Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2008/14: Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes (Präimplantationsdiagnostik) · 74 Seiten

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eingerichtet worden sind. Wie sehr oder für wen deren Voten tatsächlich repräsentativ sind, wäre freilich im Einzelfall zu diskutieren und ist sicher oft schwer zu bestimmen.

Festzustellen ist, dass das Thema PID überall gleichermassen kontrovers diskutiert wird, wobei die zentralen Fragen und Argumente kaum variieren, und nirgends Patentlösungen zu finden sind. So hat beispielsweise der deutsche Nationale Ethikrat, der die Bundesregierung berät, 2003 die Empfehlung zu einer PID-Zulassung (unter Auflagen) gegeben, während die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages ‹Recht und Ethik der modernen Medizin› davor bereits die Beibehaltung des Verbots gefordert hatte. In beiden Gremien verlangen aber auch starke Minderheitsvoten jeweils das Gegenteil.65Die österreichische Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt hat sich 2004 in ihrer Stellungnahme66 einer eindeutigen Empfehlung enthalten, ebenso wie auch das französische Comité Consultatif National d’Ethique pour les Sciences de la Vie et de la Santé.67 Auch der dänische Ethikrat beschränkte sich 2004 auf «a debate outline»68 zum gesamten Bereich der Forschung an Keimzellen und Embryonen, während der niederländische Gezondheidsraad 2006 eine weitreichende Zulassung einschliesslich zum Zweck der HLA-Typisierung in bestimmten Fällen fordert.69 Ebenfalls kommt der schwedische Nationale Rat für Medizinische Ethik zum Schluss, «that the use of the PGD technique should be allowed on a somewhat larger scale than what is permitted in the current guidelines».70 Global gesehen dürfte die verbreitete Skepsis samt den geltenden Verboten insbesondere in den deutschsprachigen Ländern eine Minderheitenposition darstellen.

Auffallend ist ferner, dass in manchen Ländern wie etwa Belgien oder Finnland dem Thema insgesamt weit weniger ethische Brisanz zugemessen wurde und wird als etwa in Frankreich oder Deutschland. In den USA kontrastieren eine sehr liberale Praxis und eine wissenschaftlich-ethische Debatte, die vor allem um Einschränkungen persönlicher Autonomie im Bereich der Fortpflanzung besorgt ist, mit einer sehr kritischen Haltung christlich-konservativer Stimmen.

Auch in der islamischen Welt lässt sich dieselbe Uneinigkeit zwischen Befürwortern und Kritikern beobachten, die entsprechend zu sehr unterschiedlichen religiösen Empfehlungen und staatlichen Regelungen in den einzelnen Ländern führt. Ähnliches gilt für den ostasiatischen Raum. Das Judentum und Israel stehen den

65www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_Genetische-Diagnostik.pdf

(14.01.2008), S. 75. Der Bericht der Enquete-Kommission unter:

http://dip.bundestag.de/btd/14/090/1409020.pdf (14.01.2008).

66«Bei realistischer Betrachtung wird davon auszugehen sein, daß die Bioethikkommission

mit ihrem Bericht zur PID einen bisherigen Meinungsfindungsprozeß sehr sorgfältig aufgearbeitet und verdichtet hat und damit in weiterer Folge einen

Entscheidungsfindungsprozeß angestoßen und begonnen hat, der aber noch Jahre dauern

kann.» www.bka.gv.at/DocView.axd?CobId=7780 (14.01.2008), S. 9.

67 «Il n’est pas dans les intentions du CCNE d’ériger dans ce domaine une doctrine censurante ou permissive qui pourrait toujours être remise en question par les données scientifiques nouvelles, mais plutôt de faire prendre conscience de la gravité des enjeux majeurs (…)» Réflexions sur l’extension du diagnostic préimplantatoire, Avis N°72 - 4 juillet 2002, S. 13. Zugänglich auf www.ccne-ethique.fr/francais/start.htm (14.01.2008).

68 www.etiskraad.dk/graphics/03_udgivelser/engelske_publikationer/moral_ embryo/ engelsk_embryo.pdf (14.01.2008).

69 www.gr.nl/samenvatting.php?ID=1333&highlight=preimplantation (14.01.2008).

70 www.smer.gov.se/index.htm?lang=en&index=0&url=intro.html (14.01.2008).