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Vernehmlassung 2006/110: Systementscheid bei der Ehepaarbesteuerung · 218 Seiten
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Marktergebnisse verzerrt werden und eine Zusatzlast der Besteuerung (excess burden of taxation) entsteht. Darunter versteht man jene über die Zahllast hinausgehende Wohlfahrtseinbusse, die selbst bei einer erhebungs- und entrichtungskostenfreien Steuer auftritt. Der Zusatzlast kommt bei der Beurteilung von Steuern unter Effizienzgesichtspunkten eine zentrale Rolle zu. Sie fällt umso grösser aus, je besser die Individuen der Steuer ausweichen können. Die Zusatzlast einer Steuer wird dann minimiert, wenn die Steuersätze umgekehrt proportional zu den Elastizitäten85 festgelegt werden86: Individuen mit einer hohen Elastizität des Arbeitsangebots sollten nach dieser Regel einem niedrigeren Grenzsteuersatz unterworfen werden als Individuen mit einer tieferen Arbeitsangebotselastizität.
Empirisch zeigt sich, dass die Elastizitäten der Zweitverdiener grösser sind als diejenigen der Erstverdiener. Für im aktuellen System gemeinsam veranlagte Paare reduziert sich sowohl durch die Individualbesteuerung wie auch durch das Splitting die Grenzsteuerbelastung des Zweiteinkommens, d.h. die Effizienz des Steuersystems gegenüber heute erhöht sich.
Da der Zweitverdiener heute oft weniger verdient als der Erstverdiener, liegt der Grenzsteuersatz für den Zweitverdiener in einem System mit Individualbesteuerung unter sonst gleichbleibenden Prämissen tiefer als in einem Splittingsystem. Die Zusatzlast fällt daher bei der Individualbesteuerung geringer aus, die Individualbesteuerung ist also dem Splittingmodell unter Effizienzgesichtspunkten überlegen.
3.5.1.2 Auswirkungen auf Arbeitsmarktbeteiligung und BIP
Sowohl die Individualbesteuerung als auch das Splitting führen durch tiefere Grenzsteuersätze auf dem Zweitverdienereinkommen zu positiven Arbeitsmarkt- und Wachstumseffekten. Es kann eine Mobilisierung insbesondere der Frauen auf dem Arbeitsmarkt, m it entsprechenden positiven Wachstumswirkungen, erwartet
werden.Bei gleichem steuerbaren Einkommen und vergleichbarer Progressivität fällt in einem System der Individualbesteuerung im Vergleich zu einem Splittingsystem das Marktarbeitsangebot grösser aus, weil die Zweitverdiener, welche hohe Arbeitsangebotselastizitäten aufweisen, bei der Individualbesteuerung tiefer besteuert werden. Für sie wird dadurch eine Erwerbstätigkeit im Vergleich zur Haushaltsproduktion oder Freizeit attraktiver. Sie bieten deshalb mehr Marktarbeit an, wodurch sich das gesamtwirtschaftliche Arbeitsangebot erhöht. Das Marktarbeitsangebot der Erstverdiener bewegt sich hingegen - wenn überhaupt - nur auf einem geringfügig niedrigeren Niveau als im Splittingsystem, weil das Marktarbeitsangebot der Erstverdiener sehr unelastisch ist. Auf Grund des grösseren Arbeitsangebotes resultiert unter der Individualbesteuerung mittelfristig ein höheres BIP als beim Splitting.
Demgegenüber ist der Steuersatz auf den Zweitverdienereinkommen beim Splitting in der Regel höher als bei der Individualbesteuerung. Aus diesem Grund ist die Arbeitsmarktbeteiligung des Zweitverdieners beim Splitting tendenziell tiefer als bei der Individualbesteuerung, was dazu führt, dass die Steuerbasis beim Splitting
85 Eine Elastizität gibt Antwort auf die Frage, um welchen Prozentsatz sich die Variable X (z.B. das Arbeitsangebot) verändert, wenn der Wert der Variablen Y (z.B. der Nettolohn nach Steuern) um 1% zunimmt.
86 RAMSEY F. P., A Contribution to the Theory of Taxation, Economic Journal, 37, 1927, S. 47-61.