Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2018/52: Änderung der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) (Kostenneutralität und Pflegebedarfsermittlung) · 63 Seiten

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Organisationen des Gesundheitswesens – Leistungserbringer

Die IG Pflegefinanzierung ist der Auffassung, dass die Förderung der Strategie des Bundes «ambulant vor stationär im Spitalbereich» zu mehr ambulanten Eingriffen führen wird.

Spitex Schweiz, AFAS, AVASAD, Spitex Bregaglia, SACD, FAS, GVCMS, pharmaSuisse, Spitex Verband Aargau, SXBS, SVBL, Spitex Kanton Bern, Spitex OW, Spitex Region

Arth-Goldau, Spitex Region Einsiedeln Ybrig Alpthal, Spitex Schaffhausen, Spitex Sattel-Rothenthurm, SKSZ, SVKS, Spitex Verband SG/AR/AI, Spitex Verband Thurgau, Spitex Uri, SPXZG und SVKZ argumentieren, dass seit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung und somit auch im Zeitraum der Berechnung der Kostenneutralität der Beiträge die Nachfrage nach ambulanten Pflegeleistungen aufgrund der Strategie der Kantone «ambulant vor stationär» und bedingt durch gesellschaftliche Entwicklungen (mehr Single-Haushalte, Individualität, etc.) stark zugenommen habe. Parallel dazu sei in Kongruenz zu den verschiedenen Strategien des Bundes und der Kantone auch der Bedarf an speziellen Pflegeangeboten weiter stark gewachsen: Palliative Care, Demenzpflege, Psychiatriepflege, Onkologiepflege, Kinderspitex, Wochenend- und Nachtdienste. Diese Leistungen seien teurer als «herkömmliche, einfache» Pflegeleistungen. Mit einer Zunahme dieser Entwicklung sei auch künftig zu rechnen (Nationales Forschungsprogramm «Lebensende», NFP 67, oder das Postulat 18.3384 der SGK-SR «Bessere Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende»). Für diese Leistungen müsse Personal mit Zusatzausbildung eingesetzt und spezielle Hilfsmittel verwendet werden. Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklung komme es zu einer Kostenverschiebung vom stationären zum ambulanten Bereich. Stark zunehmend sei seit 2011 ebenfalls der Bedarf an 24h-Dienstleistungen und Notfalldiensten. Teilweise sei der Bedarf ebenfalls an spezialisierte Angebote gekoppelt (Palliative Care, Kinderspitex). Andererseits würden aber auch sich verändernde Betreuungssituationen zu diesem Mehrbedarf beitragen.

Nach Ansicht der ASPS würde die vorgesehene Senkung der Beiträge der ambulanten Pflege die heute bereits unterfinanzierte Spitex weiter schwächen und damit auch die Strategie ambulant vor stationär.

Der Spitex Verband Thurgau betont, dass der Kanton Thurgau die starke Zunahme der Nachfrage an ambulanten Leistungen in seiner Pflegeheimplanung von 2016 ausdrücklich postuliert und als Zielsetzung festhält, Klientinnen und Klienten mit tiefen Pflegeeinstufungen vermehrt im ambulanten Setting betreuen zu lassen und die Zahl der Pflegeheimbetten entsprechend darauf auszurichten.

Laut H+ und die unimedsuisse widerspräche die Senkung der Spitexbeiträge dem bundesrätlichen Ziel, die integrierten und damit auch ambulanten Leistungen zu fördern.

Psy moos betont, dass die ambulante Versorgung kostengünstiger sei als die stationäre. Der präventive Ansatz der ambulanten Versorgung verhindere unnötige Kosten. Damit würden mit den Massnahmen vor Ort insbesondere in der ambulanten psychiatrischen Pflege den kostenintensiven Behandlungen entgegengewirkt. Die ambulante Pflege sei ein eigenständiges Fachgebiet und könne nur von kompetenten und gut ausgebildeten Fachpersonen wahrgenommen werden. Die Pflege zu Hause ermögliche den Betroffenen mit ihren Einschränkungen klar zu kommen und keine teure Medizin zu verbrauchen. Die Abgrenzung zu den Ärzten sei offensichtlich, da die Ärzte die Behandlung von Krankheiten im Blick hätten. Die ambulante Pflege orientiere sich auch am Umgang mit Einschränkungen und an der Prävention von zusätzlichen behandlungsbedürftigen Erkrankungen. Mit der Beratung der Betroffenen liessen sich die stationären Behandlungen erheblich reduzieren. Dies bei Kosten von 125 CHF pro Woche gegenüber einem Kliniktag von 600 CHF oder mehr. Hauptsächliches Ziel der ambulanten psychiatrischen Pflege sei es, bei vorwiegend chronischen Krankheitsverläufen, die Situation zu Hause zu stabilisieren, Krisenmanagement und Netzwerke zu installieren und so die Betroffenen aus diesem Drehtür-Effekt zu nehmen.