Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2024/74: Vorentwurf zum Bundesgesetz über das Verbot des öffentlichen Verwendens von nationalsozialistischen Symbolen (VNSG) · 42 Seiten
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• im ˆffentlichen Interesse liegen bzw. durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sind,
• den Grundsatz der Verh‰ltnism‰ssigkeit wahren und den Kerngehalt der Grundrechte nicht antasten.72
In seinem erl‰uternden Bericht vom Juni 2009 zum Vorentwurf von Artikel 261terStGB und Artikel 171d MStG kam der Bundesrat zum Schluss, dass ein Verbot rassistischer Symbole, die darauf abzielen, Angehˆrige einer Rasse, Ethnie oder Religion systematisch herabzusetzen oder zu verunglimpfen, mit der Meinungs‰usserungsfreiheit wohl vereinbar sei. Er schlug eine einfache, mit einer Busse zu bestrafender ‹bertretung vor.73
Die Umsetzung der Motion 23.4318 RK-S stellt ein Mittel dar, den ˆffentlichen Frieden und die ˆffentliche Sicherheit zu sch¸tzen. Ausserdem dient sie dem Schutz des demokratischen Rechtsstaats und der Menschenw¸rde.
Die Meinungsfreiheit in einem pluralistischen und demokratischen Gemeinwesen geht gem‰ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung weit: Der Meinungsbegriff ist weit gefasst ¸ber ´die Gesamtheit der Mitteilungen menschlichen Denkensª74 und umfasst auch unhaltbare, offensichtlich falsche Mitteilungen,75´provozierende oder schockierende ƒusserungenª,76 Vereinfachungen oder ‹bertreibungen.77 In einer Demokratie ist es von zentraler Bedeutung, dass auch Standpunkte vertreten werden kˆnnen, die einer Mehrheit missfallen oder f¸r viele schockierend wirken.78 Der Sinn einer ƒusserung ist eine Rechtsfrage, die das Bundesgericht frei pr¸ft. Massgebend ist dabei der Sinn, welchen der unbefangene durchschnittliche Dritte der ƒusserung unter den gegebenen Umst‰nden beilegt.79 Es ist mithin erforderlich, dass die ƒusserung vom Dritten in einem rassendiskriminierenden Sinne verstanden wird und der Beschuldigte eine Interpretation seiner ƒusserung in diesem Sinne in Kauf genommen hat.80 Der Schutz der Meinungsfreiheit bezieht sich nicht nur auf den Inhalt der ƒusserung, sondern umfasst
72 BGE 147 IV 145, 162 E. 2.4.1; 137 IV 313, 323 E. 3.3.1
73 Bericht und Vorentwurf 2009, Ziff. 6.1.
74 BGE 127 I 145, 152 E. 4b
75 BGE 131 IV 23 E. 3.1 mit Hinweis.
76 BGE 143 IV 193 E. 1; 138 I 274, 281 E. 2.2.1; 131 IV 23 E. 3.1; EGMR Thorgeirson v. Island, 13778/88, A/239 [1992], Ziff. 63; EGMR, Handyside v. Vereinigtes Kˆnigreich, 5493/72, A/24 [1976], Ziff. 49: ´[Das Recht der Meinungs‰usserung gilt auch] to those that offend, shock or disturb the State or any sector of the populationª; EGMR Satakunnan Markkinapˆrssi Oy & Satamedia Oy v. Finnland, 931/13 [2017], Ziff. 124; SRG v. Switzerland, 34124/06 [2012], Ziff. 51; siehe auch BGE 146 II 217, 247 f. E. 8.2 m.w.H.; 138 I 274, 281 E. 2.2.1.
77 BGE 143 IV 193 E. 1; 131 IV 23 E. 2.1, BGer 6B_1126/2020 vom 10. Juni 2021 E. 2.1.1; 6B_644/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 1.3, je mit Hinweisen.
78 BGE 143 IV 193 E. 1; 138 I 274 E. 2.2.1 m.w.H.; 131 IV 23 E. 3.1; EGMR PerinÁek v. Switzerland [GC], 27510/08, Reports 2015, Ziff. 196.
79 BGE 148 IV 113 E. 3; 145 IV 462 E. 4.2.3; 143 IV 193 E. 1; 140 IV 67 E. 2.1.2; BGer 6B_1126/2020 vom 10. Juni 2021 E. 2.1.1; je mit Hinweisen.
80 BGE 140 IV 67 E. 2.1.2; BGer 6B_627/2015 vom 4. November 2015, E. 2.5 (´Kristallnachtª-Tweet).