Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2023/17: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2025–2028 (Kulturbotschaft) · 110 Seiten

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– Erstens ist die Einkommenssituation der Kulturschaffenden zu verbessern, indem Finanzhilfeempfänger auf die angemessene Entschädigung von Kulturschaffenden verpflichtet werden, sofern sie solche beschäftigen.16 Für professionelle Kulturschaffende sollen dabei die Empfehlungen der nationalen Branchenverbände zu Gagen und Honoraren als Anhaltspunkt in Bezug auf die Angemessenheit dienen. Einen wesentlichen Einfluss auf das Einkommen der Kulturschaffenden haben auch die globalen Online-Plattformen und die Möglichkeit der Kunstschaffenden zur ökonomischen Verwertung ihrer Urheberrechte. Diesbezüglich ist die weitere Entwicklung der globalen Streamingplattformen aufmerksam zu verfolgen.

– Zweitens sollte das Sozialversicherungsrecht atypischen Beschäftigungsverhältnissen im Kulturbereich verstärkt Rechnung tragen.

– Drittens sind die unternehmerischen Kompetenzen der Kulturschaffenden in der Aus- und Weiterbildung stärker zu berücksichtigen. Die Beratung der Kulturschaffenden durch ihre Verbände insbesondere zu Themen des Sozialversicherungs- und Arbeitsrechts ist auszubauen.

– Schliesslich ist die Ausbildungssituation, insbesondere die hohe Anzahl von Abgängerinnen und Abgängern kunstorientierter Fachbereiche an den Fachhochschulen zu diskutieren. Dies auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel bei gewissen technischen und hoch spezialisierten Berufen im Kultursektor. Es ist zu thematisieren, wie die Attraktivität von Studienbereichen und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besser in Einklang zu bringen sind.

Die Problematik der angemessenen Entschädigung professioneller Kulturschaffender ist abzugrenzen von der grossen Bedeutung der Freiwilligen im Kultursektor: Ohne den unentgeltlichen Einsatz unzähliger Freiwilliger könnten zahlreiche Kulturveranstaltungen und Kulturprojekte in der Schweiz nicht stattfinden. Die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit ist jedoch nach allgemeiner Einschätzung rückläufig.17 Es braucht auch im Kultursektor eine bessere Wertschätzung der Freiwilligenarbeit sowie ein aktives Management (inklusive Nachwuchswerbung) insbesondere durch die Veranstalter, um das ehrenamtliche Engagement auch in Zukunft sicherzustellen.

Chancengleichheit und Diversität

Wie in anderen Bereichen ist auch in der Kultur die Gleichstellung der Geschlechter noch nicht erreicht. So sind Frauen etwa in den strategischen Leitungsorganen (Trägerschaften) von Kulturbetrieben auf Stufe des Präsidiums noch immer mit einem Anteil von lediglich rund 29 Prozent vertreten.18 Das Einkommensniveau der Frauen liegt im Kultursektor um 17 Prozent tiefer als bei den Männern (entgegen 12% in der Gesamtwirtschaft).19 Zudem ist die Arbeit von Frauen in gewissen Sparten deutlich weniger sichtbar als die ihrer männlichen Kollegen. So weisen Frauen zum Beispiel nur rund 10 Prozent an den gesamten Bühnenauftritten in den Musiksparten Pop/Rock und Jazz auf.20 Insbesondere in technologieorientierten Kulturbereichen sind Frauen im Weiteren häufig unterrepräsentiert (so zum Beispiel in der

16 BBl 2020 3168

17 Markus Lamprecht, Adrian Fischer und Hanspeter Stamm, Freiwilligen-Monitor Schweiz 2020, Zürich und Genf 2020, S. 7-

18 Universität Basel, Zentrum Gender Studies: Geschlechterverhältnisse im Schweizer Kulturbetrieb, Basel 2021, Tabelle 5 im Anhang.

19 Bundesamt für Statistik: Die Kulturwirtschaft in der Schweiz – Kulturbetriebe und Kulturschaffende, Neuenburg 2020, S. 29.

20 Universität Basel, Zentrum Gender Studies: Geschlechterverhältnisse im Schweizer Kulturbetrieb, Basel 2021, Tabelle 9 im Anhang.