Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2022/1: Revision der Biozidprodukteverordnung (VBP) · 11 Seiten

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Dieser Indikator bewegt sich zwischen null (keine Überschreitungen) und eins (alle untersuchten Gewässer zeigen Überschreitungen). Ziel ist es, dass in den Gewässern keine Überschreitungen aufgrund des Einsatzes von Biozidprodukten auftreten, was einem Indikatorwert von 0 entspricht.

In Oberflächengewässern sind bei Überschreitungen der ökotoxikologisch begründeten numerischen Anforderungen für andauernde Belastungen von Anhang 2 GSchV und der PNECs (s. Fussnote 8 ) aus den Wirkstoffdossiers die Konzentrationen gemittelt über einen Zeitraum von zwei Wochen (14 Tagen) relevant.

Die numerischen Anforderungen für kurzzeitige Belastungen von Anhang 2 GSchV sind jederzeit einzuhalten, so dass hier auch Überschreitungen in Stichproben relevant sind (hingegen kann ein nur mit Stichproben untersuchtes Gewässer ohne Überschreitung nicht als Gewässer ohne Überschreitung gezählt werden). Da eine wissenschaftlich korrekte Überwachung der kurzzeitigen Grenzwerte äusserst aufwändig ist, werden zu diesem Zweck in der Regel Mischproben über 3.5 Tage verwendet. Ziel ist es, dass in den Gewässern keine Überschreitungen aufgrund des Einsatzes von Biozidprodukten auftreten, was einem Indikatorwert von 0 entspricht.

Die Zählung der untersuchten Oberflächengewässer und der Überschreitungen der ökotoxikologisch begründeten Grenzwerte basieren auf den Messungen der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA)9. Analysenergebnisse aus Pilotstudien sowie zusätzlich von Auftragslabors und kantonalen Fachstellen erfasste Messdaten sollen ebenso für die Zählung verwendet werden, soweit sie mit vergleichbaren Methoden wie im NAWA-Programm erhoben worden sind.

In der vom Bund gemeinsam mit den Kantonen betriebenen nationalen Beobachtung der Oberflächengewässer werden seit 2018 Pestizide in kleinen bis mittelgrossen Fliessgewässern jährlich an aktuell 33 Messstellen (38 Messstellen ab 2022) gemessen. An diesen Messstellen werden zahlreiche, als ökotoxikologisch problematisch bekannte oder vermutete Pestizide gemessen, davon sind auch etliche als Biozide zugelassen. Einige dieser bioziden Wirkstoffe sind gleichzeitig auch als Pflanzenschutzmittel und/oder Tierarzneimittel zugelassen. Sie wurden aufgrund ihrer ökotoxikologischen Eigenschaften sowie bisherigen Erfahrungen aus Pilotstudien in das Pestizid-Messprogramm aufgenommen. Die Liste der gemessenen Pestizide wird regelmässig angepasst, um die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Zulassungsentscheide abzubilden.

Es ist im Rahmen der nationalen Beobachtung nicht möglich, sämtliche biozide Wirkstoffe aus dem massgeblichen Risikobereich zu messen. Eine Priorisierung der bioziden Wirkstoffe anhand von ökotoxikologischen Daten sowie der in Verkehr gebrachten Mengen, sobald diese verfügbar sind, soll deshalb in Zukunft und während dem kontinuierlichen Ausbau des Messprogramms sicherstellen,

dass die wichtigsten bioziden Wirkstoffe weiterhin gemessen werden oder neu ins Programm aufgenommen werden. Die Priorisierung soll systematisch und regelmässig mit neu verfügbaren Daten aktualisiert werden.

Für die Interpretation der Messwerte und Überschreitungen muss auch das Einzugsgebiet des beprobten Oberflächengewässers berücksichtigt werden. Kenntnisse über die Struktur des Einzugsgebiets (Landwirtschaft, urbane Zonen), das Vorhandensein oder die Abwesenheit von Einleitungen aus Kläranlagen oder Regenwasserüberläufen und die Art und Grösse des beprobten Gewässers (z.B.

kleines Fliessgewässer, See) ermöglichen zusammen mit dem Einsatzgebiet des gemessenen bioziden Wirkstoffs und den vorhandenen Informationen zu Verbrauchsmengen (Biozide, PSM, TAM) eine Abschätzung des Anteils der Biozide am Gesamteintrag.

Für Gewässer, die der Trinkwassernutzung dienen oder dafür vorgesehen sind, gilt der Grenzwert von 0.1 μg/L für Wirkstoffe und Metaboliten. 80 % des Trinkwassers wird in der Schweiz aus Grundwasser gewonnen. Das Grundwasser wird im Messprogramm NAQUA beprobt. NAQUA umfasst ein landesweit aussagekräftiges Messnetz für die Grundwasserqualität von rund 550 Messstellen. Die Messstellen werden durchschnittlich zweimal pro Jahr auf ausgewählte Pestizide und deren Metaboliten unter-

9 Die Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) ist ein gemeinsames Monitoringprogramm von Bund und Kantonen (s. Internet: Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) (admin.ch)