Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2012/44: Entsorgungsprogramm und Umgang mit den Empfehlungen in den Gutachten und Stellungnahmen zum Entsorgungsnachweis · 84 Seiten

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Stellungnahmen zum Entsorgungsprogramm

raum von bis zu 1 Million Jahren in der Nordschweiz grosse Erdbeben ereignen können. Deshalb muss die Nagra aufzeigen, dass die verschlossenen und eingelagerten radioaktiven Abfälle im Falle eines grossen Erdbebens keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen, d. h. dass auch im ungünstigsten Fall eines oder mehrerer grosser Erdbeben die Schutzziele erreicht werden.

Durch das schrittweise Vorgehen bei der Realisierung der Tiefenlager können und müssen neue Erkenntnisse im Bereich der Erdbebenforschung bis zum Verschluss des geologischen Tiefenlagers einfliessen. Die Nagra und das ENSI werden sich dabei neben der kontinuierlichen instrumentellen Datenaufnahme und Datenaufarbeitung für historische und geologische Zeiträume in der Schweiz und Umgebung auch auf weltweite Erfahrungen und Beobachtungen sowie weltweite Entwicklungen im Bereich der Modellierung von Erdbebenprozessen abstützen. Experimente zu seismischem Monitoring werden zurzeit unter der Leitung des Bundesamtes für Landestopografie (swisstopo) am Felslabor Mont Terri durchgeführt; diese werden weitere wichtige Hinweise liefern. Das ENSI steht ausserdem in engem Kontakt mit der seit 2011 am Schweizerischen Erdbebendienst (SED) etablierten Expertengruppe Starkbeben, um sich regelmässig über den aktuellen Stand der Forschung zu informieren.

Neotektonik und Erosion

In ihrer Stellungnahme verlangt die AG SiKa/KES ergänzende geologische Felduntersuchungen zu den dynamischen Eigenschaften des Gebirges, konkret zu Neotektonik und Erosion. Dabei anerkennt die AG SiKa/KES, dass die Nagra bereits ergänzende Arbeiten ausgeführt hat, bemerkt zugleich aber kritisch, dass heute noch keine Ergebnisse zu diesen ergänzenden Untersuchungen vorlägen.

Würdigung

Zur Abschätzung, wie stark die Erosion über einen Zeitraum von einer Million Jahre wirksam ist, werden Beobachtungen zu Erosionsraten über vergleichbare oder grössere Zeiträume in der Vergangenheit herangezogen. Die von der Nagra in den generischen Sicherheitsbetrachtungen der Etappe 1 verwendeten Erosionsraten sind durch Beobachtungen und geologische Daten gestützt und wurden durch das ENSI bestätigt. Für Etappe 2 hat die Nagra ergänzende Datenerhebungen, Betrachtungen und Modellierungen angekündigt, die seitens ENSI durch zusätzliche Forderungen ergänzt worden sind.

Grundsätzlich ist zwischen kurzfristigen lokalen und langfristigen (über-)regionalen Prozessen zu unterscheiden. Die kurzfristigen lokalen Erosionsprozesse sind mit den Klimabedingungen und Eiszeiten verbunden. Die langfristige Erosion wird in der Nordschweiz mehrheitlich durch die im Durchschnitt geringen Hebungsraten (0.1 mm pro Jahr) und geodynamische Prozesse (Alpenbildung, Isostasie) bestimmt. Flussläufe schneiden sich mit in etwa der gleichen Rate in den Untergrund ein und mit Verzögerung folgt auch der Abtrag der Flächen zwischen den Flussläufen. Solche Erosionsraten verursachen über den Nachweiszeitraum von einer Million Jahre eine beschränkte Abtragung in der Grössenordnung von 100 Metern (d. h. weit weniger als die vorgesehene Tiefenlage eines Lagers). Aufgrund der beschränkten flächenhaften Erosionsraten in den nordschweizerischen Standortgebieten ist eine grössere Tiefenlage zum Schutz vor Erosion nicht erforderlich. Die flächenhafte Erosion ist in der Nordschweiz und damit in allen geologischen Standortgebieten der Nordschweiz gleich. Somit ist sie für die Standortauswahl in den Etappen 2 und 3 nicht entscheidend. Die seitens KNS eingebrachte Vermutung über fünfmal höhere Erosionsraten konnte fachlich entkräftet werden (vgl. ENSI AN-7411).

4.5.7.3 Langfristige Nutzungskonflikte

Die konkurrierenden Nutzungen im Untergrund, insbesondere Geothermie und Tiefenlagerung, werden von mehreren Stellungnehmenden angesprochen. Um einem möglichen zukünftigen Nutzungskonflikt vorzubeugen, befürwortet der Kanton TG die Ausweisung von potentiellen Vorranggebieten für Tiefengeothermie im Zuge der Festlegung des Tiefenlagers und der Zugangsbauwerke. Die Ge-