’100 Personen geschätzt wird.

Gegenüber dem Versorgungsbericht von 20169 hat sich dank der intensiven Anstrengungen der letzten Jahre die Lücke zwischen dem prognostizierten Angebot und dem Bedarf zwar deutlich verringert. Zwischen 2012 und 2019 haben die Bestände an Pflege- und Betreuungspersonal um 19% zugenommen (was einem Plus von ca. 29’100 Beschäftigten entspricht). Das seit 2012 beobachtete Wachstum betrifft hauptsächlich die Fachfrauen bzw. Fachmänner Gesundheit (FaGe; +13’800) und in etwas geringerem Masse die diplomierten Pflegefachpersonen (+10’700). Die Zahl der Abschlüsse konnte in dieser Zeit auf allen Qualifikationsstufen deutlich gesteigert werden: auf Sekundarstufe II von 4’000 auf 6’200, auf Tertiärstufe von 1’800 auf 3’000. Trotz dem positiven Trend bei den Ausbildungsabschlüssen (siehe auch Kapitel 1.5) kann der künftige Bedarf an Pflegepersonal damit gemäss den Prognosemodellen nur teilweise gedeckt werden: Bei Pflegefachpersonen mit Tertiärabschluss zu 67% und bei Pflege- und Betreuungspersonen auf Sekundarstufe II zu 80%10. Dieser Feststellung trägt die 1. Etappe zur Umsetzung der Pflegeinitiative Rechnung, in dem die Anzahl der Abschlüsse durch die Ausbildungsförderung erhöht werden soll.

Die Förderung der Abschlüsse alleine wird jedoch nicht genügen, um den Personalbedarf zu decken. Denn neben der Ausbildung einer genügenden Anzahl von Personen spielen auch die frühzeitigen Austritte aus dem Pflegeberuf eine wichtige Rolle. So lag der Anteil frühzeitiger Berufsaustritte von Pflegenden zwischen 2016 und 2018 gemäss einer Studie des Obsan11 über alle Ausbildungsniveaus und Altersklassen bei etwa 40% (38% bei Pflegenden ohne formelle Ausbildung, 42% bei Personen mit Ausbildung auf Sekundarstufe II und 43% bei Pflegefachpersonen mit einer Ausbildung auf Tertiärstufe). Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Zahl aktuell tiefer liegt als in der untersuchten Zeitspanne. Frühzeitige Berufsaustritte sind somit einer der Hauptgründe für den Personalmangel im Bereich der Pflege. Zu dieser Schlussfolgerung kommt auch der nationale Versorgungsbericht von 2021, gemäss dem «die Lücke zwischen Angebot und Bedarf […] im Wesentlichen durch die vorzeitigen Berufsaustritte und die Verluste beim Übergang von Ausbildung zum Eintritt in den Arbeitsmarkt» entsteht12. Neben der Anzahl Ausbildungsabschlüssen muss also auch die Berufsverweildauer erhöht werden, um den Bedarf an Pflegepersonal langfristig sicherstellen zu können.

1.4 Gründe für Berufsausstiege und Handlungsspielraum der Akteure bei der Verbes-

serung der Arbeitsbedingungen

Diverse Studien haben sich in der Schweiz mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren die Arbeitszufriedenheit und damit den Entscheid für oder gegen einen Verbleib im Pflegeberuf beeinflussen. Die Gründe für den Verbleib oder den Austritt aus dem Beruf sind vielfältig und individuell, je nach Arbeitsort sowie der Lebens- und Arbeitssituation der einzelnen Person. Die Untersuchungen kamen deshalb nicht immer zu identischen Befunden (vgl. u.a. die Studien

9 www.gdk-cds.ch > Dokumente > Suche: Nationaler Versorgungsbericht für die Gesundheitsberufe 2016

10 Merçay, C., Grünig, A. & Dolder, P. (2021). Gesundheitspersonal in der Schweiz – Nationaler Versorgungsbericht 2021. Bestand, Bedarf, Angebot und Massnahmen zur Personalsicherung (Obsan Bericht 03/2021), S. 72 ff.

11 Lobsiger, M. & Liechti, D. (2021). Berufsaustritte und Bestand von Gesundheitspersonal in der Schweiz. Eine Analyse auf Basis der Strukturerhebungen 2016-2018 (Obsan Bericht 01/2021, S. 7)

12 Merçay, C., Grünig, A. & Dolder, P. (2021). Gesundheitspersonal in der Schweiz – Nationaler Versorgungsbericht 2021. Bestand, Bedarf, Angebot und Massnahmen zur Personalsicherung (Obsan Bericht 03/2021), S. 8. 7/56