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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten

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Ansätze nötig machen. Eine hohe Baukultur versteht sich vor diesem Hintergrund auch als Beitrag zur umfassenden Erfüllung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UNO und ihrer globalen Nachhaltigkeitsziele («Sustainable Development Goals»).

Ausgangslage und Herausforderungen

Die Schweiz zeichnet sich durch eine grosse kulturelle und natürliche Vielfalt aus. Bezogen auf die gebaute Umwelt, auf die Kulturlandschaften, Dörfer und Städte ist jedoch bei allen regional unterschiedlichen ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Realitäten eine beunruhigende Tendenz unübersehbar: Ihre bauliche Qualität ist abnehmend, wie der Bundesrat in seinem Bericht in Erfüllung des 16.4028 Postulats Fluri «Schweizer Ortsbilder erhalten»32 dargelegt hat. Während einzelne herausragende Beispiele der zeitgenössischen Architektur und des Ingenieurwesens entstehen, ist andernorts eine Trivialisierung des Gebauten zu beobachten. Weite Teile der alltäglichen Schweiz leiden unter gestalterisch anspruchslos bebauten Gebieten. Dieses Problem betrifft nicht nur städtische Gebiete, sondern vor allem auch den ländlichen Raum und die Agglomerationen. Der Bund hat namentlich auf die fortschreitende Zersiedelung mit der Revision des Raumplanungsrechts reagiert und verfolgt damit auch das Ziel, dieser negativen Entwicklung mit der Forderung nach einer qualitätsvollen Siedlungsentwicklung nach innen entgegen zu wirken. Für die angestrebte Verbesserung der Qualität der gebauten Umwelt müssen baukulturelle Aspekte gegenüber einer heute stark auf technische und ökonomische Logiken ausgerichteten Bau- und Planungspraxis in eine bessere Balance gebracht werden. Kulturelle Aspekte müssen in der Entwicklung und Beurteilung der gebauten Umwelt gerade in Zeiten der schnellen, globalen Veränderungen wieder ins Zentrum rücken, um den gesellschaftlichen Ansprüchen an das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bevölkerung langfristig genügen zu können.

Interdepartementale Strategie für Baukultur

Die Kulturbotschaft 2016–2020 hat das Konzept «Baukultur» eingeführt und die Erarbeitung einer interdepartementalen Strategie zur Förderung der Baukultur angekündigt. Unter der Leitung des BAK wurde zur Erarbeitung der Strategie eine interdepartementale Arbeitsgruppe mit den fünfzehn betroffenen Bundesstellen einberufen. In der neuen Strategie legt der Bundesrat strategische Ziele und Massnahmen vor, wie auf der Ebene des Bundes die Baukultur verbessert werden kann. Der Entwurf der Strategie liegt zeitgleich mit der Vernehmlassungsvorlage der Kulturbotschaft zur informellen Anhörung auf.33

In der Legislatur 2020–2023 soll der Massnahmen- und Aktionsplan der Strategie des Bundes für den Bereich der zeitgenössischen Baukultur von allen beteiligten Bundesstellen umgesetzt und die Strategie für die folgende Periode 2024–2027 weiterentwickelt werden. Die Strategie des Bundes zielt gemäss Entwurf mit Massnahmen von allen beteiligten Bundesstellen insbesondere ab auf:

– die Institutionalisierung im BAK der interdepartementalen Arbeitsgruppe zur Förderung der Baukultur;

– einen umfassenden Kompetenzenaufbau in baukulturellen Fragen und zwar sowohl bei Behörden als auch bei Bauherrschaften, Planenden, Ausführenden und der breiten Öffentlichkeit;

– eine nachhaltige Verbesserung der Bau- und Planungsqualität;

– eine Stärkung der multisektoriellen und interdisziplinären Zusammenarbeit;

– eine Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe.

Die konkreten Massnahmen bzw. die dafür benötigten Mittel fliessen gemäss Strategieentwurf und unter Vorbehalt der Zustimmung des Bundesrates für jede Bundesstelle separat in die jeweiligen Finanzierungsbotschaften und Voranschläge ein. Die vorliegende Kulturbotschaft 2021–2024 enthält nur die Massnahmen des BAK. Diese umfassen namentlich Anstrengungen für den Kompetenzenaufbau von Behörden, die Förderung einer breiten allgemeinen baukulturellen Bildung, die Förderung des Diskurses und die Stärkung der interdisziplinären Forschung zur Baukultur.

Forschung, Wissen, Vermittlung

Die Kulturbotschaft 2016–2020 konstatierte eine Tradierungskrise im Bereich Kulturerbe. Mit dem Begriff «Tradierungskrise» wird die abnehmende Bereitschaft für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und in der Folge die fehlende Akzeptanz für Massnahmen zum Schutz des kulturellen Erbes bezeichnet. Der Bund setzte als Gegenmassnahme einen Schwerpunkt «Öffentlichkeitsarbeit und Wissen». Dazu wurden Grundlagen erarbeitet, wie die in Zusammenarbeit mit dem BFS geschaffene Denkmalstatistik34 oder die Bereitstellung von Good-Practice-Beispielen sowie eine vertiefte Analyse zu Fragen der Kommunikation und der Teilhabe35. Repräsentative Umfragen lieferten Erkenntnisse zum gesellschaftlichen Stellenwert von zeitgenössischer und historischer Baukultur.36 Der Bund unterstützte praxisrelevante Forschungsprojekte, Pilotprojekte und Publikationen. Er war zudem massgeblich beteiligt an den Sensibilisierungskampagnen Gartenjahr 2016 sowie Europäisches Kulturerbejahr 2018.

Die Strategien und Ziele einer umfassenden Baukulturpolitik wurden in den vergangenen Jahren in verschiedenen Texten unterschiedlicher Natur formuliert. Parallel dazu ist es auch nötig, die zur Umsetzung nötigen Grundlagen wissenschaftlich zu vertiefen. Die Bedeutung und die Leistungen der Baukultur für die Gesellschaft sollen klarer herausgearbeitet und bekannter gemacht werden. Gleichzeitig will der Bund das Interesse an Kultur und Raumqualität verstärkt fördern und den Menschen mehr Teilhabe ermöglichen.

Gutachten und Beratung

Die Stellungnahmen des Bundes zu zahlreichen Bau- und Ausbauprojekten tragen zur Entwicklung einer hohen Baukultur bei. Die zunehmende Begleitung von Projekten ab den ersten Entwicklungsphasen ist eine positive Tendenz, die im Hinblick auf eine bessere Planung weiterverfolgt werden soll. Auch dank den rund 200 Gutachten, die den Kantonen in der letzten Förderperiode zur Verfügung gestellt wurden, konnte die Qualität von Arbeiten in den Bereichen Archäologie und Erhaltung des gebauten Kulturerbes in der ganzen Schweiz sichergestellt werden. Angesichts des zunehmenden Drucks auf das Kulturerbe durch die starke Bautätigkeit bleibt die Aktivität des Bundes in diesem Bereich wichtig. Der Dialog mit den verschiedenen betroffenen Sektoren muss im Hinblick auf eine bessere Berücksichtigung der denkmalpflegerisch relevanten Werte der Städte und Dörfer in der Schweiz verstärkt werden.

32 Bericht des Bundesrates vom 15. Dezember 2016 in Erfüllung des 16.4028 Postulats Fluri «Schweizer Ortsbilder erhalten».

33 Abrufbar unter: www.bak.admin.ch > Strategie-Baukultur

34 Bundesamt für Statistik BFS: Denkmäler in der Schweiz: erste Ergebnisse. Denkmalstatistik 2016 und Statistik des Kulturverhaltens, Neuchâtel 2018.

35 Bundesamt für Kultur BAK: Situationsanalyse zur Kommunikation in den Bereichen Denkmalpflege, Archäologie und Ortsbildschutz in der Schweiz, Bern 2017, einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Kulturerbe > Heimatschutz und Denkmalpflege > Grundlagen > Kommunikationsstrategie

36 Bundesamt für Kultur BAK: Baukultur für alle?, Bern 2018; Bundesamt für Kultur BAK: Umfrage zu Heimat – Identität – Denkmal, Bern 2015; Bundesamt für Kultur BAK: Umfrage zur Bedeutung des Kulturerbes in der Schweiz, Bern 2014. Alle einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Kulturerbe > Heimatschutz und Denkmalpflege > Grundlagen > Umfragen