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Vernehmlassung 2010/28: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2012-2015 (Kulturbotschaft) · 94 Seiten
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Der thematische Schwerpunkt im Bereich «Lebendige Traditionen» unterstreicht die Bedeutung regionaler Besonderheiten und traditioneller Kulturformen für das kulturelle Leben und das künstlerische Schaffen in der Schweiz (Ziff. 1.2.3). Um dem Prinzip der kulturellen Vielfalt strategische Geltung zu verschaffen und neue Publikumsgruppen zu erreichen, müssen die Förderinstrumente auf neue Entwicklungen in der Kulturlandschaft flexibel reagieren können. Die Kulturpolitik des Bundes fasst daher die digitale Kunst und Kultur stärker ins Blickfeld, insbesondere das Phänomen der Computerspiele (Ziff. 2.1.2.1 und 2.2).
– Kulturaustausch und interkultureller Dialog: Die Auseinandersetzung mit
dem Fremden ist eine notwendige Voraussetzung, um die eigene Identität zu formen, zu festigen und zu hinterfragen. In den letzten Jahren ist die Schweizer Gesellschaft vielfältiger geworden. Ethnische Minderheiten haben ihre eigenen kulturellen Traditionen mit- und eingebracht. Dass diese Vielfalt nicht als Gefahr, sondern als Chance wahrgenommen werden kann, ist ein Ziel der Kulturpolitik des Bundes. Das schweizerische Kulturleben beruht auf der Wahrnehmung und Respektierung kultureller Differenzen. Hier liegt sein wesentlicher Beitrag zur Frage der Integration.18
Der kulturelle Austausch im Inland und mit dem Ausland ist eine gesetzliche Aufgabe von Pro Helvetia. Dazu gehört auch die Unterstützung der Volkskultur (Ziff. 2.2). Mit dem Sprachengesetz vom 5. Oktober 200719 (SpG) verfügt der Bund neu über ein Instrument, um den Austausch und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften wirksam zu fördern (Ziff. 2.1.3.1). Mit dem Kulturgütertransfergesetz vom 20. Juni 200320 (KGTG) unterstützt er den nachhaltigen internationalen Austausch von Kulturgut und trägt damit zur Bereicherung des kulturellen Lebens und zur gegenseitigen Achtung bei (Ziff. 2.1.1.2).
– Zugang zur Kultur: Der aktive und passive Zugang zu Kunst und Kultur ist
ein wichtiges Instrument sozialer Integration und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe (vgl. Ziff. 1.1.1.2). Die Schweiz ist zu Recht stolz auf ihre reich entwickelte kulturelle Infrastruktur. Rund die Hälfte der Bevölkerung macht von diesem Angebot jedoch keinen Gebrauch. Verantwortlich dafür sind unter anderem Informationsdefizite.21
Die Kulturpolitik des Bundes erhebt nicht den Anspruch, jedermann für die Hochkultur zu gewinnen. Sie setzt sich jedoch zum Ziel, im Sinne der Chancengleichheit allen sozialen Gruppen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, den Zugang zu einem vielfältigen Spektrum kultureller Ausdrucksformen zu eröffnen. Leseförderung (Ziff. 2.1.3.3) und die Förderung
18 Vgl. Daniel Fueter, Geleitwort, in: Schweizer Koalition für die kulturelle Vielfalt / Schweizerische UNESCO-Kommission (Hg.): Kulturelle Vielfalt – mehr als nur ein Slogan, Bern/Zürich 2009.
19 SR 441.1
20 SR 444.1
21 Vgl. Bundesamt für Statistik: Kulturverhalten in der Schweiz: Erhebung 2008, erste Ergebnisse, Neuchâtel 2009. Gemäss dieser Studie sind Ausbildungsniveau und Einkommen die zwei Variablen mit dem stärksten Einfluss auf das Kulturverhalten. In diesem Zusammenhang ist auch auf das Schwinden der Kulturberichterstattung in den Medien hinzuweisen.