Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2018/70: Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung) · 99 Seiten

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Strom aus erneuerbaren Energien haben bzw. günstige ausländische Herkunftszertifikate zur Veredelung des eingekauften Graustromes benutzen. Allerdings sind die Energiepreise bei den Schweizer EVU derzeit kaum von der Zusammensetzung des Stroms abhängig. Dies weist mittelbar darauf hin, dass es einen erheblichen preislichen Effekt aus einer kosteneffizienteren Beschaffung geben kann. Zudem können alle Endverbraucher auf einen günstigeren Vertrag, vor allem im freien Markt, wechseln und somit bei ihrer Wahlentscheidung umfassend zwischen Preis und Qualität abwiegen. Basierend auf dieser Wahlfreiheit ist die volle Marktöffnung für die Endverbraucher als wirtschaftlich vorteilig zu bewerten. Wie hoch dabei die Wechselrate von der Grundversorgung in den freien Markt sein wird, hängt von der möglichen Kostenreduktion ab und auch davon, wie stark die Endverbraucher den Preisfaktor im Vergleich zu anderen Faktoren wie Qualität (Stromprodukte aus neuen erneuerbaren Energien) bzw. Herkunft gewichten werden. Die Wechselraten im europäischen Durchschnitt bewegen sich gemäss dem Rat der Europäischen Regulierungsbehörden im Energiebereich (Council of European Energy Regulators, CEER) bei 6,4 Prozent pro Jahr (Wechsel hin zu einem neuen Lieferanten). Hinzu kommen Wechsel beim etablierten Versorger zu für die Endverbraucher vorteilhaften Verträgen.

Speicherreserve

Die Kosten einer Speicherreserve liegen im tiefen zweistelligen Millionen-Bereich (Grössenordnung 15 bis 30 Millionen Franken) pro Jahr.62 Diese Kosten werden über das Netznutzungsentgelt im Übertragungsnetz refinanziert, was einer Erhöhung der Netznutzungstarife um 0,025 bis 0,05 Rp./kWh entspricht. Bei der Dimensionierung wird eine Vorhaltung allein von Energie ausserhalb des Marktes bevorzugt, welche für den Schweizer Markt einsetzbar ist. Diese Variante weist gegenüber einer zusätzlichen Vorhaltung von Leistung erheblich geringere Kosten sowie einen deutlich geringeren Einfluss auf den Systemdienstleistungsmarkt auf. Wird Leistung aus dem Markt genommen, so würde sich die Liquidität verringern, was zu höheren Preisen bei den Systemdienstleistungen führt.

Netztarifierung

Die Anpassungen bei der Tarifierung berücksichtigen, dass die (Spitzen-)Last ein wesentlicher Treiber für die Netzdimensionierung und somit der Netzkosten ist, der vermehrt zu berücksichtigen ist. Dies betrifft aufgrund des Ausspeiseprinzips zunächst die Endverbraucherperspektive, d.h. die Tarifierung auf der Netzebene 7. Verursachergerechte Netznutzungsentgelte stellen sicher, dass der Auslöser von Kosten für diese aufkommt und somit im Gesamtsystem eine langfristig verbesserte Steuerungswirkung erreicht wird. Sie reduzieren in der mittleren bis längeren Frist den Netzausbaubedarf und tragen damit zur Verringerung der Netzkosten bei. Die vorgesehenen Anpassungen entsprechen einer Kompromisslösung, die zu einer verbesserten Verursachergerechtigkeit führt, aber auch kompatibel mit den Zielen der Energiestrategie 2050 ist. Beispielrechnungen zeigen, dass die Rentabilität von Photovoltaikanlagen für den Eigenverbrauch über die Reduktion des Mindestarbeitstarifes reduziert wird

62 Frontier Economics und Consentec (2018), Ausgestaltung einer strategischen Reserve für den Strommarkt Schweiz.