Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2018/70: Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung) · 99 Seiten
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und bei einem Arbeitstarif von 30 Prozent teilweise sogar negativ ist. Bei Leistungsanteilen von 50 Prozent gibt es hingegen Rentabilitäten bis gut 2 Prozent. Sie fallen umso höher aus, je höher die Netzkosten sind. Deshalb wird auch bei allfälligen Modellen dynamischer Leistungspreise darauf zu achten sein, dass die «Prosumer» gesamthaft nicht schlechter gestellt werden als mit einer Referenzlösung zu Leistungspreisanteilen von lediglich 50 Prozent.
Sunshine-Regulierung
Über die Einführung einer Sunshine-Regulierung werden graduelle Verbesserungen im bestehenden System der kostenbasierten Regulierung angestrebt, welche zu einer höheren Effizienz führen dürften. Die Zielerreichung hängt massgeblich von der Wirkung der veröffentlichten Indizes auf die Eigentümer der Verteilnetze ab (im Sinne der antizipierten Wirkung eines Reputationsverlustes). Hierbei ist zu beachten, dass die Netzkunden im Vergleich zu einigen anderen Anwendungen dieser Regulierung (Dienstleistungen im Markt wie Hotels, Internetanbieter usw.) nicht wechseln können. Insofern ist der Umfang der Wohlfahrtssteigerung unbestimmt. Da allerdings kein besonderer Mehraufwand bei den Netzbetreibern anfällt, ist von einem Wohlfahrtsgewinn auszugehen. Erkenntnisse aus der Sunshine-Regulierung können zudem von der ElCom zu vertieften Kostenprüfungen genutzt werden. Um die Auswirkungen von Gesetzesänderungen besser bewerten zu können, wird es dem BFE künftig ermöglicht, Daten von der ElCom zu erhalten, insbesondere für eine Erprobung der Anreizregulierung (im Rahmen von allfälligen Benchmarking-Untersuchungen). Zudem wird durch eine regelmässige Evaluation der Netzkostenentwicklung unter der Sunshine-Regulierung ein ökonomisch sinnvoller Druck auf die Netzbetreiber aufgebaut, sich effizient zu verhalten. Wenn es zu keinen genügenden Effizienzverbesserungen kommt, unterbreitet der Bundesrat eine Vorlage zur Einführung einer Anreizregulierung. Kosteneffizientere Netzentgelte führen mittelfristig zu relevant geringeren Belastungen bei allen Endverbrauchern, da diese Entgelte im Mittel gut die Hälfte der Stromkosten ausmachen.
Flexibilitäten
Hauptziel der Regulierung der Flexibilitäten ist es, deren wirtschaftliches Potenzial, welches in der Schweiz erheblich ist63, besser und umfangreicher zu nutzen. Dazu wird eine klar umrissene Inhaberschaft geschaffen, welche eine wirtschaftliche Nutzung der Flexibilitäten fördert. Durch die Abregel- und Steuerungsmöglichkeiten seitens der Netzbetreiber sowie den geforderten Einbezug der Flexibilitäten in die Netzplanung kann mittel- bis langfristig der Netzausbaubedarf reduziert werden. Zudem werden neue Geschäftsmodelle gefördert, was zu relevanten Innovationen führt. Zu diesen gehören Aggregatoren (Intermediäre, welche flexible Energie bzw. Leistung von den Endverbrauchern bündeln und diese auf den Systemdienstleistungsmärkten anbieten), flexible Lasten, virtuelle Kraftwerke (Verbund aus verschiedenen dezent-
63 Vgl. Breig, O. et al. (2016), Multi-Client-Studie Endkundenflexibilität. Eine Empfehlung zur besseren Nutzung der Flexibilitätspotenziale bei den Schweizer Stromverbrauchern bis 2020, Zollikon.