Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2011/84: Revision der Eigenmittelverordnung (ERV; Basel III) · 87 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 76Fedlex · Erläuternder Bericht

10.2 Die Beurteilung der Regulierungsfolgen durch Financial Stability Board (FSB) und Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS)

56

Zur Abschätzung der Folgen wurde regulierungsseitig 2010 mit dem Bericht der LEI-Gruppe zu den

57

langfristigen Folgen und Vorteilen strengerer Kapital- und Liquiditätsanforderungen , sowie mit einer

5859

Analyse der MAG zu den Folgen des Überganges zu einer verschärften Regulierung Stellung genommen. Während sich die MAG mit den Folgen des Reformübergangs, d.h. den Kosten der Implementierung auseinandersetzt, untersucht die LEI-Gruppe die langfristigen Auswirkungen der Regulierungsreform durch einen statischen vorher-nachher Vergleich anhand eines langfristigen Gleichgewichtsmodells. Dabei berücksichtigt sie neben den Kosten auch die Vorteile für die Volkswirtschaft durch eine verbesserte Finanzmarktstabilität und ein kontinuierlicheres Wirtschaftswachstum, d.h. eine konstant höhere Beschäftigung und Einkommen. Nach den Überlegungen der MAG führen die steigenden Kapitalanforderungen während einer Übergangsphase zu höheren Kapitalkosten der Banken, die als Folge ihr Kreditangebot reduzieren, bzw. versuchen, die Kosten auf die Kreditnehmer zu überwälzen. Beides könnte das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft durch ein Kreditangebotsdefizit bzw. teurere Kredite beeinträchtigen. Die MAG untersucht daher zusätzlich alternative Implementierungsstrategien und Übergangszeiträume zur Optimierung von Kosten und Nutzen der Reformen.

In dem Hauptszenario kommt die MAG bei einer vierjährigen Übergangsphase je Prozentpunkt höhere

60 Kapitalanforderungen zu einem BIP-Rückgang gegenüber dem Basisszenario von 0.17 bis 0.19% in der Spitze nach viereinhalb Jahren mit einer anschliessenden Angleichung zum Basisszenario. Im Zeitverlauf steigen die Kreditkosten im Median um 0.15%, das Kreditvolumen geht um 1.4% zurück. Dies sind bei den unter Basel III diskutierten Anpassungen insgesamt für die Übergangszeit moderate Auswirkungen auf die Volkswirtschaft bzw. das BIP. Eine über die bereits in Basel III vorgesehene Übergangsfrist hinaus gehende, zusätzliche Ausweitung von Übergangsfristen beeinflusst das Ergebnis nur marginal. Nach dem LEI-Report profitiert eine Volkswirtschaft langfristig in substantiellen Masse von den Regulierungsreformen und der damit einhergehenden zusätzlichen Finanzmarktstabilität, indem die hohen Kosten von Finanz- und Wirtschaftskrisen in Form von Abschreibungen, Verlusten, Entlassungen, Arbeitslosigkeit, Steuerausfällen, Fiskalprogrammen, Staatsschulden usw. vermieden werden. Mit einer erwarteten Krisenwahrscheinlichkeit von 4 bis 5% (das heisst im Schnitt alle 20 bis 25 Jahre), errechnet die LEI-Gruppe einen kumulierten diskontierten Outputverlust von 60% durch eine Krise. Eine ein-prozentige Kapitalverbesserung von 7 auf 8% bietet bereits eine Verringerung der

61

Krisenwahrscheinlichkeit um 1.5%, bzw. eine deutliche Verbesserung des BIP . Mit zunehmenden Kapitalanforderungen fällt zwar der Grenznutzen weiterer Anforderungen, so dass bei einer Steigerung von 10 auf 11% die Krisenwahrscheinlichkeit in dem Modell nur noch um 0.5% sinkt. Dennoch steigert auch auf diesem Niveau noch jeder zusätzliche Prozentpunkt Kapital den Nutzen für die

62

Volkswirtschaft .

10.3 Die Beurteilung der Regulierungsfolgen durch die Banken anhand des IIF- Modells63

Der IIF als internationaler Verband des Finanzsektors errechnet die aggregierten realwirtschaftlichen Auswirkungen infolge der Basler Eigenmittelverschärfungen und Liquiditätsregulierungen anhand ei-

56 Unter der Leitung von Thomas Huertas (UK FSA) und Claudio Borio (BIS). 57 BIS, An assessment of the long-term economic impact of stronger capital and liquidity requirements, 18. August 2010. 58 Unter der Leitung des BIS Chefökonomen Stephen Cecchetti. 59 BIS, Assessing the macroeconomic impact of the transition to stronger capital and liquidity requirements - Interim Report, 18.08.2010, sowie BIS, Assessing the macroeconomic impact of the transition to stronger capital and liquidity requirements - Final report, 17. Dezember 2010. 60 Angaben im Final Report, im Interim Report bis zu 0.19%. 61 BIS, An assessment of the long-term economic impact of stronger capital and liquidity requirements, 18. August 2010, S. 3 ff. 62 Vergleiche hierzu auch die Aussagen der Regulierungsfolgeabschätzung zur Änderung des Bankengesetzes (too big to fail), vom 31.03.2011, S. 21 ff. 63 Institute of International Finance (IIF) / 76/87