Erläuternder Bericht - ChemRRV (Dünger)
Vernehmlassung 2025/123: Verordnungspaket Umwelt Herbst 2026 · 11 Seiten
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In den Nachbarländern der Schweiz ist somit das Ausbringen von Kalk im Wald unter Einhaltung gewisser Voraussetzungen bereits erlaubt.
4 Erläuterungen zu einzelnen Artikeln
4.1 Anhang 2.6 Ziffer 1 Absatz 3
Im Wald dürfen nur bestimmte natürliche Kalkdünger ausgebracht werden. Diese werden auch als «Kalkungsmittel» bezeichnet. Nach aktuellem Kenntnisstand ist vor allem Dolomitgesteinsmehl für den Wald geeignet. Für bestimmte Standorte können silikatische und basaltische Gesteinsmehle die bevorzugte Lösung sein. Den Kalkungsmitteln dürfen keine weiteren Stoffe zugefügt sein. Es gelten die weiteren Bestimmungen für Kalkdünger gemäss PFC2. Andere Kalkdünger sind für den Wald nicht geeignet und nicht zulässig. Kalkdünger wie Calciumoxide (gebrannter Kalk) und Calciumhydroxide (gelöschter Kalk) sind beispielsweise sehr reaktiv und dürfen nicht im Wald ausgebracht werden.
4.2 Anhang 2.6 Ziffer 3.3.2 Absatz 2 Buchstabe c, Absätze 3 und 4
Die Stickstoffeinträge überschreiten heute auf knapp 90 Prozent der Waldfläche die kritischen Eintragswerte, oberhalb derer langfristig mit negativen Beeinträchtigungen zu rechnen ist10. Übermässige Einträge von stickstoffhaltigen Luftschadstoffen bewirken in vielen naturnahen Ökosystemen eine Überdüngung und tragen zur Versauerung des Bodens bei. Wichtige Nährstoffe für das Baumwachstum, wie Magnesium, Calcium und Kalium werden unter diesen Bedingungen ausgewaschen. Die Versauerung und die Nährstoffverarmung sind in vielen Wäldern problematisch: Die Nährstoffversorgung wird unausgewogen und teilweise mangelhaft, das Wachstum kann abnehmen und die Bäume werden weniger widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Witterungseinflüssen wie Trockenheit oder Stürmen.
Basierend auf den Resultaten der Waldbodenkartierung des Kantons Zürich kann abgeschätzt werden, dass rund 10 Prozent der Waldböden des Kantons tiefgründig versauert sind11. Ein tiefgründig versauerter Boden weist über das ganze Bodenprofil im durchwurzelbaren Mineralboden niedrige pH-Werte (pH in Wasser ≤ 4.2) und einen niedrigen Nährstoffgehalt auf (die Basensättigung liegt unter 20%)12.
Höchste Priorität hat die Reduktion der Stickstoffemissionen an der Quelle. Rund zwei Drittel des über die Luft eingetragenen Stickstoffs haben ihren Ursprung in den Ammoniakemissionen der Landwirtschaft, etwa ein Drittel stammt von Stickoxiden, welche bei Verbrennungsprozessen hauptsächlich im Verkehr und der Industrie freigesetzt werden. Allerdings würde auch bei einer raschen Reduktion der heutigen Stickstoffemissionen die Wirkung erst zeitlich stark verzögert eintreten, da die
10 Rihm B. and Künzle T., 2023: Nitrogen deposition and exceedances of critical loads for nitrogen in Switzerland 1990–2020. Meteotest, Bern.
11 https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/boden/bodenkarten.html
12 Hartmann P., v. Wilpert K. 2016. Statistisch definierte Vertikalgradienten der Basensättigung sind geeignete Indikatoren für den Status und die Veränderungen der Bodenversauerung in Waldböden. Allg. Forst- u. J.-Ztg. 187: 61-69.