Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2006/124: Änderung der Tierseuchenverordnung: Bovine-Virus-Diarrhoe und Blauzungenkrankheit · 9 Seiten
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frühzeitigem Abgang von Zuchttieren und verminderter Mastleistung führen. Die BVD ist zur Zeit eine der am weitesten verbreiteten und verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes und verursacht den Schweizer Landwirten jedes Jahr Einbussen von acht bis neun Millionen Franken.
Klinik und Epidemiologie: Der Zeitpunkt, zu dem ein Rind mit dem Virus in Kontakt kommt, ist für den Verlauf der Krankheit entscheidend. Grundsätzlich wird bei der BVD die akute (vorübergehende) Infektion von der persistenten (während des ganzen Lebens andauernden) Infektion unterschieden.
Die akute Infektion betrifft Tiere jeden Alters und bleibt häufig unbemerkt. Milde Anzeichen von Appetitlosigkeit, leicht erhöhte Körpertemperatur, Durchfall oder Husten können während einigen Tagen beobachtet werden. Zudem können in der Jungtiermast im Zusammenspiel mit anderen Krankheitserregern Komplikationen von Lungen- und Darmkrankheiten auftreten.
Schwerwiegendere Folgen hat es, wenn trächtige Tiere mit dem BVD-Virus in Kontakt kommen. Zwar ist der Verlauf der Infektion bei diesen Tieren nicht anders als bei den nicht trächtigen, aber das Virus kann auf das ungeborene Kalb übergreifen. Abhängig davon, wie weit die Trächtigkeit zum Zeitpunkt der Infektion fortgeschritten ist, hat dies verschiedene Folgen. Erfolgt die Infektion bei einem Tier im ersten oder letzten Drittel der Trächtigkeit, kann es zum Umrinden, zu schweren Missbildungen oder zum Abort der Frucht kommen.
Infektionen im zweiten Drittel der Trächtigkeit können besonders schwerwiegende Folgen haben. In diesem Stadium hat der Fötus sein eigenes Abwehrsystem noch nicht vollständig ausgebildet. Das Virus kann auf ihn übergehen und wird von ihm als ‚körpereigen’ betrachtet. Der Fötus bildet deshalb keine Antikörper und bleibt lebenslänglich mit dem Virus infiziert und scheidet dieses auch permanent aus. Deshalb spricht man bei diesen Tieren auch von persistent (lebenslänglich) infizierten Tieren. Sie sind für die Verbreitung der Krankheit von entscheidender Wichtigkeit, da sie bis zu ihrem Tod täglich Millionen von Viren ausscheiden und so die Krankheit von einem Tierbestand zum anderen bringen. Ein grosser Teil dieser Tiere bleibt im Wachstum zurück und ist anfälliger für Infektionskrankheiten. Es können sich aber auch unter offenbar gesunden Tieren solche Virusträger befinden. Alle persistent infizierten Tiere sterben früher oder später an der Mucosal Disease, der tödlichen Form der BVD, die sich in unstillbarem, blutigem Durchfall zeigt. Nur die wenigsten von ihnen erreichen das Zuchtalter. In diesem Fall sind alle ihre Nachkommen ebenfalls persistent infizierte Virusträger.
Die BVD kann auf unterschiedlichen Wegen in einen Rinderbestand eingeschleppt werden. Häufig wird sie mit den Einstellen persistent infizierter Tiere eingebracht, aber auch Infektionen bei der gemeinsamen Alpung erstträchtiger Rinder, auf Ausstellungen und Tiermärkten kommen in Frage.
Auftreten in der Schweiz: Mehr als die Hälfte aller Kälber, Rinder und Kühe in der Schweiz weisen Abwehrstoffe gegen die BVD auf, das heisst sie hatten irgendeinmal Kontakt mit dem BVD-Virus. Vier von fünf Kühen im Alter von drei Jahren haben eine BVD-Infektion durchgemacht. In der Schweiz gibt es rund 10'000 Virusträger, die die Weiterverbreitung der BVD-Infektion garantieren. Etwa in jedem achten Milchviehbestand steht ein solches verseuchtes Tier.
Ausrottung und Finanzierung: Das Bundesamt für Veterinärwesen hat auf Antrag der Schweizer Rindviehproduzenten ein Konzept zur Ausrottung der BVD ausgearbeitet. Dabei geht es vor allem darum, persistent infizierte (verseuchte) Tiere innerhalb einer kurzen Zeitperiode in der ganzen Schweiz zu entdecken und zu eliminieren. Wichtig ist zudem, dass durch gezielte Sperren verhindert wird, dass Virusstreuer gehandelt werden
Dieses Konzept ist in Zusammenarbeit mit den Branchenorganisationen an Informationsveranstaltungen schweizweit kommuniziert worden und fand bei den Betroffenen breite Unterstützung. Die Schweizer Rindviehproduzenten (SRP) und ihre Mitgliedorganisationen haben denn auch an ihrer Delegiertenversammlungen 2006