Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2011/114: Genehmigung und Umsetzung des Übereinkommens des Europarates über die Fälschung von Arzneimitteln und Medizinprodukten und über ähnliche die öffentliche Gesundheit gefährdende Straftaten (Medicrime Konvention) · 52 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 6Fedlex · Erläuternder Bericht
Auch wenn diese nicht immer für den Schweizer Markt bestimmt sind, tauchen auch in der Schweiz häufig gefälschte Heilmittel auf. So wurden z.B. im Februar 2010 bei einer Zollkontrolle in Genf über 17 000 Packungen gefälschter Medikamente gegen Thrombose und Schizophrenie sichergestellt6. Im Frühling 2008 wurden in Bern acht Tonnen gefälschte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel beschlagnahmt, deren Warenwert auf 11 Millionen Franken geschätzt wurde. Diese Produkte, welche Anabolika, Potenzmittel und Schlankheitspillen umfassten, wurden von 2002 bis 2008 von Bern aus vertrieben7. Im Frühling 2012 tauchte in den USA ein gefälschtes Krebsmedikament ohne Wirkstoff in der legalen Versorgungskette auf. Die Spuren zur Quelle verliefen durch mehrere Länder, darunter auch die Schweiz, wo das Medikament aber nicht in den Handel kam.
In der Schweiz haben die Behörden nach einer Zunahme der illegalen Arzneiimporte über mehrere Jahre (687 beschlagnahmte Arzneimittelsendungen im Jahr 2008 gegenüber 1852 im Jahr 2010) zwischen 2010 und 2012 einen deutlichen Rückgang um etwa 42% festgestellt (2012: 1070 abgefangene Sendungen). Laut Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut (Institut) ist diese Abnahme auf Sensibilisierungskampagnen in der Bevölkerung sowie auf die abschreckende Wirkung der vom Institut eröffneten Verwaltungs- und Strafverfahren zurückzuführen. Die Zahl dieser Strafverfolgungen nahm in den letzten Jahren nämlich stetig zu (31 Verfahren im Jahr 2012 gegenüber 17 im Jahr 2010). Es kommt auch immer häufiger vor, dass die Herkunft der Produkte falsch deklariert wird. Dabei wird angegeben, dass die Produkte aus Westeuropa stammen; in Tat und Wahrheit handelt es sich aber um qualitativ schlechte Imitate aus Asien8. Es wird geschätzt, dass heute jährlich etwa 20 000 illegale Sendungen in der Schweiz ankommen9.
Fälschungen von Arzneimitteln umfassen ein breites Spektrum: Es reicht von Präparaten, die wie das Original aussehen und gekennzeichnet sind und auch die korrekten Wirkstoffe enthalten, aber nicht vom behördlich bewilligten Hersteller produziert werden, über Präparate, die keinen Wirkstoff oder weniger als deklariert enthalten bis hin zu Präparaten, die gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten. Allen gemeinsam ist eine Täuschung bezüglich des Inhalts, der Aufmachung oder der Herkunft. Die Fälschungen betreffen nicht nur sogenannte Lifestyle-Medikamente wie Potenzförderer, Schlankheits- oder Haarwuchsmittel, sondern auch lebensrettende Arzneimittel wie z.B. Antibiotika, Antimalaria-Präparate oder Medikamente gegen Tuberkulose und HIV/AIDS. Gerade bei unterdosierten Antibiotika und Antimalaria-Arzneimitteln zeigt sich, dass durch Fälschungen nicht nur das Leben einer einzelnen Person, sondern durch die Entwicklung von Resistenzen auch die öffentliche Gesundheit in Gefahr ist. Offensichtlich sind auch die Risiken für Patientinnen und Patienten mit einer fortschreitenden Krankheit wie Krebs oder Hepatitis, wenn unwirksame Präparate eingenommen werden.
Auch im schweizerischen Parlament wurde das Thema der Arzneimittelfälschung aufgenommen und am 30. Mai 2011 die Motion Parmelin «Härtere Sanktionen für
6 http://www.tdg.ch/geneve/actu/17-000-boites-faux-medicaments-saisies-geneve-2010-02- 10.
7 http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Acht-Tonnen-gefaehrliche-Pillenfabriziert/story/16393380.
8 Mitteilung von Swissmedic vom 16.5.2013: Illegale Arzneimittelimporte: Massnahmen von Swissmedic zeigen Wirkung, , http://www.swissmedic.ch/aktuell/00003/02385/index.html?lang=de.
9 http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&msg-id=49497