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Vernehmlassung 2019/42: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2021-2024 (Kulturbotschaft) · 72 Seiten
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Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS)
Das ISOS katalogisiert und analysiert die baukulturell bedeutendsten Ortsbilder der Schweiz. Das Inventar erhebt nicht einzelne Denkmäler, sondern ganze Ortsbilder. Es präsentiert eine umfassende Analyse des Baubestandes und berücksichtigt Strassen, Plätze, Gärten und andere Grünflächen sowie die Verbindung des Gebauten zu seiner Umgebung. Die Aufnahme eines Ortsbildes in das ISOS weist darauf hin, dass es die ungeschmälerte Erhaltung in besonderem Mass verdient. Als weltweit einziges Ortsbildinventar, das die gesamte Fläche eines Staates abdeckt, trägt das ISOS zur Erhaltung der Architekturvielfalt der Schweiz bei. Es stärkt das Verständnis für Entwicklung und Identität der Ortsbilder und fördert die hohe Baukultur.
Das Inventar hält fest, was schützenswert ist. Es ist keine absolute Schutzmassnahme, stellt aber dennoch eine Entscheidungsgrundlage dar. Kantone und Gemeinden verfügen über Handlungsspielraum und sind angehalten, das Inventar bei ihren Planungen zu berücksichtigen.
Um die Akzeptanz und Anwendungskompetenz des ISOS als Planungsgrundlage zu verbessern, traf der Bund in den letzten Jahren verschiedene Massnahmen. Er publizierte Materialien zum ISOS: Die Frage der Vereinbarkeit des ISOS mit den im Raumplanungsgesetz erteilten Aufträgen der Innenentwicklung wurde 2015 im Auftrag des Bundesrates untersucht und in einem vom ARE publizierten Bericht bestätigt.37 Für 2020 sieht der Bund die Publikation konkreter Empfehlungen vor, wie mit den Qualitäten der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz bei der Siedlungsentwicklung nach innen umgegangen werden soll. Schliesslich organisierte der Bund Diskussionsforen und Tagungen und wird ab 2019 in Zusammenarbeit mit EspaceSuisse eine spezifische Schulung zum ISOS anbieten. Das touristische Potential der ISOS-Ortsbilder wird per 2019/2020 in der Kampagne «Historische Schweiz» von Schweiz Tourismus erfolgreich vermarktet.
Wie in der Kulturbotschaft 2016–2020 angekündigt, wurde das bis dahin extern erarbeitete ISOS 2016 in die Verwaltung integriert. Die Integration hat sich bewährt und bringt bezüglich der Leistungen sowie in organisatorischer, logistischer und finanzieller Hinsicht Vorteile.
Seit 2017/2018 wird das Bundesinventar für die Kantone Graubünden und Genf revidiert. Die ISOS-Aufnahmemethode wurde in einem partizipativen Prozess modifiziert und die Darstellungsweise des Inventars an die neuen technischen und digitalen Standards angepasst. Die VISOS wird 2019 ebenfalls revidiert und präzisiert. Sie enthält neu die für die Auswahl der Objekte massgebende Grundsätze.
Die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Baubestand bleibt eine grosse Herausforderung, und das ISOS ist für die Interessenabwägung eine geeignete Grundlage. Die Anstrengungen zur Stärkung der Information über die Ziele und den Sinn des ISOS sowie zur Förderung entsprechender Teilhabe müssen deshalb fortgeführt werden.
Finanzhilfen für die Erhaltung von schützenswerten Objekten und archäologische Massnahmen
In seinem Bericht in Erfüllung des Postulats 16.4028 Postulats Fluri «Schweizer Ortsbilder erhalten» sowie in seiner Tourismusstrategie vom 17. Dezember 2017 unterstreicht der Bundesrat die Bedeutung der Erhaltung des baukulturellen Erbes. Ohne Beiträge der öffentlichen Hand ist es jedoch oftmals nicht möglich, historische Gebäude sachgerecht zu restaurieren und deren Erhaltung langfristig sicherzustellen.
Bereits in den Kulturbotschaften 2012–2015 und 2016–2020 wurde dargelegt, dass der eigentliche Bedarf an Bundesmitteln bei über 100 Millionen Franken läge, um massgebliche Verluste des baulichen und archäologischen Erbes der Schweiz zu verhindern. Diese Situation hat sich nicht verändert, insbesondere die raumplanerische Prämisse der Siedlungsentwicklung nach innen hat für die Kantone die Kosten für archäologische Massnahmen erhöht. Die in den nächsten Jahren aufgrund des grösseren Bestandes häufiger zu erwartenden Restaurierungsaufgaben für das jüngere Kulturerbe werden ebenfalls die Nachfrage nach Finanzhilfen erhöhen. Die Effizienz und Organisation der Ausrichtung von Bundesbeiträgen für denkmalpflegerische und archäologische Massnahmen wurde im Rahmen des nationalen Kulturdialogs evaluiert. Der Bericht38 attestiert dem Bund eine effiziente und sachgerechte Umsetzung der Aufgabe. Punktuelle Optimierungen sollen in der kommenden Periode umgesetzt werden.
Internationales
Die Schweiz hat in der Periode 2016–2020 ihre aktive Beteiligung an der internationalen Debatte im Bereich der Baukultur fortgeführt und verstärkt. Insbesondere die unter der Federführung des Bundes erfolgte Verabschiedung der Erklärung von Davos 2018 für eine hohe Baukultur und das nachfolgende Engagement in diesem Bereich hat international grosse Beachtung gefunden. Die Teilnahme der Schweiz an der Initiative des Europäischen Kulturerbejahres 2018 hat die internationale Visibilität der Schweiz als glaubwürdiger und fachkompetenter Partner gestärkt.
Im Bereich des Welterbes der UNESCO hat die Schweiz 2017 ihre Liste indicative revidiert. 2018 hat der Bundesrat dem Parlament die Ratifikation des Rahmenübereinkommens des Europarates über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft (Konvention von Faro) sowie des Übereinkommens der UNESCO von über den Schutz des Unterwasser-Kulturerbes (UNESCO-2001) unterbreitet. Mit der Ratifikation dieser beiden Instrumente fördert die Schweiz eine moderne Kulturerbepolitik und stärkt die internationale Rechtssicherheit. Das von der Schweiz in diesem Bereich aufgebaute Netzwerk und ihre hohe Reputation muss durch eine stetige Präsenz und aktive Teilnahme an internationalen Diskussionen und Entscheidungen gepflegt werden, damit es für die Stärkung der Schweizer Interessen und die Kommunikation Schweizer Positionen nutzbar bleibt. Im Zusammenhang mit den knappen zur Verfügung stehenden Ressourcen werden jedoch Prioritäten gesetzt werden müssen.
Zusammenfassend und über alle Tätigkeitsgebiete gesehen sind in der nächsten Periode folgende Herausforderungen zu meistern:
– Umfassendes Verständnis von Baukultur konsolidieren: Dem konstatierten fortschreitenden Verlust an baukultureller Qualität in weiten Teilen der Schweiz soll mit der Förderung eines umfassenden Verständnisses von Baukultur und entsprechenden Massnahmen zur Vermittlung und Bildung begegnet werden.
– Überwinden der Tradierungskrise für das kulturelle Erbe: Die Anerkennung des kulturellen Erbes als Ressource und die Akzeptanz der entsprechenden Schutzinstrumente sind weiterhin ungenügend. Entsprechende Massnahmen zur Verbesserung müssen fortgeführt werden, wie namentlich die Umsetzunghilfen zur Anwendung des Bundesinventars ISOS und die Stärkung der Zusammenarbeit mit Planenden und Bauenden.
– Priorisierungen der Massnahmen: Aufgaben und Mittel der Fachbehörde des Bundes stehen angesichts der steigenden Ansprüche in einem Spannungsverhältnis. Sowohl in der Vergabe von Finanzhilfen sowie in der gutachterlichen Tätigkeit muss eine stärkere Fokussierung auf Vorhaben von gesamtschweizerischem Interesse erfolgen.
37 Bundesamt für Raumentwicklung ARE: ISOS und Verdichtung, Bericht der Arbeitsgruppe, Bern 2016, einsehbar unter: www.are.admin.ch > Medien und Publikationen > Publikationen > Städte und Agglomerationen
38 Schwenkel, Christof; Duarte, Marcelo; Rieder, Stefan: Untersuchung der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Bereich Heimatschutz und Denkmalpflege. Bericht zuhanden des BAK, Interface Politikstudien Forschung Beratung, Luzern 2018, einsehbar unter: www.bak.admin.ch > Kulturerbe > Heimatschutz und Denkmalpflege > Finanzhilfen