Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2023/17: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2025–2028 (Kulturbotschaft) · 110 Seiten
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Die erste Kulturbotschaft 2012–2015 vermittelte eine Gesamtschau über die Aktivitäten der verschiedenen Akteure des Bundes im Kulturbereich. Die zweite Kulturbotschaft 2016–2020 war durch die Ausrichtung der Kulturpolitik des Bundes auf drei langfristige Wirkungszielestärker strategisch orientiert (vgl. sogleich). Die dritte Kulturbotschaft 2021–2024 führte diese Stossrichtung fort und ergänzte sie durch einige inhaltliche Neuerungen (z. B. Einführung einer Talentförderung im Bereich Musik, Integration des Programms «Kultur & Wirtschaft» als Teil der Förderung von Design und Interaktive Medien (Games), Konsolidierung der neuen Baukulturpolitik).
Die kulturelle Teilhabe, der gesellschaftliche Zusammenhalt sowie die Förderung von Kreation und Innovation sind seit dem Jahr 2016 als zentrale Elemente der Kulturpolitik des Bundes etabliert.
– Kulturelle Teilhabe: Als Gesellschaftspolitik verstanden, hat Kulturpolitik die gesamte Bevölkerung und ihr Miteinander im Fokus; kulturelle Teilhabe meint die Teilnahme möglichst vieler am Kulturleben.
– Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Kulturelle und sprachliche Vielfalt prägen unser Land, sein politisches System, seine Werte, Traditionen und Ausdrucksformen. Die Anerkennung der Vielfalt und der Respekt vor Minderheiten sind wichtige Voraussetzungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden in der Schweiz.
– Kreation und Innovation: Kultur wirkt sich positiv auf die Kreativität und Innovationskraft aus. Sie ist ein wichtiges Experimentierlabor für Fragen der Zukunft. Kreativität und Innovation sind zentral für die wirtschaftliche und technologische Entwicklung der Schweiz.
Die Covid-19-Pandemie als Schlüsselmoment
Die Covid-19-Pandemie der Jahre 2020–2022 hat den gesamten Kultursektor vor enorme wirtschaftliche und strukturelle Schwierigkeiten gestellt. Die zur Bekämpfung der Pandemie verordneten sanitarischen Massnahmen führten zeitweise zu einem vollständigen Stillstand des Kulturlebens in der Schweiz. Bundesrat und Parlament reagierten rasch und beschlossen spezifische Unterstützungsleistungen für den Kulturbereich. Der Grossteil der spezifischen Covid-Kulturmassnahmen wurde durch Bund und Kantone je zur Hälfte finanziert. Auch viele Städte, Gemeinden und private Förderinstanzen unterstützten den Kultursektor während der Covid-19-Pandemie mit gezielten Massnahmen.
Die Covid-Krise war ein Schlüsselmoment für die Kultur in der Schweiz: Die Abwesenheit von kulturellen Veranstaltungen hat erstens daran erinnert, wie wichtig der Zugang zu Kultur für das Wohlbefinden des Einzelnen und der Gesellschaft ist. Zweitens deckte die Covid-Krise gewisse Systemschwächen des Kultursektors auf wie die prekäre soziale Sicherheit vieler Kulturschaffender oder die Fragilität grosser Teile der «freien Kulturszene» im Vergleich zu subventionierten Kultureinrichtungen. Schliesslich beschleunigte oder akzentuierte die Covid-Krise bereits bestehende Entwicklungstendenzen wie die Veränderung im Konsumverhalten des Publikums mit einer verstärkten Nachfrage nach Streamingangeboten.5 Drittens zeigte die Covid-Krise auch, wie wichtig und zielführend eine enge Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Ebenen, der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor für eine erfolgreiche Kulturpolitik in der Schweiz ist.
5 Kulturförderung in der Schweiz zu Pandemiezeiten: Erfahrungen und Schlussfolgerungen. Fondation Lombard Odier, Genf 2022.