Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2011/84: Revision der Eigenmittelverordnung (ERV; Basel III) · 87 Seiten
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10 Wirtschaftliche Auswirkungen von Basel III
10.1 Ausgangslage und gängige Modelle zur Beurteilung der Regulierungsfolgen für die Schweiz
Der Regulierungsvorschlag Basel III entfaltet bei einer materiellen Wirkung für die Banken Rückwirkungen für die gesamte Volkswirtschaft. Durch die geplante Regulierung sollen mit Hilfe von strengeren Kapitalanforderungen die Banken langfristig stabiler werden, indem sie ihre Verlusttragfähigkeit verbessern. Dem langfristig erzielbaren volkswirtschaftlichen Nutzen durch die geringere Wahrscheinlichkeit und Stärke von Bankenkrisen, stehen die tendenziell kurzfristigen Kosten der neuen Regulierung gegenüber. Diese Kosten verteuern in der Tendenz das Kreditangebot, was unter Umständen in Nachteilen für potenzielle Wirtschaftswachstum sowie das BIP und die Beschäftigung resultieren kann. Zur ökonomischen Beurteilung dieser Effekte, werden in Modellen die Kosten der höheren Kapital- und Liquiditätsanforderungen dem volkswirtschaftlichen Nutzen durch eine geringere Frequenz und Stärke der von Banken ausgelösten Finanz- und Wirtschaftskrisen gegenübergestellt. Die internationale Diskussion wird von dem Modell der vom Financial Stability Board (FSB) sowie dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) beauftragten Macroeconomic Assessment Group (MAG) bzw. der Long-Term Economic Impact Group (LEI) sowie andererseits von den Modellüberlegungen des Institute of International Finance (IIF) als Vertretung der Banken dominiert.
Beide Modelle sind zwar für eine abstrakte Beurteilung der generellen Wirkungen der Basel III Regulierung konzipiert, sie erlauben jedoch unter Berücksichtigung der im internationalen Vergleich speziellen Strukturen des Schweizer Bankenmarktes übertragbare qualitative Aussagen zu den Wirkungen der Regulierung. Nach auf Basis der MAG/LEI-Modellen angestellten Überlegungen für die Schweiz, dürfte der Nutzen eines langfristig stabileren Finanzmarktes die angesichts der ausreichenden Übergangsfristen tendenziell kurzfristigen Kosten der Basel III-Regulierungsreform erheblich übersteigen. Die schweizerischen Wirkungsstudien (vgl. Abschnitt 9) zeigen, dass die überwältigende Mehrheit der Banken bereits heute – selbst bei vollständiger Anwendung der Basel III Vorgaben – über Eigenmittelausstattungen verfügen, die deutlich oberhalb der kritischen Basel-III-Schwellenwerte liegen. Eine allfällige, infolge restringierender Eigenmittelvorgaben induzierte Kreditknappheit kann nicht postuliert werden.
Die Theorie verfügt für die Untersuchung der geplanten Regulierungsreformen über kein allgemein anerkanntes Modell. Die MAG stützt ihre Analyse auf eine Untersuchung der Wirkungen der Regulierungsreformen auf Kreditvolumen und Kreditkosten mit Hilfe von Bank- und Bankensystemmodellen sowie Kapitalkostenmodellen. Diese Ergebnisse dienen als Input in makroökonomische Modelle, um die Wirkungen auf das BIP und Wirtschaftswachstum zu erkennen. Die LEI-Gruppe folgte ebenfalls diesem Ansatz unter teilweiser Verwendung gleicher Modelle. Sie errechnet auf Basis der historischen Krisen die Kosten von Bankkonkursen und systemischen Krisen (Wahrscheinlichkeit und Ausmass einer Krise) und vergleicht diese mit den Kosten einer strengeren Regulierung. Unter der Annahme, dass eine verbesserte Verlustabsorption der Banken die Wahrscheinlichkeit und die Folgen künftiger Krisen deutlich verringert, ergibt sich ein ökonomischer Vorteil in Höhe des bisher durch Krisen verlorenen BIPs. Zusätzlich profitiert die gesamte Volkswirtschaft von einer weniger zyklischen Volatilität im Bankensektor durch einen Rückgang der Ausschläge von Konjunkturzyklen, zum Beispiel indem zur Kapazitätsanpassung weniger Entlassungen erforderlich werden. Die Analysen kommen zum Ergebnis, dass die Regulierungsreformen für eine Übergangszeit zwar höhere Kosten verursacht, indem Banken versuchen die Regulierungsanforderungen durch höhere Kreditkosten auf die Volkswirtschaft zu überwälzen. Substantielle Auswirkungen auf das BIP-Trendwachstum sind jedoch nicht zu erwarten. Die beiden Studien von MAG und LEI basieren auf den Ergebnissen einer Wirkungsstudie des Basler Bankenausschusses vom Dezember 2009, nach der die international aktiven Grossbanken eine durchschnittliche CET1-Kapitalquote von 5.7% hatten. Die Mehrzahl der kleineren Banken verfügt über eine deutlich bessere Kapitalausstattung, so dass die Anpassungsreaktionen dort geringer sein werden.
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