Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2019/14: Bundesgesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele (JSFVG) · 70 Seiten

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Medien sinkt stetig. Dies gilt nicht nur für das Fernsehen, sondern zurzeit insbesondere für die Nutzung von (Tablet-)Computern, des Mobilfunks und des Internets. Gleichzeitig steigt die Gesamtdauer, die Kinder und Jugendliche insgesamt in ihrem Alltag mit Medien verbringen. Die Mediennutzung verlagert sich immer mehr weg von reiner Konsumation standardisierter Inhalte hin zur Interaktion und Kommunikation bzw. zur Selbstdarstellung. Die Bedeutung von YouTube und Abrufdiensten wie Netflix nimmt weiter zu. YouTube ist bei Schweizer Jugendlichen das mit Abstand populärste Webportal und die YouTube-Stars sind fester Bestandteil der Jugendkultur. Ein wichtiger Trend ist die mobile Nutzung von Medien, insbesondere des Internets. Das Smartphone ist für die Jugendlichen zum ständigen Begleiter geworden. Da nahezu alle Jugendlichen ihre eigenen Geräte besitzen, führt dies zu einer autonomeren Mediennutzung, was die Kontrollmöglichkeiten der Eltern einschränkt.

Technische Entwicklung

Durch die technische Entwicklung ergibt sich ein ausgesprochen vielfältiges Angebot an unterschiedlichen Medien- und Kommunikationsdiensten, die Kinder und Jugendliche nutzen und an denen sie sich aktiv beteiligen können:

- Mobile Geräte wie Smartphones und Tablets werden immer kleiner und leistungsfähiger

und ihre Verbreitung nimmt exponentiell zu.

- Parallel dazu vergrössert sich das Datenvolumen laufend. Ausserdem lagern Daten

immer seltener auf lokalen Geräten, sondern in externen Rechenzentren (Cloud).

- Die Konvergenz der Geräte, Dienste und Inhalte schreitet voran. Das Smartphone vereint

heute Telefon, Computer, Internetzugang, Fotoapparat, Videokamera, Musikplayer,

Wecker, Kalender etc. in einem Gerät. Gleichzeitig kann mit verschiedenen Geräten auf dieselben Dienste (z. B. Facebook) und Inhalte (z. B. bestimmter Film, bestimmtes Game) zugegriffen werden. Die Bedienbarkeit der Geräte wird zudem immer einfacher.

- Für die mobilen Geräte werden ausserdem immer mehr Apps entwickelt, welche die

Lokalisierungstechnologie nutzen. So können den Mobilfunknutzenden je nach

geografischem Kontext Informationen angeboten werden. Neben der Speicherung

persönlicher Daten wird es dadurch für Mobilfunk- und Dienstanbieter auch möglich,

Bewegungsprofile zu erstellen.

Die technischen Entwicklungen führen zu einer «Hypervernetzung» und ermöglichen ständige digitale Erreichbarkeit und zeit- und ortsunabhängiger Zugriff auf Daten, Informationen und Kommunikation. Die Möglichkeiten zur Echtzeit-Kommunikation und Live-Datenübertragung führen zu einer allgemeinen Beschleunigung.24

1.2.2 Aktuelle Problemlagen für Kinder und Jugendliche und Handlungsbedarf

Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über die technischen Entwicklungen und die

Nutzungstrends können verschiedene Problemlagen für Kinder und Jugendliche beim

Umgang mit digitalen Medien identifiziert werden. Dabei sind Kinder und Jugendliche nicht nur mehr in der Rolle von Rezipientinnen und Rezipienten d.h. Betrachtenden von

standardisierten Inhalten (Filme, Videospiele etc.), sondern immer mehr auch in der Rolle von Markt- und Kommunikationsteilnehmenden sowie Akteurinnen und Akteuren. Dabei können sie mit verschiedenen Problemen konfrontiert werden, die in Tabelle 1 systematisch

dargestellt werden.

24 Genner Sarah (2017): Digitale Transformation. Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche in der Schweiz – Ausbildung, Bildung, Arbeit, Freizeit. Zürich: ZHAW. Hrsg.: Eidg. Kommission für Kinder- und Jugendfragen. S. 14