Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2017/83: Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager · 202 Seiten
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Sachplan geologische Tiefenlager
Die Nagra hat Berechnungen zum Radionuklidtransport entlang von Zugangsbauwerken durchgeführt.170 Es zeigte sich, dass das behördliche Schutzkriterium von 0,1 mSv/a auch für ungünstige Parameterwerte für die hydraulischen Eigenschaften der Versiegelungsbauwerke eingehalten wurde. Die Modelle zeigten auf, dass der maximal mögliche Fluss entlang der Zugangsbauwerke bei einer Erhöhung der hydraulischen Durchlässigkeiten nicht beliebig weiter ansteigt. Auch Berechnungen der ETH171 zum Wasserfluss durch das Tiefenlager bestätigen die Resultate der Nagra. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse sowie der Prüfung der in Etappe 2 verwendeten Modellkonzepte beurteilt das ENSI die Betrachtungen der Nagra in Etappe 2 als plausibel.
Krebsrisiko im Umfeld von Kernanlagen: Es gibt diverse publizierte Arbeiten, aus denen ein erhöhtes Krebs- oder Leukämierisiko, besonders bei Kindern in der Umgebung von KKW, abgeleitet wurde.172 Keine kann aber einen direkten Zusammenhang mit den in der Umgebung der Anlagen gemessenen oder gerechneten Dosen nachweisen. Neben Kernanlagen gibt es weitere mögliche Ursachen für Krebs oder Leukämie im Kindesalter. Für die Schweiz existiert ein gesamtschweizerisches Kinderkrebsregister. Ein analoges System für Erwachsene, welches zumindest alle Standortregionen abdeckt, gibt es noch nicht. Allerdings wäre es auch mit einem solchen Register schwierig, Kausalitäten abzuleiten und Kompensationszahlungen zu begründen.
3.5.9 Äussere Bedrohungen durch Flugzeugabsturz und Terrorismus
Hohentengen, Lauchringen und Lottstetten geben zu bedenken, dass der Bevölkerung nicht zu vermitteln sei, wie eine sicherheitstechnisch sensible OFA – insbesondere eine solche mit einer BEVA – in einer Einflugschneise zum Flughafen Zürich gebaut werden kann. Lauchringen ergänzt, dass sich die betroffene Bevölkerung nicht zuletzt aufgrund der Belastungen aus der starken Frequentierung dieser Einflugschneise der Gefahren sehr bewusst sei. Dettighofen kritisiert, dem Wachstum des Flughafens Zürich werde bei den sicherheitstechnischen Aussagen zur Platzierung der OFA keine wesentliche Beachtung geschenkt. Lauchringen fordert eine gründliche Revision der Standorte für nukleare OFA. Zunächst müssten aber alle sicherheitstechnischen und sonstigen Untersuchungen durchgeführt werden.
Die ÖDP Waldshut hält aus Sicherheitsüberlegungen das Lagerkonzept hinsichtlich der Gefahren durch terroristische Anschläge für nicht geeignet. Aufgrund der Lage in der Einflugschneise zum Flughafen Zürich müssten bestehende und geplante Atomanlagen einer Überprüfung der Verletzlichkeit bei Flugzeugabstürzen unterzogen werden. Die Grünen Glattfelden-Rafzerfeld und mehrere Einzelpersonen bemängeln die Platzierung der OFA-Standorte NL-2 und NL-6 bzw. empfinden die Planung solcher Standorte mit BEVA in einer Hauptanflugschneise als unverantwortlich. Das BFE negiere die Gefahr durch Flugzeugabstürze (Grüne Glattfelden-Rafzerfeld). B90/Grüne Waldshut fragt insbesondere für NL-2 nach geeigneten baulichen Vorkehrungen zur Vermeidung von Gefahren, welche vom Flugverkehr ausgehen würden. Die ZoA ergänzt die Absturzgefahr von Flugzeugen auch für deren Abflug.
170 NTB 14-10 «Modelling of Radionuclide Transport along the Underground Access Structures of Deep Geological Repositories».
171 Fidelibus C., Löw S. (2004): Re-evaluation of selected hydro-mechanical processes in the near field of a potential nuclear waste repository in the Zürcher Weinland, Switzerland. Expert Report, HSK 35/95, ETH Zürich.
172 Etwa die Studie «Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken» (KiKK-Studie) aus Deutschland bei der in einem Abstand von etwa 5 km um die Anlagen ein signifikant höheres Auftreten von Krebserkrankungen erfasst wurde: Bundesamt für Strahlenschutz (Hrsg.) 2007: Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken - (KiKK-Studie). Salzgitter. Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse anhand der Studie nicht erklärbar sind. Eine analoge Studie in der Schweiz, «Childhood cancer and nuclear power plants in Switzerland» (CANUPIS), hat keine Häufungen um die Kernanlagen gezeigt: Spycher, Ben D. et al. (2011): Childhood cancer and nuclear power plants in Switzerland. A census-based cohort study. In: International Journal of Epidemiology 40, Nr. 5, S. 1247-1260.