Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2010/63: Änderung des Bankengesetzes (too big to fail, TBTF) · 73 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 59Fedlex · Erläuternder Bericht

dass in Bezug auf die Höhe der Übergangskosten hinreichend lange Übergangsfristen von Vorteil sind.

3.3.2 Auswirkungen der Eigenmittel- und Liquiditätsanforderungen Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind abhängig davon, wie die Banken auf die Änderungen der Eigenmittel- und Liquiditätsanforderungen gemäss Artikel 9 BankG reagieren. Um die neuen Anforderungen umzusetzen, können Banken verschiedene Strategien wählen.

3.3.2.1 Internationale Studien Der volkswirtschaftliche Nutzen von höheren Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften wird in internationalen Studien über Auswirkungen strengerer Kapital- und Liquiditätsvorschriften auf die Volkswirtschaft dargelegt.18 Diese Studien betrachten eine „durchschnittliche“ internationale Bank in einem „durchschnittlichen“ Land.19 Die Ergebnisse lassen sich einfach zusammenfassen: Langfristig ist der volkswirtschaftliche Nutzen der vorgeschlagenen Massnahmen (höhere risikogewichtete Eigenmittelquoten und strengere Definition von Eigenmitteln) deutlich höher als die – vor allem in der Übergangsphase – entstehenden Kosten. In den internationalen Studien wird der volkswirtschaftliche Nutzen strengerer regulatorischer Vorschriften daran gemessen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krise umso geringer wird, je höher die Kapital- und Liquiditätsvorschriften sind. Eine Bankenkrise führt durch die negativen Folgen für die Realwirtschaft zu einer starken Senkung des Bruttoinlandsprodukts. Die Arbeitslosigkeit steigt markant. Die Rückkehr zu einem „normalen“ Wachstumspfad beansprucht einen langen Zeitraum. Dies bedeutet, dass die reduzierte Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Krise

18 Der Basler Ausschuss und das Financial Stability Board (FSB) haben zwei Studien zu den volkswirtschaftlichen Nutzen und Kosten strengerer Kapital- und Liquiditätsvorschriften

vorgestellt. Eine Studie ermittelt den langfristigen Nettonutzen strengerer Kapital- und

Liquiditätsvorschriften (An assessment of the long-term economic impact of stronger capital and liquidity requirements. Basle Committee on Banking Supervision, August 2010 (LEI-Report)). Die zweite Studie, bei der die SNB aktiv mitarbeitete, konzentriert sich auf die

volkswirtschaftlichen Kosten während der Einführungsphase strengerer Kapital- und

Liquiditätsstandards (Assessing the macroeconomic impact of the transitionto stronger capital and liquidity requirements, Interim Report Macroeconomic Assessment Group (MAG)

established by Financial Stability Board and Basle Committee on Banking Supervision, August 2010.

19 Die in den internationalen Studien verwendeten Modelle konnten aufgrund mangelnder

Verfügbarkeit von bestimmten Daten nicht sinnvoll für die Schweiz angewendet werden. Das Institute for International Finance (IIF), eine Organisation international tätiger Banken, hat in seiner Studie „Impact on the Swiss Economy of Proposed Regulatory Reforms of the Banking Industry“ die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der erhöhten Kapitalanforderungen von Basel II zu Basel III (gemäss Vorschläge Dezember 2009) über den Zeitraum von 2010 bis 2020 betrachtet. Dabei gelangt die Studie zu den Ergebnissen, dass sich bis 2015 das BIP der Schweiz um -2,6% reduzieren und rund 120„000 Arbeitsplätze in der Schweiz verloren gehen sollen. Das verwendete makroökonomische Modell, die inzwischen veralteten Parameter gemäss Basel III und die fehlende Berücksichtigung dämpfender oder gar positiver Elemente lassen die Resultate jedoch wenig realistisch erscheinen.